Archiv der Kategorie: Arbeit und Soziales

Der Ausbildungsmarkt entwickelt sich wieder besser, aber Lücke bleibt

Halbzeitbilanz auf dem Ausbildungsmarkt 2018/2019

Die Agentur für Arbeit zieht eine erste Bilanz zum Ausbildungsmarktjahr

2018/2019, das bereits im vergangenem Oktober begonnen hat. Seitdem haben sich fast 3500 Bewerber gemeldet (+ 1,0 Prozent), während knapp 2900 Ausbildungsstellen von den Unternehmen zur Verfügung gestellt wurden (+ 28,1 Prozent). Insgesamt suchen ganz aktuell noch 1815 junge Männer und Frauen einen Ausbildungsplatz. Ihnen stehen derzeit 1730 unbesetzte Ausbil-
dungsstellen zur Verfügung und damit statistisch 0,95 oder nahezu eine Stelle pro Bewerber. Die Chancen für junge Menschen in der Region sind im Vergleich zum Vorjahr deutlich gestiegen. Damals war die Stellen/Bewerber Relation nur 0,8. Maren Lewerenz, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Hagen, lobt die gestiegene Ausbildungsbereitschaft: „Im Vergleich zur letzten Halbjahresbilanz wurden über 600 Stellen mehr gemel-
det. Das verbessert die Lage für die Jugendlichen erheblich, auch wenn immer eine Lücke bleibt. Es ist aber noch sehr viel in Bewegung. Bisher konnten erst knapp 15 Prozent aller Bewerber einen Ausbildungsvertrag unterschreiben, das vorhandene Angebot an interessierten, jungen Menschenkönnte von Arbeitgebern also noch deutlich besser genutzt werden.“

Die Entwicklung in der Stadt Hagen
Während die Zahl der gemeldeten Bewerber im Vergleich zum Vorjahr nur um 4,1 Prozent anstieg, wurden über 50 Prozent (!) mehr Ausbildungsstellen von Wirtschaft und Verwaltung gemeldet. Seit Oktober 2018 haben sich 1693 junge Menschen auf der Suche nach einer Ausbildungsstelle an die Berufsberatung gewandt,

67 mehr als vor einem Jahr. Ihnen stehen insgesamt trotz des Anstiegs nur 1229 gemeldete Ausbildungsstellen zur Verfügung. Damit kommen auf einen Bewerber rein statistisch 0,73 Ausbildungsstellen, im Vorjahr waren es nur 0,5.

Von den 1693 jungen Erwachsenen suchen aktuell noch 965 einen Ausbildungsplatz. Die meisten verlassen im Sommer die Schule. 456 Bewerberinnen und Bewerber haben die Schule bereits in früheren Jahren verlassen. In Hagen stehen aktuell noch fast 700 unbesetzte Ausbildungsstellen zur Verfügung. „Die Ausbil-
dungsbereitschaft ist hier wieder deutlich gestiegen. Dafür ein großes Lob an die Unternehmen. Trotzdem reicht die Zahl der in Hagen noch verfügbaren Ausbildungsstellen für die Bewerberinnen und Bewerber bei weitem nicht aus, und zwar nicht nur rechnerisch, sondern auch strukturell, weil Stellenprofile und dieVoraussetzungen der Bewerber nicht zusammenpassen. Hohe Ansprüche und zum Teil falsche Vorstellungen auf beiden Seiten führen manchmal dazu, dass man nicht zusammenkommt. Auch sind die Ausbildungsberufe bei vielen Jugendlichen höchst unterschiedlich gefragt“, so Lewerenz. Die nachfolgende Tabelle liefert einen Überblick über das aktuelle Verhältnis von Angebot und Nachfrage.

