#hinhören: Warum ich Nazi wurde – Musikalischer Lesemarathon am Vorlesetag (15.11.2019)

Die Frage, warum man sich nach den Wirrungen des 1. Weltkrieges der nationalsozialistischen Partei angeschlossen hat, trifft den Nerv der heutigen Zeit. 86 Jahre nach der Machtübernahme durch die NSDAP erlebt man in Deutschland wieder eine gesellschaftliche Hinwendung zur vermeintlich starken, führunggebenden Rechten.

© OMK MEDIA Oliver M. Klamke

Kann man aus der Vergangenheit lernen? Muss man lernen? Sind die Menschen auf einen Führer fixiert und angewiesen? Gibt man einen international erreichten Frieden leichtfertig auf, weil man wieder vermehrt national denkt und handelt? Es sind viele Fragen, die sich in der heutigen Zeit stellen. Antworten sind wesentlich schwerer zu finden. Auch (Kommunal-) Politiker wie der SPD-Ratsherr Sven Söhnchen haben auf die zunehmende Popularität der neuen Rechtsparteien, wie der AfD, kaum Antworten. Denkanstöße findet Söhnchen allerdings in dem Buch „Warum ich Nazi wurde“, welches im Vorjahr von dem Berliner Wieland Giebel veröffentlicht wurde. Weit über 500 Menschen schrieben 1934 ihr Lebenszeugnis nieder, um im Rahmen eines Preisausschreibens, ihre Parteimitgliedschaft bei den Nazis zu erläutern. 1934 – das große Leid der kommenden Jahre konnten die Teilnehmer des Preisausschreibens noch nicht unbedingt erkennen. In über 30 Lesungen hat Sven Söhnchen bereits aus dem Buch vorgetragen. „Eine schöne Veranstaltung ist das nicht – aber sie ist dringend notwendig.“, meint der gebürtige Hagener Söhnchen. Zu einem besonderen Ereignis wird die Lesung durch die musikalische Begleitung vom heimischen Liedermacher und Gitarristen Björn Nonnweiler. Er ergänzt die Texte durch bekannte Lieder aus der Zeit der Friedensbewegung – Reinhard Mey, Hannes Wader und Co. treffen in die Seele und in die Köpfe.

Zum diesjährigen deutschlandweitem Vorlesetag am 15. November haben sich Björn Nonnweiler und Sven Söhnchen einen Lesemarathon vorgenommen. Unter dem Motto „#hinhören“ nutzen sie das „#hinsehen“-Ladenlokal in der Hagener Volme Galerie (Friedrich-Ebert-Platz 3, 58095 Hagen) um in insgesamt 8 Leseeinheiten möglichst vielen Hagenerinnen und Hagenern einen Einblick in das 930 Seiten starke Buch zu geben – und sich einer gesellschaftlichen Diskussion zu stellen.

Für jede Leseeinheit, ab 08:30 h bis 17:40 h, stehen circa 50 Sitzplätze zur Verfügung. Im Vormittagsbereich soll möglichst jeweils eine Schulklasse (Oberstufe wäre wünschenswert) einen Teil der Stühle besetzen. Es ist aber, wie es sich in der heutigen Gesellschaft widerspiegelt, keineswegs ein Thema der jungen Generation. Nonnweiler und Söhnchen haben die Hoffnung, dass die Kulturen, die Generationen, die Vielseitigkeit der deutschen Realität miteinander ins Gespräch kommt. Der Eintritt zu den Leseeinheiten ist selbstverständlich frei. Jede Leseeinheit, mit anschließender Diskussion, dauert nicht länger als 1 Zeitstunde. Für die Protagonisten ist es eine gut investierte Zeit, die zum Nachdenken anregt – eine Tugend, die gerade bei gesellschaftlichen Lebensfragen von Bedeutung sein sollte.

Interessierte Gruppen (Schulklassen, Vereine, Institutionen, etc.) die in einer größeren Gruppenstärke an einer der acht Lesungen teilnehmen möchten, setzen sich mit Sven Söhnchen in Verbindung (Mail: info@soehnchen.eu / Tel.: 0178-4420004). Die Lesungen beginnen um ca.  08:30 h, 09:40 h, 10:50 h, 12:45 h, 14:00 h, 15:10 h, 16:30 h + 17:40 h.