Mit Netzwerkarbeit kann die Gesundheitsbranche Pflegekräfte gewinnen

Eine Stadt mit guter sozialer Infrastruktur ist beliebt – bei Unternehmen und natürlich auch bei den Einwohnern. Pflegeeinrichtungen spielen dabei eine wichtige Rolle. Diese Erkenntnis bildete beim 1. Hagener Pflegestammtisch, zu dem das Jobcenter lokale Fachleute aus dem Gesundheitswesen eingeladen hatte, den roten Faden. Doch was kann man in Hagen tun, da es zu wenig Fachkräfte gibt?

50 Expert*innen waren in die Stadthalle gekommen, um über Chancen für die Pflege und in der Pflege zu diskutieren. Nach prägnanten Impulsvorträgen sammelten die Teilnehmenden an Thementischen Ideen zur Fachkräftegewinnung. Andrea Henze, Geschäftsführerin des Jobcenters, erklärte in ihrer kurzen Rede, dass das Gesundheitswesen eine wichtige Branche sei. „Das Jobcenter hat viele Schnittstellen in diesen Bereich.“ Auf vielfältige Weise bringe das Jobcenter Arbeitgeber und potentielle Bewerber*innen zusammen: Informationsveranstaltungen, Praktika, Arbeitsgelegenheiten, Weiterbildungen oder die finanzielle Förderung von Arbeitsverhältnissen seien nur einige Beispiele. „Es gibt im Moment kaum Stellen, die so zukunftssicher sind, wie die in der Pflege.“

Dass Pflegekräfte sich inzwischen ihre Arbeitgeber aussuchen und nicht mehr umgekehrt, betonte Karina Baum, die selbst eine Senioreinrichtung leitet: „Die Fachkräfte kennen ihren Marktwert. Heute muss ich auf mögliche Bewerber zugehen und sagen: ,Hey, wir sind super. Komm zu uns.“ Die Statistiken der Agentur für Arbeit bestätigen das. „20 Prozent aller Stellen in Hagen sind in der Pflege. Aber wir haben keine qualifizierten Bewerber“, sagte Maren Lewerenz, Vorsitzende der Geschäftsführung. Dabei, so machte Sozialdezernentin Margarita Kaufmann klar, gebe es in Hagen durchaus noch Bedarf, neue Pflegeangebote zu schaffen. „Im Norden der Stadt fehlen 80 Tagespflegeplätze.“ Doch wo soll das Personal dafür herkommen, wenn der Markt offenbar leergefegt ist? Ganz klar: über Aus- und Weiterbildung. Egal, ob Jugendlicher oder Lebensälterer: Das Gesundheitswesen bietet allen eine Chance. Deshalb sollten Bewerber aller Altersgruppen und beruflicher Hintergründe angesprochen werden, schlussfolgerten die Expert*innen beim Pflegestammtisch. Das Jobcenter und die Agentur für Arbeit bieten dabei Unterstützung. „Es ist möglich, jemanden, der lange Zeit ohne Erwerbstätigkeit war ist, über das Teilhabechancengesetz als Hilfskraft, zum Beispiel in der Küche, in Ihre Häuser zu holen“, warb Ronny Fischer vom Jobcenter. Das sei für die Arbeitgeber risikofrei, denn über den neuen §16i SGB II würden bis zu 100 Prozent der Lohnkosten vom Jobcenter übernommen. Wer von den Neu-Eingestellten in der Einrichtung dann Interesse an der Pflege zeige und geeignet sei, könne später eine Ausbildung zur Pflegefachkraft – gefördert durch die Arbeitsagentur – absolvieren. „So eine Veranstaltung wie heute ist ein Geschenk, um im Kopf offen zu bleiben“, lobte Thomas Haensel, bei der SIHK zuständig für berufliche Bildung. Denn bei der Nachwuchsgewinnung im Gesundheitswesen gehe es vor allem darum, Glaubwürdigkeit auszustrahlen und damit Bewerber*innen für den Beruf zu begeistern. „Ein Praktikum nützt nur dann was, wenn man sich Zeit nimmt und Interesse weckt“, mahnte er. Um solche Ideen zu vertiefen und über gemeinsame Aktionen und Marketing nachzudenken, soll der Pflegestammtisch fortgesetzt werden.

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