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3 feindliche Brüder gegen gute Löhne

unnamed3 feindliche Brüder gegen gute Löhne …Zinsen, Mieten und Gewinne bilden die eine Seite der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung. Die Einkommen der abhängig Beschäftigten stehen auf der anderen Seite der Berechnungen. Mit dieser Botschaft knüpfte Prof. Dr. Heinz-J. Bontrup an die Aussagen des französischen Wissenschaftlers Thomas Piketty an. Piketty hat ein vielbeachtetes Buch über die Verteilungslage in 20 Volkswirtschaften Europas und der USA herausgebracht. Mittlerweile ist das Buch mehr als 3,5 Mio. mal verkauft und führt zu heftigen Auseinandersetzungen von Ökonomen und Politikern. Während die erhobenen Daten nicht infrage gestellt werden, gehen die Bewertungen über die sachlichen Erkenntnisse auseinander. Bontrup, der auch Sprecher der Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik ist, unterstützte in seinem gut besuchten Vortrag in der Aula des Fichte-Gymnasiums die Datenlagen seines französischen Kollegen. Er verwies mit seinem Beispiel der „3 feindlichen Brüder“ darauf, dass es zwar bei den Gewinnen und Einnahmeinteressen bei Profit, Zinsen und Mieten einen stetigen Kampf um die Verteilgrößen gibt; aber dass gleichzeitig große Einigkeit besteht, wenn es darum geht die Löhne und Einkünfte bei den abhängig Beschäftigten so weit wie möglich zu drücken. Anschaulich erläuterte er den Doppelcharakter von Löhnen, die für die arbeitenden Menschen Einkommen und für die Unternehmen Kosten wären. Und seit dem sich die so genannte „Shareholder Value-Logik“ durchgesetzt hat, werden die Löhne der Beschäftigten zu einer Restgröße der Planung. „Shareholder-Value heißt nichts anderes, als das Unternehmen als erstes ein Renditeziel festlegen, dann die unausweichlichen Aufwendungen berechnen und für die Beschäftigten nur noch ein immer kleiner werdender Rest übrig bleibt.“ Bontrup wies diese Entwicklung anhand von konkreten Zahlen nach. So hätte in den 70er Jahren der Anteil der Löhne in der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung noch bei gut über 70% gelegen, während er mittlerweile auf rund 66% zurückgegangen ist. Er erläuterte, dass dies nicht nur zutiefst ungerecht ist, sondern auch von immenser wirtschaftspolitischer Unvernunft zeugt, da damit einhergehend der Anteil der erforderlichen Kaufkraft bei immer mehr Menschen immer weiter sinkt. Als nächste argumentierte er mit deutlichen Worten gegen die sich stetig verschlechternden Finanzlagen der öffentlichen Haushalte. Anstatt endlich zu begreifen, dass wir bereits heute viele soziale Aufgaben für die Menschen und die Infrastrukturen nicht mehr gewährleisten und durch völlig unzureichende Investitionen in den Städten, den Ländern und im Bund den nachfolgenden Generationen kaum zu bewältigende Reparaturkosten aufbürden, werden diese erforderlichen Maßnahmen durch die beschlossene Schuldenbremse auch noch behindert. Der in Recklinghausen lehrende Wissenschaftler rief dazu auf aktiv für eine andere Politik einzutreten. „Die Wiedereinführung der Vermögenssteuer und die Neufassung der Erbschaftssteuer gehören dringend auf die Tagesordnung. Dabei geht es nicht um das Häuschen der Oma, sondern um Vermögen oberhalb von 500.000 Euro und Erbschaften in Milliardenhöhe, die durch gesellschaftliche Arbeit entstanden sind und wo die Gesellschaft ihr Anrecht auf einen Teil dieser Vermögen einklagen muss.“ An der anschließenden Diskussion beteiligten sich die Teilnehmer der Veranstaltung aktiv, stellten Nachfragen und unterstützten die grundlegenden Aussagen. Abschließende Antworten wie dieser politische Paradigmenwechsel gelingen kann, wurden noch nicht gefunden. Am Beispiel Griechenland wurde allerdings konstatiert, dass es zumindest Chancen auf eine andere Politik geben würde. Allerdings auch hier mit einer Reihe noch offener Fragen. Der Hagener DGB, Arbeit und Leben sowie die örtliche VHS zeigten sich zufrieden mit dieser „Gegen den Strom“-Veranstaltung und werden in den kommenden Monaten weiter am Thema diskutieren und arbeiten.

Warum die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer werden

Hagen – Am Dienstag, 17. März 2015 referiert Professor Dr. Heinz Bontrup um 19 Uhr in der Reihe „Gegen den Strom“ über das Thema der auseinanderstrebenden Einkommens- und Vermögensverteilung. Zu dieser Veranstaltung laden Arbeit und Leben, DGB und VHS in die Aula des Fichte-Gymnasiums, Goldbergstraße 20, ein. Der Eintritt ist frei.
Thomas Piketty hat in seinem viel diskutierten Buch „Capital in the Twenty-First-Century“ die langfristige Entwicklung von Einkommen und Vermögen in mehreren westlichen Ländern untersucht. Der Diplom-Ökonom Prof. Dr. Heinz Bontrup stellt Pikettys Analyse in den Zusammenhang bundesrepublikanischer Einkommens- und Vermögensverteilung und beleuchtet deren Auswirkung auf den Wirtschaftskreislauf und demokratische Entwicklungen.
Darüber hinaus wird der Referent kapitalistische Widersprüche benennen und Wege einer alternativen Wirtschaftspolitik darstellen.
Prof. Dr. Heinz-J. Bontrup ist u. a. Professor für Wirtschaftswissenschaft mit dem Schwerpunkt Arbeitsökonomie im Fachbereich Wirtschaftsrecht an der Westfälischen Hochschule Gelsenkirchen und Sprecher der Arbeitsgruppe „Alternative Wirtschaftspolitik“.