Aktionswoche Schuldnerberatung 2021: Der Mensch hinter den Schulden


Hagen. Die Diakonie Mark-Ruhr beteiligt sich auch in diesem Jahr wieder
an der bundesweiten Aktionswoche Schuldnerberatung. In diesem Jahrunter dem Motto: der Mensch hinter den Schulden. Die AG Schuldnerbe-
ratung der Verbände (AG SBV) als Trägerin der Aktionswoche führt

diese schon seit vielen Jahren durch. Pandemiebedingt konnten in die-
sem Jahr jedoch keine öffentlichen Veranstaltungen in Hagen geplant

werden.

Soziale Schuldnerberatung, die die Schuldner- und Insolvenzberatungs-
stellen der Diakonie Mark-Ruhr für den Ennepe-Ruhr-Kreis und die Stadt

Hagen anbieten, hat den gesamten Menschen in seinem sozialen Umfeld
im Blick. Das macht auch den Erfolg dieses Ansatzes aus, wie bereits
zahlreiche Studien belegen. Verschuldung schränkt die Lebensgrundlage

ein. Sie ist nicht nur ein finanzielles Problem. „Uns geht es um den Men-
schen hinter den Schulden, Überschuldung ist immer auch eine mensch-
liche Katastrophe“, so Regina Egler, Einrichtungsleiterin der Schuldner-
beratungsstelle in Hagen und führt weiter aus: „gerade die Corana-Pan-
demie macht deutlich, dass die Überschuldung in allen sozialen Schich-
ten zunimmt. So sind zum Beispiel durch Kurzarbeit viele Menschen in

eine finanzielle Schieflage geraten, die nie damit gerechnet hätten. Zu-
sätzlich sind nach Schätzungen zwei Millionen Solo-Selbstständige und

Freiberufler von Überschuldung bedroht. Viele dieser Existenzen sind fi-
nanziell prekär aufgestellt.“

Menschen, die in finanzielle Not geraten sind, benötigen unabhängig von

Ihrer Einkommenssituation eine kompetente Unterstützung. Ein Rechts-
anspruch auf Schuldnerberatung für jeden ist dringend erforderlich. „Ein

kostenloser und zeitnaher Zugang zur sozialen Schuldnerberatung sollte

für alle Ratsuchenden möglich sein und eine daraus resultierende Bear-
beitung der Anliegen sollte erfolgen“, führt Regina Egler aus.

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„Auf politischer Ebene fordern wir im Rahmen der Aktionswoche einen

gesetzlichen Anspruch und einen bedarfsgerechten Ausbau von Schuld-
nerberatung“, erklärt Heidrun Schulz-Rabenschlag als Fachbereichslei-
tung der Diakonie Mark-Ruhr.

Die Mitarbeiter*innen der Schuldner- und Insolvenzberatung begrüßen

ausdrücklich die jüngste Reform des Insolvenzrechts, die es überschul-
deten Personen ermöglicht, nach drei Jahren eine Restschuldbefreiung

zu erhalten. „Es sind neben dem Rechtsanspruch auf Schuldnerberatung
jedoch noch weitere Reformen nötig. So müssen die Speicherfristen von
Schuldnerdaten bei Auskunfteien verkürzt werden. Dass bei der Schufa
Schuldnerdaten weitere drei Jahre nach Ende des Insolvenzverfahrens
mit erteilter Restschuldbefreiung gespeichert werden, macht es ehemals
Verschuldeten derzeit kaum möglich bezahlbaren Wohnraum zu finden.

Wohnen aber ist ein Menschenrecht, dass auch denen, die ein Insol-
venzverfahren durchlaufen haben, nicht verwehrt werden darf. Eine Spei-
cherfrist bei der Schufa von höchstens einem Jahr ist wünschenswert.“

Wir appellieren daher an Betroffene möglichst frühzeitig unsere Hilfe in

Anspruch zu nehmen. Unsere Beratung und Unterstützung ist darauf an-
gelegt, Mut zu machen, für Fragen da zu sein, Schreiben und Forderun-
gen zu erläutern sowie Perspektiven aufzuzeigen und Lösungswege zu

begleiten.

Die Vorsprache erfolgt weiterhin unter Beachtung alle Coronaschutzauf-
lagen persönlich, nach vorheriger telefonischer Terminvereinbarung.