Durch „Flüssigbiopsie“ Krebspatienten noch zielgerichteter behandeln

Nach Angaben des Robert Koch-Instituts erkranken
pro Jahr jeweils über 35.000 Männer und 30.000 Frauen an Darmkrebs – ein
Schicksalsschlag für die Betroffenen. Den Patientinnen und Patienten aus Hagen
und Umgebung in dieser für sie schweren Zeit zur Seite zu stehen und sie
umfassend zu therapieren, hat sich daher das zertifizierte Darmkrebszentrum
Hagen am Agaplesion Allgemeinen Krankenhaus Hagen seit Jahren zur Aufgabe
gemacht. Nun bieten die Krebsexperten dort eine weitere optimierte
Diagnosemöglichkeiten an, um noch zielgerichteter und individueller behandeln
zu können: die sogenannte „Liquid Biopsy“.


Die „Flüssigbiopsie“ fußt auf der Erkenntnis, dass die DNA abgestorbener Tumorzellen als
sogenannte zellfreie DNA in das Blutsystem der Patienten gelangt. Durch eine einfache
Blutentnahme können die Fachärzte am AKH Blutproben gewinnen und von den
Spezialisten des angegliederten Instituts für Pathologie am AKH speziell untersuchen
lassen. Denn die Tumorzellen geben Erbinformationen ins Blut ab, die auf
Genveränderungen hin geprüft werden. Da sie allerdings nur in kleinsten Mengen im Blut
vorkommen, bedarf es modernster, hochsensibler Analyseverfahren, die nun den Nachweis
ermöglichen. „Damit können wir beispielsweise bei Patienten mit fortgeschrittenem
Darmkrebsbefund durch das Blut nachweisen, ob und welche Metastasen sich bilden und
daraus die individuell passende Therapie ableiten“, erklärt Prof. Dr. med. Wolfgang
Timmermann, Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie und einer der Leiter
des Darmkrebszentrums, die Vorteile. Fragen nach dem Für und Wider von Antikörper-
oder Chemotherapie sowie einem chirurgischen Eingriff können die Ärzte so noch präziser
beantworten – und zwar schonend für die Patienten, weil eben nur „ein kleiner Pieks“ für
die Blutentnahme notwendig ist.
„Unsere Möglichkeiten im Labor sind schon sehr ausgereift, und ich erwarte sehr gute
Ergebnisse für unsere Patienten“, ist auch Dr. med. Markus Ruwe, Leiter des Institutes für
Pathologie am AKH, von der Methode überzeugt. Derzeit profitieren vor allem
Darmkrebspatienten in fortgeschrittenem Stadium und metastasierenden Tumoren von der
neuen Methode. Eine Ausweitung auf andere Krebsarten wie zum Beispiel bei Lungenkrebs
ist aber bereits in der Planung. „Unser Ziel ist es, mit zunehmender Validierung die Liquid
Biopsy auch für weitere Krebsarten anbieten zu können“, blickt Prof. Timmermann in die
Zukunft.