Lebensmittelindustrie arbeitet am Limit: 670 Beschäftigte in Hagen


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Sie sorgen für Nachschub im Supermarkt: Die 670 Menschen, die in Hagens Lebensmittelindustrie arbeiten, leisten in der Coronavirus-Pandemie einen entscheidenden Beitrag dafür, dass Essen und Trinken nicht knapp werden. Darauf hat die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) hingewiesen.

„Überstunden und Extra-Schichten sind in der Lebensmittelindustrie schon seit Wochen an der
Tagesordnung. Die Menschen arbeiten am Limit, damit Aldi, Lidl, Rewe, Edeka & Co.
die Ware nicht ausgeht“, sagt Isabell Mura von der NGG-Region Südwestfalen. Die
Politik habe dies erkannt und die Lebensmittelbranche für „systemrelevant“ erklärt. Bei
den Beschäftigten allerdings tauchen gerade jetzt viele Fragen auf, so die
Gewerkschaft.
„Klar ist, dass die Versorgung mit Lebensmitteln an der Industrie, aber auch am
Bäcker- und Fleischerhandwerk nicht scheitert. Wenn Nudelregale einmal leer oder
Tiefkühlpizzen ausverkauft sind, dann liegt das vor allem an übertriebenen
Hamsterkäufen und an Problemen in der Logistik“, macht Mura deutlich. Scharfe Kritik
übt die NGG-Geschäftsführerin vor allem aber auch an den Vorgaben von
Supermarktketten. Die Konzerne forderten von den Herstellern auf der einen Seite, in
der Krise noch schneller und noch mehr zu produzieren. Zugleich wolle man die Preise
drücken. „Das geht letztlich auf Kosten der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die
ohnehin unter Volllast arbeiten“, so Mura.
Da es, wie auch die Politik bestätigt, in der Lebensmittelindustrie derzeit keinerlei
Versorgungsengpässe gibt, warnt die NGG vor geplanten einschneidenden Eingriffen
in das Arbeitszeitgesetz. „Corona darf nicht dafür herhalten, die Höchstgrenzen bei der
Arbeitszeit auszuhebeln. In Tarifverträgen und Betriebsvereinbarungen haben wir in
der Lebensmittelindustrie längst die nötige Flexibilität, um Hochphasen zu stemmen.
Sonst wären die Supermarktregale ja längst leer“, betont die Gewerkschafterin.
Gesetzliche Standards seien wichtig. Sonst leide am Ende die Gesundheit der
Beschäftigten: „Wer eine 12-Stunden-Schicht in der Backwarenindustrie hinter sich hat,
bei dem steigt die Unfallgefahr“, sagt Mura. Das derzeit gültige Arbeitszeitgesetz setze
ein klares Limit: nicht mehr als zehn Stunden am Tag und nicht mehr als 60 Stunden
pro Woche.
Auch der richtige Arbeitsschutz sei mit Blick auf den laufenden Hochbetrieb in der
Ernährungsindustrie und im Lebensmittelhandwerk „extrem ernst“ zu nehmen. „Die
Firmen müssen dafür sorgen, dass genug Schutzkleidung da ist und die
Abstandsregeln – etwa an Produktionsstraßen – eingehalten werden. Der Schutz vor
Infektionen hat höchste Priorität“, so Mura.

Die NGG rät Beschäftigten, die Missstände beobachten oder unter Überlastung leiden, sich an die Gewerkschaft oder den Betriebsrat zu wenden. Umfassende Arbeitnehmer-
Infos zur Coronavirus-Pandemie – von der notwendigen Vorsorge am Arbeitsplatz durch die Arbeitgeber über die Kinderbetreuung und wichtige Azubi-Fragen bis hin zu
Fieberkontrollen am Werkstor – hat die NGG online gestellt: http://www.ngg.net/corona
Mit einer digitalen Demonstration unter dem Motto #GesichterDerKrise gibt die NGG
betroffenen Beschäftigten zudem die Möglichkeit, auf ihre Situation aufmerksam zu
machen. Weitere Infos: http://www.facebook.com/GewerkschaftNGG