Weihnachtsgrußwort Superintendentin Verena Schmidt

„Jesus will uns eine Orientierung sein“

Mensch sein zwischen Humanität und Fehlbarkeit

Unseren Adventsgruß, den wir in diesem Jahr im Kirchenkreis verschickt haben, haben wir unter das Thema „Mensch sein“ gestellt. Ganz bewusst haben wir uns auf wenige Worte beschränkt. Denn genau auf das steuern wird doch in der Vorweihnachtszeit zu: Das Menschen werden und damit das Mensch sein Jesu.

Mit Blick auf unsere Welt, auf Krieg, Flucht, Armut und soziale Ungleichheit sind wir in diesem Zusammenhang schnell bei der Frage nach der Menschlichkeit. Genau sie ist gefordert – und zwar von jedem einzelnen – um diesen Problemen, die nicht nur tausende Kilometerweit weg sind, sondern sich direkt vor unserer Haustür abspielen, zu begegnen und sie ein Stück kleiner werden zu lassen.

Menschsein und Humanität – es klingt so logisch und so einfach. Doch das ist es nicht. Im Mensch sein liegt auch immer das Scheitern. Das persönliche. Und auch das moralische. Wer denkt in diesen Tagen, in denen alles leuchtet und glitzert, schon gerne an das abrissreife Haus ein paar Straßen weiter, in dem neun Personen in zwei Zimmern wohnen? Wer öffnet noch den dritten oder vierten Brief der Hilfsorganisationen, die in dieser Zeit um Spenden bitten?

Nun geht es nicht um Perfektion. Das ist ja eine sehr tröstliche Erkenntnis aus der Menschwerdung Gottes. Aber worum geht es denn in der Kombination von Humanität und Fehlbarkeit? Mensch zu werden ist eine Kunst – so hat es Novalis gesagt. Nehmen wir das wörtlich, so liegt genau darin die Chance. In der Kreativität, in der Möglichkeit, Dinge zu verändern, neu zu machen oder gar zu verwerfen. Menschsein nicht als abgeschlossenes Kunstwerk, sondern als Prozess, der uns immer erlaubt, in die andere Richtung zu schauen oder umzukehren und sich selbst und sein eigenes Handeln immer wiederzu überdenken.

Durch seine Menschwerdung ist Gott nichts Menschliches fremd. Oder mehr noch: es ist ihm sehr vertraut. Im festen Glauben daran können wir uns mutig auf den Weg machen. Jesus hat uns gezeigt, was Humanität ganz praktisch bedeutet. Das kann uns immer eine Orientierung sein.

Mit diesen Gedanken wünsche ich Ihnen von Herzen gesegnete Weihnachten und ein gutes Jahr 2019.

Ihre Verena Schmidt

Superintendentin Ev. Kirchenkreis Hagen

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