Die Entwicklung im Ennepe-Ruhr-Kreis
Im Vergleich zur Stadt Hagen hat sich die Situation auf dem Ausbildungsmarkt im Ennepe-Ruhr-Kreis gegenüber dem Vorjahr weniger deutlich verändert. Die Schulabgängerzahl und damit auch die der gemeldeten Bewerber war um 34 oder 1,9 Prozent weiter rückläufig, während die Unternehmen 217 oder 15,1 Prozent mehr
Stellen meldeten. Insgesamt stehen 1781 gemeldeten Bewerbern seit Oktober 1651 gemeldete Stellen zur Verfügung. Damit kommen auf einen Bewerber rein statistisch 0,93 Ausbildungsstellen, im Vorjahr waren es nur 0,79.
Aktuell sind noch 850 Bewerberinnen und Bewerber unversorgt. Auch hier wird der Großteil im kommenden Sommer die Schule beenden. 370 von ihnen haben aber bereits in den Vorjahren die Schule verlassen. Lewerenz sieht zwar eine gestiegene Bereitschaft zum Umdenken bei Arbeitgebern und Jugendlichen, diese führe jedoch noch nicht weit genug: „Die Kreativität und Einstellung jedes Einzelnen ist gefragt, sich Wettbewerbsvorteile zu erarbeiten.
Betriebe können sich den jungen Leuten in den sozialen Netzwerken vorstellen und auf sich aufmerksam machen. Und die Bewerber sollten auch Umkreis-Regionen mit in Betracht ziehen, wenn es mit der Wunschausbildung nicht klappt.“

Jugendliche, die sich beruflich orientieren möchten, können sich jederzeit bei der Berufsberatung kostenfrei melden unter: 0800 / 4 5555 00. Arbeitgeber können jederzeit freie Arbeits- und Ausbildungsplätze kostenfrei melden unter: 0800 / 4 5555 20. Hier können sie auch Beratung zu Förderleistungen erhalten.

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Workshopreihe zur Digitalisierung in Unternehmen zu Ende gegangen

Mit einer Abschlussveranstaltung endete gestern die erste Runde der Workshopreihe „Digital Scouts Märkische Region“ in der agentur mark. Die ersten zwanzig Digital Scouts erhielten ihre Teilnehmerzertifikate von Christina Ramb vom Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes NRW.

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Firma Püschel setzt sich für Energie-Effizienz ein

Betriebsleiter Lars Ahlborn (mitte) erläutert die Produktionsschritte der Feinsicherungen

Damit bei der Inklusions-Firma Püschel Elektrotechnik Energie- und Ressourceneinsatz optimiert werden können, beteiligt sich der Wetteraner Feinsicherungshersteller an der 4. ÖKOPROFIT-Runde im Ennepe-Ruhr-Kreis.

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Sozialer Arbeitsmarkt: „Wir wollen dieses Projekt zum Erfolg führen“

René Röspel | >>In den vergangenen Jahren lieferte der Arbeitsmarkt regelmäßig positive Nachrichten. Die Zahl der Arbeitslosen ist gesunken, mehr Menschen haben eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung.


Über den sozialen Arbeitsmarkt diskutierten (von links) Andrea Henze 
(Jobcenter), Ralf Kapschack MdB, René Röspel MdB und Heidrun 
Schulz-Rabenschlag (Diakonie) mit Verantwortlichen von 
Berufsförderungsmaßnahmen, Gewerkschaftern und Lokalpolitikern.
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Inbatec GmbH in Hagen erhält das Zertifikat für Inklusion 2018

Die Agentur für Arbeit Hagen hat am Mittwoch die INBATEC GmbH mit Sitz in Hagen mit dem „Zertifikat für erfolgreiche Inklusion 2018“ der Bundesagenturfür Arbeit ausgezeichnet.

Die Urkunde wird im Rahmen der achten bundesweiten Aktionswoche für die Menschen mit Behinderung an ausgewählte Betriebe verliehen, die sich in besonderem Maße für deren Beschäftigung einsetzen.

