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Eintauchen in die Welt der Farben

_IMG_3421Herdecke – Zum dritten Mal zeigt die Dr. Carl Dörken Galerie an der Wetterstraße 60 in Herdecke vom 14. März bis zum 21. Juni 2015 eine Werkauswahl aus der Sammlung der Werner Richard – Dr. Carl Dörken Stiftung mit zahlreichen bisher nicht ausgestellten Gemälden.  Mal ist es knallbunte Überwältigung oder dezente Harmonie, mal kühle Präzision oder heftige Emotionalität: seitdem Künstlerinnen und Künstler vor kaum mehr als 100 Jahren dazu übergegangen sind, die Ausdruckskraft der Farbe unabhängig von gegenständlichen Motiven zu entfalten, haben sie in immer neuen experimentellen Ansätzen der faszinierenden Welt der Farben nachgespürt. 26 zum Teil erstmals öffentlich gezeigte Werke aus der Stiftungssammlung repräsentieren die ganze Breite der Farbmalerei seit den späten 1950er Jahren bis in die Gegenwart. Vertreten sind neben Malerinnen und Malern aus Griechenland, Italien, London oder New York bzw. aus den deutschen Kunstmetropolen Berlin, Düsseldorf und Köln, auch Künstlerinnen und Künstler aus der Region.

Die abstrakt-expressive Kunst der späten 1950er/60er Jahre ist u.a. im Frühwerk der Herdecker Malerin Roswitha Lüder zu finden. Sie lässt mit einem eigenständigen subjektiv-expressiven Malduktus den Betrachter Zeuge werden an dem Entstehungsprozess gestalthafter Formen. Dagegen sucht im Jahr 2000 der italienische Maler Mario Moronti im klassischen Sinne des abstrakten Expressionismus mit großer impulsiv-spontaner Geste die ganze Dynamik der Moderne ins Bild zu holen. Der in London lebende Maler Klaus Becker entwickelt in einem 1964 entstandenen Gemälde aus dichtem Liniengewebe eine lebendig atmende Farbrhythmik. Dass die Bildfläche ein materialreiches Schlachtfeld sein kann, demonstriert Ende der 1950er Jahre der Athener Künstler Vlassis Caniaris, während der aus Hagen stammende Künstler Andreas Fasbender seine musikalische Energie direkt auf eine rohe Leinwand getrommelt hat („Trommelobjekt“, 1999).

Die Gegenposition zu dieser stark subjektiv bestimmten expressiven Malerei nimmt die konstruktive und konkrete Kunst mit ihrer präzisen Planung des Bildaufbaus ein.
Arend Fuhrmanns geometrische Komposition (1968) aus geschichteten verschiedenfarbigen Farbbalken erzeugt eine für das Auge schwer fassbare vibrierende Farbräumlichkeit.
Bei H.H. Zimmermann („Weißes Feld eingelassen“, 2002) kann man die präzise aus Farbflächen berechnete Ausgewogenheit der Gesamtkomposition erleben.

Ein großer Teil der ausgestellten Werke steht in der Nachfolge der sogen. Farbfeldmalerei der 1960er Jahre. Sie zeugen von dem Ziel der Künstler, die Möglichkeiten der Farbe im malerischen Prozess jeweils individuell zu erarbeiten und zu erproben. Andrea Behn oder Susanne Stähli, die beide in der Region leben und arbeiten, entwickeln in ihrer Malerei der 1990er Jahre aus einem jeweils ganz eigenständigen differenzierten Wechselspiel von hellen und dunklen Farbwerten eindrucksvolle Farbräume. Claudia Desgranges lässt in einem Werk von 2004 aus einem einfachen Prinzip horizontaler und vertikaler Strichlagen auf silbrig schimmerndem Aluminiumgrund Farbzonen und Farbmischungen von eigentümlich transparenter Leichtigkeit entstehen. Auch Kuno Gonschior demonstriert mit seiner pastosen Farbtupftechnik („O.T.“, 1988) den Einfluss der individuellen Farbbehandlung auf die Gesamtwirkung des Bildes. Geheimnisvolle Formgebilde in sphärischen Farbräumen schafft Jan Kolata, indem er in seinem 2014 entstandenen Gemälde mit bewegtem Duktus lasierende Farbtöne mehrfach übereinander legt.

