Hagener Reiseverkehrskauffrau am absoluten Limit

Kaum eine Berufsgruppe die seit den vergangenen Wochen und Monaten nicht unter der Corona-Krise zu leiden hat. Durch Reisebeschränkungen und andere Corona-Schutzbestimmungen ist die Touristikbranche zum großen Teil gleich doppelt gebeutelt. Während die großen Konzerne ihre Mitarbeiter*innen in Kurzarbeit schicken und Stelleneinsparungen ankündigen, während Luftverkehrsunternehmen ihre Flotte am Boden halten müssen und selbst die größten unter ihnen derzeit am Euter der Staatlichen Hilfe ums Überleben kämpfen, sind es besonders die Reisebüros, die nicht mehr wissen wie es weiter gehen soll.

So geht es auch der Reiseverkehrskauffrau Eva Grund, die in der Hagener Frankfurter Straße seit vielen Jahren ein kleines aber feines Ein-Frau-Reisebüro betreibt. Ihre Kunden sind zufrieden, verlassen sich auf das Know-How von Eva Grund. Besonders für „Ladys“ feilt Grund interessante Angebote aus. Normaler Weise hätten sich in den vergangenen Wochen die die Kunden*innen mit Fernweh die Klinke in die Hand gegeben. Nun aber: Stillstand. Eine kurze Zeit lang können man eine solche Flaute überbrücken, sagt Eva Grund, aber nun würde es eng; sehr eng. Nicht nur, dass es derzeit keine Einnahmen gibt: Die Reiseveranstalter fordern derzeit kurzfristig und konsequent von den Reisebüros die bereits ausgezahlten Provisionen für stornierte Reisen zurück. Wo soll nach einer solchen Durststrecke, deren Ende noch nicht absehbar ist, das Geld herkommen?

Auf öffentliche Unterstützungen kann Grund derzeit nicht hoffen. Deshalb müsse sich sofort etwas in der Bundes- und Landespolitik tun, um die Reisebüros am Leben zu erhalten.

Erst vor wenigen Tagen gab es bundesweite Demos der Reiseverkehrsleute. An einer Demo in Dortmund hat sich auch Eva Grund beteiligt (Foto) um die Hagener Reisebüros zu vertreten. Mit großer Enttäuschung. „Die meisten Leute sind einfach an uns vorbei gegangen, sie haben uns registriert aber nicht unsere Not und unsere Anliegen. Auch die Politik hat sich nicht für uns interessiert“, so Grund.

„Für mich und meine Kollegen*innen drängt im Moment die Zeit, jeder Tag kann für uns das Überleben bedeuten. Jeder Tag der tatenlos verstreicht, kann unser Aus sein“ sagt Eva Grund mit Nachdruck. Deshalb hat sie sich u.a. auch an Kommunalpolitiker gewendet. Mit unterschiedlichem Erfolg: Teilweise hat sie nicht einmal eine Antwort bekommen, aber immerhin gibt es in den nächsten Tagen auch Gesprächstermine. Jeder Termin, jedes Gespräch ein Strohhalm an den sich Eva Grund klammern kann.

Neue Schaufensteraktion von Eva Grund. Foto: privat

Gerade jetzt, wo einige Reisebeschränkungen gelockert werden, wo auch die Fluggesellschaften wieder in den Startlöchern stehen, ihre Passagiere in die erholsamen Ferien zu fliegen, steckt in der Beratung der Reisebüros ein großes und neues Potential. „Wo gibt es welche Bestimmungen und Beschränkungen?“ „Wie sieht es mit dem Urlaub innerhalb Deutschlands aus?“ „Wo wird es noch attraktive und freie Angebote geben, wenn die Buchungen wieder anlaufen?“ Das sind nur einige Bereiche in denen die Reisebüros vor Ort hilfreich bei Beratung und Buchung zur Verfügung stehen. Zudem war Eva Grund in der Krise nicht untätig. Sie hat z.B. Kontakte zu Hotels geknüpft, zu denen sie direkt (ohne Reiseveranstalter) vermitteln bzw. buchen kann. Ein unverbindliches Beratungsgespräch kann sich also lohnen.

Das Schicksal und die neuen Wege für die Reisebüros und damit auch für Eva Grund ist sehr ungewiss. Die Hoffnung auf schnelle öffentliche Hilfen bleibt, aber sie müssen schnell kommen. Aber auch die von Fernweh geplagten potentiellen Kunden können helfen, in dem sie weiterhin ihre Kundentreue, ihr Vertrauen und vielleicht auch die eine oder andere Reisebuchung in die heimischen Reisebüros tragen.

Hans Leicher.