Viele Ideen und großes Engagement gegen rechts: „Wetter weltoffen“ im Stadtsaal

“Wir haben uns im November auf den Weg gemacht für ein friedliches und lebendiges Wetter. Heute wollen wir darüber sprechen, wie wir das weiterführen und entwickeln können.“

Mit diesen Worten begrüßte Moderator Daniel Chur (WDR) am Dienstagabend die zahlreichen Teilnehmer der zweiten Bürgerkonferenz „Wetter Weltoffen“ im Stadtsaal.

„Lassen Sie uns weiter gemeinsam daran arbeiten, dass Wetter das bleibt, was es ist: eine menschengerechte Stadt, eine soziale und lebendige Gemeinschaft des Miteinanders“, so Bürgermeister Frank Hasenberg, der sich für das erneut große Engagement der Bürgerinnen und Bürger bedankte.

Gesprochen und diskutiert wurde dann anschließend, wie bereits bei der Bürgerkonferenz im November,  in den sechs Themenfeldern „Kinder-und Jugendhilfe/Schule/Politische Bildungsarbeit“, „Beratungsinfrastruktur gegen Rechtsextremismus und Rassismus“, Integration/Emanzipation und Gleichstellung“, „Sport“, „Medien und Kultur“ sowie „Arbeit und Wirtschaft.“

Hier wurden zum einen Ideen aus der November-Veranstaltung konkretisiert und zum anderen neue Ideen und Projekte entwickelt. Die diskutierten Ideen reichten von einem gemeinsamen Ehrenkodex für Vereine, ein Seminar der Polizei über Zivilcourage für weiterführende Schulen über Leitbilder in Betriebsverfassungen heimischer Unternehmen bis zu einem Gedichtabend mit Werken von Bertolt Brecht und Kurt Tucholsky. Mitglieder des Themenfeldes „Medien und Kultur“ entwickelten die Idee einer Onlineplattform, die mit belastbaren Informationen und entsprechenden Links haltlosen Gerüchten und bewusst verfälschten Geschichten entgegen wirken soll. Hier seien, so ein Beitrag, auch Informationen denkbar, die die versteckte Symbolik rechter Gruppen offenlegen soll.

Anschließend wurden aus den Arbeitsgruppen „Fürsprecher“ gewählt, die ihr jeweiliges Handlungsfeld begleiten und im weiteren Verlauf gemeinsam mit Vertretern aus Politik und Verwaltung den „Arbeitskreis Wetter Weltoffen“ bilden. Dieser Arbeitskreis trifft sich dreimal im Jahr, entwirft einen Jahres-Aktionsplan und kümmert sich um die erfolgreiche Realisierung der einzelnen Projekte.

Wer sich auch außerhalb der Bürgerkonferenzen an „Wetter Weltoffen“ beteiligen möchte, hat dazu bald online die Möglichkeit: Das große bürgerschaftliche Engagement soll mit der Entwicklung einer Beteiligungsplattform gebündelt werden.

„Wetter Weltoffen“: Das bezog sich am Dienstag auch auf zwei Gastreferenten, die mit ihren Beiträgen auf viele interessierte Zuhörer trafen. So sprach Torsten Schild, Leiter der Fan- und Förderabteilung bei Borussia Dortmund, über die Antirassismusarbeit beim BVB und gab zugleich Einblicke darin, wie man kreativ mit rechten und populistischen Parolen umgehen kann. Etwa mit der Aktion „Kein Bier für Rassisten“ oder dem „Bullshit-Bingo“ – einer sehr gelungenen Online-Antwort auf rechte Hass-Mails.

Dr. Mathieu Rousselin, Politologe an der Fernuni Hagen, stellte einen Workshop vor, in dem interessierte Bürgerinnen und Bürger mit Hilfe von Argumentationstrainings lernen können, rassistische und rechtspopulistische Stammtischparolen zu identifizieren sowie argumentativ und schlagfertig zu kontern. So könne man etwa auf die typische Formulierung „Das werde ich doch wohl noch sagen dürfen“ einfach antworten: „Nein“ oder „Nicht unbedingt.“

Bedenkenswert war auch sein Appell für eine gewaltfreie Kommunikation: „Worte können brutal sein und verletzen. Ein einzelnes Wort kann einen neutralen Sachverhalt in einen rechten Zusammenhang bringen. Es ist ein großer Unterschied, ob ich von einer Flüchtlingswelle oder einer Flüchtlingskrise rede.“

„Wir treffen uns alle wieder bei der dritten Bürgerkonferenz im November. Dann blicken wir auf die Projekte des Jahres zurück und werfen einen Blick voraus ins neue Jahr“, verabschiedete Alina Wieczorek von der Stadt Wetter, Koordinatorin von „Wetter Weltoffen“, die rund 120 Teilnehmer im Stadtsaal.

Die einzelnen Handlungsfelder und ihre Fürsprecher:

  1. Kinder- und Jugendhilfe / Schule / Politische Schulungsarbeit: Tanja Schmidt, Pia Wilkinghoff und Elena Paulini
  2. Beratungsinfrastrukturgegen Rechtsextremismus und Rassismus: Michael Reiffert
  3. Integration / Emanzipation & Gleichstellung: Verena Haltaufderheide, Fee Haltaufderheide, Tugba Erkal
  4. Sport: Rafael Garcia, Andreas Fieberg
  5. Medien und Kultur: Tim Eisenblätter
  6. Arbeit und Wirtschaft: Dirk Wienen