In Hagen gehen der Baubranche die Azubis aus


IG BAU: Bauboom trifft auf Nachwuchs-Mangel: Zu Beginn des neuen Ausbildungsjahres sind viele Baufirmen in Hagen vergeblich auf der Suche nach Azubis.

Foto: IG Bau


Darauf weist die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) unter Berufung auf aktuelle Zahlen der Arbeitsagentur hin. Danach blieben im
Juli 47 Prozent aller Ausbildungsstellen auf dem Bau unbesetzt. Von 34 ausgeschriebenen Plätzen in der Stadt waren noch 16 zu vergeben.
Friedhelm Kreft von der IG BAU Westfalen Mitte-Süd spricht von einem „Alarmsignal“. Wenn es den Firmen nicht gelinge, Schulabgänger für die
dringend gebrauchte Arbeit als Maurer, Straßenbauer oder Baugeräteführer zu finden, dann gerate das Fundament der ganzen Branche ins Wanken.
„Aber nur wenn die Arbeitsbedingungen auf Baustellen attraktiver werden, lässt sich das Nachwuchs-Problem lösen“, ist der Gewerkschafter überzeugt.
In der laufenden Tarifrunde fordert die IG BAU deshalb ein monatliches Einkommensplus von 100 Euro für alle Azubis. Außerdem soll die lange, meist
unbezahlte Fahrerei zur Baustelle entschädigt werden, um die Arbeit attraktiv zu halten – auch gegenüber anderen Branchen, in denen weit weniger
gependelt wird. „Wer sich bei der Berufswahl für den Bau entscheidet, der muss auch Familie, Freizeit und Arbeit unter einen Hut bringen können. Aber
das klappt für die meisten Berufseinsteiger nur sehr selten“, so Kreft. Diese Unzufriedenheit spiegele sich auch in einer hohen Abbrecherquote wider.
Laut aktuellem Ausbildungs- und Fachkräftereport der Sozialkassen des Baugewerbes (SOKA-BAU) bringt jeder dritte Azubi die Ausbildung nicht zu
Ende.