Jubiläumstafel der Hohenlimburger Stoffdruckerei Göcke & Sohn als Objekt des Monats

Eine Jubiläumstafel der ehemaligen
Hohenlimburger Stoffdruckerei Göcke & Sohn AG ist als
Objekt des Monats Februar im Jungen Museum des
Osthaus Museums ausgestellt.

Dort ist bis zur Eröffnung
des Stadtmuseums im Jahr 2021 ein monatlich
wechselndes Ausstellungsstück mit besonderem
Hintergrund zu besichtigen.
Diesmal handelt es sich um eine wohl als Tisch- oder
Wandschmuck gedachte Tafel, deren Grafik unter anderem
einen Ritter auf einem Pferd zeigt. Die Gravur auf der
Rückseite mit den Angaben „1805-1955“ dokumentiert das
Erscheinungsdatum anlässlich des 150-jährigen Bestehens
der Stoffdruckerei Göcke & Sohn AG in Hohenlimburg. Der
Ursprung dieser Firma geht bereits auf das Jahr 1804
zurück, als der Färbergeselle Moritz Ribbert bei der
gräflichen Verwaltung in Rheda die Genehmigung für das
Gewerbe eines Blaufärbers erhielt. Er gründete sein
Unternehmen in einem Hintergebäude des Elseyer
Stiftsgebiets. Im folgenden Jahr zog Ribbert auf das
gegenüberliegende Lenneufer, wo er in den stillgelegten
Gebäuden einer alten Drahtrolle sein Gewerbe aufbaute.
Er führte schon bald den Einkauf von Rohgeweben auf
eigene Rechnung ein, um sich von den Aufträgen des
Lohngeschäftes unabhängig zu machen. Moritz Ribbert
übernahm alle Schritte vom Bleichen übers Färben und Bedrucken der Stoffe bis hin zum Vertrieb. So entwickelte
sich aus der Färberei auch eine Stoffdruckerei.
Dabei war er nicht der Erste, der das Färberhandwerk nach
Elsey und Limburg brachte. Neben dem Drahtziehen war
die Bleicherei und Färberei eines der Hauptgewerbe im
Hohenlimburger Lennetal. Während die Textilherstellung
und -verarbeitung bis zum 19. Jahrhundert oft noch
Heimarbeit war, entwickelte sich im Laufe des 19.
Jahrhunderts eine umfangreiche Industrie zur Herstellung
und Veredelung von Textilien in Deutschland. Das Lennetal
war zur Ansiedelung dieser Industrie besonders geeignet,
da die ausgedehnten Wiesen besonders vorteilhafte
Voraussetzungen für die Rasenbleiche ergaben. Auch 150
Jahre nach der Gründung der Färberei und Druckerei
durch Ribbert befand sich diese deshalb immer noch auf
demselben Gelände, das sich allerdings auf über 125 000
Quadratmeter vergrößert hatte.
Ribbert und seine Frau hatten sechs Söhne, von denen
zwei eine Tuchwarenfabrik gründeten. Die anderen vier
Kinder erbten gemeinsam die Färberei ihres Vaters. Drei
der Söhne schieden jedoch aus, sodass Heinrich Ribbert
und sein Sohn Julius die Leitung übernahmen. Mitte des 19.Jahrhunderts ersetzte der maschinelle Druck den
mühsamen Handdruck der Baumwoll-, Kunstseide- und
Zellwollstoffe mit selbstgemachten Handmodeln. Aus dem
einstigen Handwerksgewerbe Ribbert entstand ein
fabrikartiger Betrieb. In den 1970er Jahren waren bereits
500 bis 600 Mitarbeiter in der Färberei und Druckerei
beschäftigt. Nach dem Ausscheiden von Julius Ribbert aus
der Firma im Jahr 1904 wurde diese in eine Aktiengesellschaft unter dem Namen Moritz Ribbert AG
umgewandelt. 1931 kam es zur Stilllegung und Bernhard
Göcke kaufte die Aktien im Jahr 1938. Er leitete die Firma
unter dem Namen „Göcke u. Sohn vorm. Ribbert AG“.
Damals gab es 1000 Mitarbeiter.
Den Zweiten Weltkrieg überstand die Göcke & Sohn AG
unbeschadet. Bis 1943 stellte sie unter anderem
Fallschirme und Tarnstoffe für das Militär her. Danach
wurde das Unternehmen in die Fertigung von
„Vergeltungswaffen“ einbezogen. In den Werkshallen
entstanden Heck- und Ruderanlagen für die Flugbombe
Fiesler 103, die spätere „V 1“. In diesem Zusammenhang
erhielt das Unternehmen eine Auszeichnung durch das
Rüstungsministerium. Mehr als 300 Kriegsgefangene und
Zwangsarbeiter mussten während des Krieges in der
Produktion mitarbeiten. In den Zeiten des
Wirtschaftswunders der 1950er Jahre florierte auch der
Druckerei- und Färbereibetrieb, doch Ende der 1960er
Jahre gingen die Einnahmen zurück. 1972 musste der
Betrieb als einer der größten Arbeitgeber Hohenlimburgs
Konkurs anmelden.

(Foto: Stadt Hagen)