Bei Sotirakis Charalambou, Thomas Emde, Raymund Kaiser, Markus Linnenbrink, Katinka Pilscheur oder Margareta Hesse spielt die Materialität der Farbe eine große Rolle. Geht man beispielsweise an dem aus noppenartiger Kunststofffarbe bestehenden „Farbflies“ (1995) von Thomas Emde vorbei, wechselt es seine Farbe. Bei Raymund Kaiser spiegelt sich der Realraum samt Betrachter in einem hochglänzenden Farblack, während partiell darüber gelegte stumpfe Farbmasse dieses Spiegelbild wieder zudeckt. Katinka Pilscheur, gebürtig aus Herdecke und seit vielen Jahren in Berlin tätig, liebt industrielle Materialien und macht einen grell glänzenden Motoradlack zum ästhetischen Ereignis („Aprila Flashy Yellow“, 2008). Bei Margareta Hesses „Translucide“ (2007) bilden transparente Materialien wie Schellack, Farblacke und Polyesterplatten die Ausgangsbasis, um einfache horizontal und vertikal strukturierte Streifenstrukturen in fast unwirkliche raumfarbliche Erscheinungen zu transformieren. Sotirakis Charalambou nimmt sich dagegen als Künstler zurück, damit Farbpigmente möglichst unbeeinflusst als färbender Staub die feinteilige Struktur einer wattige Papiermaterie erlebbar machen kann.
Jürgen Partenheimer entführt den Betrachter in eine widersprüchlich erscheinende phantastische Bildwelt, in der diffuse pinkfarbene Farbfelder, geometrische Flächenformen und zittrige spiralförmige Liniengebilde eine fragile Konstellation kaum benennbarer Räumlichkeit bilden („Metaphysischer Realismus“, 2000). Das flächendeckende pulsierende Schwarz im „Black Painting“ (1982) des New Yorker Künstlers Phil Sims kann in seiner Undurchdringlichkeit die Frage provozieren, was denn eigentlich ein Bild mit seinen Farben ausmacht und bewirken kann.

Dass die Form des Bildträgers die Farbwahrnehmung beeinflusst, kann an Raimer Jochims’ oder Elisabeth Varys Bildobjekten beobachtet werden. Jochims nimmt indirekt Bezug auf den expressionistischen Maler Cham Soutine („Erinnerung an Soutine“, 1997). Er tritt aber den Beweis an, dass allein schon die Kombination von Farbe und nichtgegenständlicher Bildform eine intensive Stimmung erzeugen kann. Vary bietet uns ein ästhetisches Spiel an, bei dem der Betrachter zu überlegen hat, ob er ihr zweiteiliges Farbobjekt als Malerei oder als Skulptur auffassen will.

Nach den Worten des US-amerikanischen Künstlers Donald Kuspit kann Farbe symbolische oder auch empirische Werte transportieren: symbolisch etwa im Sinne „menschlicher Emotionalität“ oder „unbewusster Erfahrungen“, empirisch im Sinne der materiellen Eigenwertigkeit der Farbe. Dazwischen sind alle möglichen Kombinationen denkbar.

Ausstellung „Farbdinge | Farbräume“

Ausstellungsdauer: Samstag 14. März – Sonntag 21. Juni 2015

Beteiligte KünstlerInnen: LUTZ BECKER, ANDREA BEHN, VLASSIS CANIARIS, SOTIRAKIS CHARALAMBOU, CLAUDIA DESGRANGES, MARGARETA HESSE, THOMAS EMDE, ANDREAS FASBENDER, AREND FUHRMANN, KUNO GONSCHIOR, RAIMER JOCHIMS, RAYMUND KAISER, JAN KOLATA, ROSWITHA LÜDER, ULRICH MOSKOPP, JÜRGEN PARTENHEIMER, KATINKA PILSCHEUR, PHIL SIMS, SUSANNE STÄHLI, ELISABETH VARY, MARTIN WEHMER, H.H. ZIMMERMANN

Eröffnung: Freitag, 13. März, 19.00 Uhr  –  Begrüßung: Dr. Jochen Plaßmann  –  Einführung: Prof. Dr. Reinhold Happel

Katalog  „Farbe als Farbe“  20,- Euro

Öffnungszeiten : Samstag: 14.00 – 17.00 Uhr, Sonntag: 11.00 – 17.00 Uhr,

vor Konzerten im Werner Richard Saal: bis 18.30 Uhr

Eintritt  –  Erwachsene: 2,- Euro / Schüler und Studenten: frei

Führungen:  Öffentliche Führungen sind im Eintritt enthalten
Samstag und Sonntag: 16.00 Uhr, Gruppenführungen nach Vereinbarung

Weitere Informationen unter: Tel. 02330/63524, Sabine Leßmöllmann-Putzer

http://www.doerken-stiftung.de/galerie
Dr. Carl Dörken Galerie, Wetterstrasse 60, 58313 Herdecke

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