„Singen verbindet über Generationen und Konfessionen“

Kantatenchor der Ev. Kirchengemeinde Vorhalle feiert 100. Geburtstag mit Jubiläumskonzert

Wenn Mauern sprechen könnten, was würde uns wohl die Vorhaller Kreuzkirche aus den
vergangenen 100 Jahren erzählen? Von Taufen, Vermählungen, Trauerfeiern könnte sie reden. Von
Feiertagen und Hochfesten. Von Krieg und Not und Kälte. Von Obdach, Hilfe und Nächstenliebe. Von
Abschieden und Neuanfängen. Davon würde sie natürlich berichten. Ganz bestimmt aber auch von
jener Gruppe, die all das über ein Jahrhundert nahezu ohne Pause musikalisch begleitet hat: Der
Kantatenchor der Evangelischen Kirchengemeinde in Vorhalle feiert seinen 100. Geburtstag! Und lädt
zu diesem Anlass zu einem großen Jubiläumskonzert in die Kreuzkirche ein.
Am Sonntag, 15. März, werden um 16 Uhr nicht nur die 25 festen Mitglieder des Ensembles ein
vielfältiges Programm präsentieren. „Wir haben auch die ehemaligen Chormitglieder eingeladen“,
sagt Kantorin Sieglinde Voit, die den Chor seit 43 Jahren leitet. So werden Sängerinnen aus ganz Deutschland für dieses Konzert anreisen. Und sie werden mitsingen. „Mit den Einladungen haben wir auch die Noten verschickt“, so die Chorleiterin. „Die Tage vor dem Konzert werden wir gemeinsam mit Proben im Gemeindehaus verbringen.“ Die Gemeinschaft ist es auch, was diesen Chor seit einer so langen Zeit trägt, sagt die Kantorin im Rückblick auf ihre Arbeit. „Der Glaube ist dabei das Fundament für unser gemeinsames Tun.“ Singen verbinde über Generationen und Konfessionen hinweg. In einem Chor sei jeder gleich wichtig und leiste einen wichtigen kulturellen Beitrag mit christlichem Auftrag. „Das galt damals, und das gilt heute.“ In den Anfängen des Chores fanden sich auf dieser Basis etwa 100 Menschen zusammen. „Über viele Jahrzehnte war das Engagement im Chor der Gemeinde genauso selbstverständlich wie der sonntägliche Gang in die Kirche“, sagt die studierte Schulmusikerin, die vor ihrer Pensionierung als Musik- und Französischlehrerin am Hildegardis-Gymnasium in Hagen gearbeitet hat. „Das hat sich verändert, so dass wir sehr auf der Suche nach Nachwuchs sind.“ Und so freut sich Sieglinde Voit sehr darüber, dass seit kurzer Zeit eine 16-jährige Schülerin zum Chor gehört. Aber: die Kooperation mit anderen Formationen, der Kontakt zum Beispiel zu Musik- und weiterführenden Schulen und mit Orchestermusikerinnen sowie die Projektarbeit seien ganz entscheidend, um einen
Gemeindechor heute lebendig zu halten.
Neben den regelmäßigen Konzerten in der Kirche besucht der Chor so auch regelmäßig Altenheime
und Krankenhäuser. „Wir bemühen uns außerdem auch um ein breites Spektrum, sind bereit, uns auf
Neues einzulassen.“ Die Kunst sei, jede und jedem dabei im Blick zu behalten, das treue Engagement
der Menschen deutlich wertzuschätzen und die Balance zwischen der Arbeit und der Pflege des
Geselligen zu halten. „Eine große Aufgabe!“
Jetzt aber steht erst einmal viel Arbeit mit Blick auf das Jubiläumskonzert an. Neben sehr bekannten
und beliebten Chorsätzen aus Oratorien und Chorälen von Bach, Haydn und Mendelssohn stehen
dafür auch eigene Kompositionen, verschiedene solistische Beiträge und der Auftritt des
Streichquartettes Medorato auf dem Programm. „Wir laden alle musikinteressierten Menschen
herzlich ein“, sagt Ingrid Kötter, Vorstandsmitglied des Chores. Der Eintritt zum Jubiläumskonzert ist
frei. Die Organisator*innen freuen sich über eine Spende zugunsten der Kirchenmusik.
Was uns die Kirchenmauern in Zukunft erzählen könnten? Dass die Musik dabei niemals fehlen wird,
ist so gut wie sicher! Denn: „Sie ist Kraftquelle für den Alltag und eine besondere Form der

Verkündigung“, sagt Sieglinde Voit, die in diesen Tagen vor allem auch an jene denkt und jenen
dankt, „die vor einem Jahrhundert für uns den Boden bereitet haben.“