Tourismus bricht im ersten Halbjahr ein: 53 Prozent weniger Gäste in Hagen


Corona sorgt für Tourismus-Einbruch: Im ersten Halbjahr haben rund 26.700 Gäste Hagen besucht – das sind 53 Prozent weniger als im Vergleichszeitraum des Vorjahres.

Flaute in der Gaststätte: Corona hat zu einem
Einbruch in der Beherbergungs- und
Gastrobranche geführt. Unternehmen sollten die
Kurzarbeit jetzt nutzen, um ihre Beschäftigten
weiterzubilden, so die Gewerkschaft NGG.
Foto: NGG

Die Zahl der Übernachtungen
sank um 41 Prozent auf etwa 82.800. Das teilt die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten mit. Die
NGG beruft sich dabei auf Zahlen des Statistischen Landesamtes. „Die Pandemie hat zu einer
beispiellosen Krise im heimischen Gastgewerbe geführt. Erst mussten Hotels, Pensionen, Kneipen und
Restaurants über viele Wochen ganz schließen. Und nach dem Lockdown läuft der Betrieb unter
Auflagen nur langsam wieder an“, sagt Lars Wurche, Gewerkschaftssekretär der NGG-Region
Südwestfalen.
Unter der Situation litten aber nicht nur die Unternehmen. „Die Folgen sind auch für Köche, Kellner und
Hotelangestellte dramatisch. Als Kurzarbeiter mussten sie deutliche Lohneinbußen in Kauf nehmen – in
einer Branche, die ohnehin nur geringe Löhne zahlt“, betont Wurche. Nach dieser „Durststrecke“ blickten
viele Beschäftigte nun mit Sorge auf die Herbst- und Wintersaison. Nach Angaben der Arbeitsagentur
beschäftigt das Hotel- und Gaststättengewerbe in Hagen rund 2.300 Menschen.
Allerdings habe die Kurzarbeit bislang einen massiven Anstieg der Arbeitslosigkeit verhindern können.
Dank staatlicher Hilfen sei eine Pleitewelle im Gastgewerbe ausgeblieben. „Die Gewerkschaften haben
sich in Berlin seit Beginn der Pandemie für das Kurzarbeitergeld starkgemacht und auch durchgesetzt,
dass es bis Ende nächsten Jahres verlängert wird. So kommen Beschäftigte und Betriebe besser durch
diese schwere Zeit“, sagt Wurche. Entscheidend sei zudem, dass die Leistung nach sieben Monaten auf
80 Prozent des Nettoverdienstes (für Eltern 87 Prozent) ansteige. „Am Ende steht fest: Jeder
Kurzarbeiter ist ein möglicher Arbeitsloser weniger.“
Die Gewerkschaft NGG appelliert nun an die Unternehmen, die Kurzarbeit für die Qualifizierung ihrer
Mitarbeiter zu nutzen. „Wer wegen Corona nicht arbeiten kann, sollte die Möglichkeit einer beruflichen
Weiterbildung bekommen. Das ist ein Beitrag gegen den Fachkräftemangel, der in Hotels und
Restaurants unabhängig von der Pandemie eklatant ist. Und Beschäftigte können einen Schritt auf der
Karriereleiter machen – etwa von der Küchenhilfe zur Köchin, vom Restaurantfachmann zum
Hotelfachmann“, unterstreicht Wurche. Zudem müssten Beschäftigte auch im Gastgewerbe für die
Digitalisierung fit gemacht werden. Hier berge die Krise eine große Chance.

Nach Angaben des Münchner Ifo-Instituts waren im August bundesweit 377.000 Beschäftigte des Hotel-
und Gaststättengewerbes in Kurzarbeit – das ist gut jeder dritte Arbeitnehmer (34 Prozent). Dabei sind

die vielen Minijobber der Branche nicht mitgerechnet. Sie haben keinen Anspruch auf das
Lohnausfallgeld.

In der gesamten Wirtschaft lag der Anteil der Kurzarbeitenden zuletzt bei 14 Prozent. Während des
Lockdowns zwischen Anfang März und Ende April wurde laut Arbeitsagentur für neun von zehn
sozialversicherungspflichtige Beschäftige im Gastgewerbe Kurzarbeit beantragt.