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Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung nehmen weiter ab

BA
Foto: BA Nürnberg

„Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung nehmen im Oktober weiter ab. Das Wachstum der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung setzt sich fort und die Arbeitskräftenachfrage der Unternehmen pendelt sich auf einem sehr hohen Niveau ein.“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit (BA), Detlef Scheele, heute anlässlich der monatlichen Pressekonferenz in Nürnberg. Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung nehmen weiter ab weiterlesen

Rund 80 neue Auszubildende und dual Studierenden zu Gast bei der Hagener IG Metall Jugend

Kevin Schmitz | Die IG Metall in Hagen lädt zum Berufsstart ein und knapp 80 Auszubildende folgen dieser Einladung in das Hagener Sprungwerk an den Elbershallen.

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„Wir haben viel geboten: den Austausch mit Auszubildenden und dual Studierenden mit Kolleginnen und Kollegen aus anderen Betrieben, nützliche Informationen über Recht und Pflichten, Möglichkeiten sich ehrenamtlich zu engagieren und vieles mehr. Wir sind vom Anfang, bis zum Ende des Arbeitslebens, für die ArbeitnehmerInnen ansprechbar und das wollen wir deutlich machen“, konstatiert Kevin Schmitz – Gewerkschaftssektretär der IG Metall Geschäftsstelle Hagen.

Die Auszubildenden und dual Studierenden hatten unter anderem die Möglichkeit einem Juristen direkt ihre mitgebrachten Fragen rund um die Ausbildung und das Arbeitsleben allgemein zu stellen.

„Das Feedback ist rundum positiv und es gab kein Verletzten beim Springen. Das ist für uns die Hauptsache. Wir freuen uns über die hervorragend Zusammenarbeit mit dem Sprungwerk und hoffen auf eine Fortführung dieser Veranstaltung.“; freut sich Michelle Levering (Betriebsrätin bei thyssenkrupp Hohenlimburg).

35 Prozent der Hagener profitieren nicht von neuem Teilzeit-Gesetz

Mehr Zeit für FamilieMal etwas weniger arbeiten, um Zeit für Kinder, Angehörige oder auch sich selbst zu haben – danach aber wieder voll in den Beruf einsteigen: Für Tausende Beschäftigte in Hagen soll das ab 2019 per Gesetz möglich sein. Tatsächlich dürften jedoch 29.200 Arbeitnehmer in der Stadt nicht vom sogenannten Rückkehrrecht in Vollzeit profitieren – weil ihr Betrieb weniger als 45 Mitarbeiter hat. „Das sind 35 Prozent aller Beschäftigten, an denen das Gesetz komplett vorbeigeht“, kritisiert die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten Südwestfalen.

Die NGG beruft sich dabei auf aktuelle Zahlen der Bundesagentur für Arbeit. Ein Großteil der Beschäftigten in Bäckereien und Metzgereien dürfte danach nichts von der geplanten Brückenteilzeit haben. Im Gastgewerbe wären laut Statistik in Hagen sogar 73 Prozent des Personals vom Gesetz ausgenommen.

Auf die Untergrenze von 45 Beschäftigten hatte sich die Große Koalition verständigt. Die Unionsparteien setzten sich in diesem Punkt gegen die SPD durch. Das Gesetz soll noch im Oktober den Bundestag passieren. „In den vielen Kleinbetrieben im Handwerk und in der Gastronomie ist die Teilzeit-Novelle damit reine Makulatur“, sagt NGG-Geschäftsführerin Isabell Mura. Sie ruft die heimischen Bundestagsabgeordneten dazu auf, sich in Berlin für Änderungen am Gesetz stark zu machen. „Die Einschränkung für kleine Betriebe muss wegfallen“, so Mura. Denn die Idee der Reform gehe in die richtige Richtung: „Tausende wünschen sich mehr Souveränität bei der Arbeitszeit.“

Hinzu kommt: Rund 30.700 Hagener arbeiten bereits jetzt in Teilzeit. Nach Angaben der Arbeitsagentur ist ihre Zahl in den letzten zehn Jahren um 13 Prozent gestiegen. „Diesen Menschen bringt das Gesetz auch keine Verbesserungen“, bemängelt Mura. Denn einen Anspruch auf eine Vollzeit-Stelle habe nach den Plänen der GroKo nur, wer vorher schon einmal in Vollzeit gearbeitet hat. Das sei aber in vielen Branchen die Ausnahme. So liegt die Teilzeitquote in Hagen laut Statistik bei 37 Prozent. In Hotels, Pensionen und Restaurants ist der Anteil mit 77 Prozent besonders hoch.

