Überregional herausragende Fundlandschaft gewürdigt: Hagen ist Stadtarchäologie

Hagen liegt mitten in einer überregional
herausragenden Fundlandschaft. Schon vor über 200
Jahren wurden erste archäologische und geologische
Funde entdeckt und in Publikationen veröffentlicht. Der
Elseyer Stiftspfarrer Johann Friedrich Möller (1750-1807)
regte bereits 1802 den Schutz von Bodenfunden und
Denkmälern an. An diese bis ins 18. Jahrhundert
zurückreichende Sammlungs- und Forschungsgeschichte
knüpfen das heutige Museum Wasserschloss Werdringen
und nun auch die aktuell gegründete Stadtarchäologie in
Hagen an.

Oberbürgermeister Erik O. Schulz (2.v.li.) freut sich
zusammen mit (v.li.) Prof. Dr. Michael Baales (Leiter der
Außenstelle Olpe der LWL-Archäologie für Westfalen),
Baudezernent Henning Keune, Archäologin Mirjam Kötter,
Dr. Ralf Blank (Hagener Museums- und Archivleiter),
Kulturdezernentin Margarita Kaufmann, Ina Hanemann
(Leiterin der Unteren Denkmalbehörde) und Thomas
Schürmann (Leiter des Referats „Baudenkmalschutz und
Baudenkmalpflege, Bodendenkmalschutz und
Bodendenkmalpflege“ im NRW-Ministerium für Heimat,
Kommunales, Bau und Gleichstellung) über die neu
gegründete Stadtarchäologie in Hagen. (Foto: Michael
Kaub/Stadt Hagen)

Seit der Änderung des Denkmalschutzgesetzes in
Nordrhein Westfalen im Jahre 2013, muss die
archäologische Denkmalpflege bei vielen Bauvorhaben
und vor allem bei der Entwicklung von Gewerbe- und
Wohnbauflächen immer im Vorfeld angehört werden. Um
hier nicht von Zufallsfunden überrascht zu werden, sondern
weit im Vorfeld gezielt und damit kosten- und zeitsparend,
die Maßnahmen zu begleiten, wurde das Team der
Hagener Denkmalbehörde unter der Leitung von Ina
Hanemann durch eine Archäologin erweitert.
Die studierte Archäologin Mirjam Kötter, seit einem Jahr
auch Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Museum
Wasserschloss Werdringen und in der Denkmalbehörde,
steht als neue Stadtarchäologin in engem Austausch mit
dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe sowie mit dem

städtischen Fachdienst Wissenschaft, Museen und
Archive. Sie ermittelt ein möglichst genaues Bild dessen,
was in Hagen an Bodendenkmälern unter und über der
Erde schlummert. Und das ist nicht wenig, sondern
teilweise sogar international bedeutend. Ein Beispiel sind
die sensationellen Steinzeitfunde auf dem Vorplatz und im
Inneren der Blätterhöhle bei Hohenlimburg. Doch auch
andere Bodendenkmäler zeigen, dass die Hagener
Fundlandschaft über ein enormes Potenzial verfügt.
Erste Planungen für eine Stadtarchäologie in Hagen
reichen einige Jahre zurück. Ina Hanemann, der Leiter der
Außenstelle Olpe der LWL-Archäologie für Westfalen, Prof.
Dr. Michael Baales, und der Hagener Museums- und
Archivleiter, Dr. Ralf Blank, erkannten frühzeitig die
Notwendigkeit, eine Stadtarchäologie in Hagen zu
etablieren. Doch brauchte es Zeit und Geduld, um die
entscheidenden Instanzen zu überzeugen und für das
Vorhaben zu gewinnen.


Im Frühjahr 2019 würdigte die Oberste Denkmalbehörde
im Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und
Gleichstellung die große Bedeutung der archäologischen
Fundlandschaft in Hagen. Und in diesem Monat erhielt die
Stadt den Rang einer Stadtarchäologie. Damit eröffnet sich
für Hagen auch die Möglichkeit, aus der Landesförderung für Bodendenkmalpflege zu schöpfen. Die LWL-Archäologie für Westfalen mit Sitz in Münster und die für Hagen zuständige LWL-Außenstelle für Bodendenkmalpflege in Olpe, begrüßen ebenfalls diesen Schritt. Bereits in Vorgesprächen signalisierte die LWL-
Archäologie ihre Unterstützung bei der Zuweisung von Fördergeldern. Diese Finanzmittel werden unter den
nunmehr sieben Dienststellen für Stadtarchäologie in
Westfalen aufgeteilt. Sie dienen zur Finanzierung von
laufenden Kosten im Bereich der Bodendenkmalpflege,
aber vor allem für gezielte Forschungsprojekte.
Auch für die seit 2013 in NRW bestehende gesetzliche
Regelung des sogenannten „Schatzregal“ ist eine
Stadtarchäologie für die Kommune von Vorteil. Das
„Schatzregal“ besagt, dass Funde von hoher
wissenschaftlich Bedeutung automatisch in den Besitz des
Landes übergehen. Über eine vertragliche Vereinbarung
kann diese Regelung im Fall gelockert werden, sofern die
fachlichen Grundlagen dafür vorhanden sind. Bodenfunde
im Stadtgebiet können nun in Hagen verbleiben. Sie
werden im Archäologiedepot aufbewahrt bzw. im Museum
Wasserschloss Werdringen der Öffentlichkeit präsentiert.
Neben der behördlichen Arbeit zu bauplanungsrechtlichen
Fragen und frühzeitiger Unterstützung bei der Entwicklung
von Bauflächen, ist die Stadtarchäologie auch für die
Mitarbeit bei der wissenschaftlichen Aufarbeitung
archäologischer Funde im Depot und im Museum
Wasserschloss Werdringen zuständig. Hier besteht schon
seit vielen Jahren eine erfolgreiche Zusammenarbeit
zwischen der Denkmalbehörde und den Instituten des
zuständigen Fachdienstes: dem Museum Wasserschloss
Werdringen, dem Stadtmuseum und dem Stadtarchiv
Hagen.

Die Stadtarchäologie Hagen ist nicht nur für die
Außendarstellung der Stadt von großer Bedeutung. Auch innerhalb der fachlichen Infrastruktur der LWL-Archäologie und der Stadt Hagen wird sie eine Schlüsselstellung einnehmen.

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