Nach Einschätzung der NGG hilft das Gesetz auch kaum gegen Altersarmut, von der Frauen besonders häufig betroffen sind. „Denn Frauen arbeiten überdurchschnittlich oft in Kleinbetrieben – oder haben seit vielen Jahren nur einen Halbtagsjob.“.

Erfolgreich mit Teilzeitausbildung: Julia Harbecke (37) hat in zwei Jahren das Friseurhandwerk gelernt

Nein, einfach war es nicht. Dass sie viel lernen musste und sogar auf dem Spielplatz die Lehrbücher mithatte, daraus macht Julia Harbecke keinen Hehl. Doch für die Alleinerziehende hat es sich gelohnt, zwei Jahre lang eine Teilzeitberufsausbildung zur Friseurin zu machen. Denn nun hält sie stolz ihren Gesellenbrief in den Händen. Auf die verkürzte Ausbildung für Erwachsene mit Betreuungsaufgaben war Julia Harbecke vom Jobcenter aufmerksam gemacht worden und erhielt dort auch Beratung zu den Rahmenbedingungen.

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„Die Ausbildung hat sich auf jeden Fall gelohnt. Ich würde sie jedem empfehlen“, sagt die 37-jährige Hagenerin. Allerdings musste sie sich selbst und die Kinderbetreuung gut organisieren. Denn obwohl ihr Lehrbetrieb, der Salon Catwalk, ihr eine Ausbildung mit 25 Ausbildungsstunden pro Woche ermöglichte, war die Vereinbarkeit von Familie und Beruf gar nicht so einfach zu stemmen. „Als mein Kind in den Kindergarten kam, war es häufig krank. Zum Glück hat es mein Chef geduldig ertragen“, freut sich die frischgebackene Friseurin.

Für Karsten Groll von Catwalk war es das erste Mal, dass er in Teilzeit ausgebildet hat: „Das Modell ist schon gut. Wir brauchen qualifizierten Nachwuchs.“ Auch er verheimlicht nicht, dass es Auswirkungen auf den Betriebsablauf haben kann, wenn der oder die Auszubildende nur eingeschränkt einsetzbar ist. Aber für Karsten Groll überwiegen die positiven Aspekte, die die Teilzeitberufsausbildung bringt: erwachsene Azubis mit höherer Bildung und großer Zuverlässigkeit.

Julia Harbecke, die im Vorfeld schon über das Abitur und eine Ausbildung als Kosmetikerin verfügte, konnte ihre Lehre trotz verkürzter Wochenarbeitszeit sogar in der Gesamtdauer verkürzen. Statt drei Jahren dauerte die Ausbildung bei ihr nur zwei Jahre. Die Berufsschule besuchte sie nicht, sondern lernte die Theorie aus den Fachbüchern. „Ich rate aber jedem, die Berufsschule zu besuchen. Bei mir hat es leider zeitlich wegen der Kinderbetreuung nicht funktioniert“, sagt die Alleinerziehende.

Die Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt (BCA) des Jobcenters Hagen berät Kundinnen und Kunden des Jobcenters zu Teilzeitberufsausbildung. Informationen gibt es im Internet unter www.jobcenter-hagen.de oder telefonisch unter 02331/36758-745. Der Werkhof berät im Rahmen des Projektes „Teilzeitberufsausbildung – Einstieg begleiten – Perspektiven öffnen“ (TEP) ebenfalls zu Teilzeitberufsausbildung. Ansprechpartnerin ist Frau Ina Schulz, Telefon 92285–61.