Ausbildungsmarktbilanz 2017/18 für die Stadt Hagen

Leicht gesunkenes Angebot und unverändert

Betriebe, die jetzt noch oder wieder einen Azubi suchen, sollten ihre freie Ausbildungsstelle umgehend der Agentur für Arbeit melden, um im Endspurt die Stelle
noch besetzen zu können. Auch Schülerinnen und Schüler sollten frühzeitig die
Weichen für die Berufswahl stellen. Derzeit laufen in einigen Branchen bereits die
Auswahlverfahren für den Ausbildungsbeginn im Herbst 2019.
Resümiert man die Bilanz für Hagen, so wurden im Laufe des Ausbildungsjahres
insgesamt 1143 Ausbildungsstellen gemeldet, 62 oder 5,1 Prozent weniger als im
Vorjahr. Die Zahl der gemeldeten betrieblichen Ausbildungsstellen nahm hier sogar
um 71 oder 6,2 Prozent auf 1076 ab. Dabei fielen auch regionale Unterschiede
auf. Im EN-Kreis war es nur ein Rückgang um 49 oder 2,7 Prozent auf 1745.
Trotz der leicht gesunkenen Zahl der gemeldeten Lehrstellen war die

Ausbildungsbeteiligung
bei den Betrieben in Hagen etwas gestiegen: Der Anteil an ausbildenden
Betrieben stieg um 0,4 Punkte auf jetzt 22,7 Prozent. Der Landesdurchschnitt
für NRW ist hierbei nur 22,3 Prozent. Die Ausbildungsquote in den Unternehmen,
also der Anteil der Teilnehmer in Aus- und Weiterbildung an allen Beschäftigten,
sank hingegen minimal um 0,1 Punkte auf aktuell 5,3 Prozent.
In Hagen standen für jeden Bewerber statistisch 0,52 Stellen zur Verfügung
(Vorjahr 0,55), im EN-Kreis 0,69 Stellen (Vorjahr 0,71).
In Hagen nahmen bis zum Ende des Beratungsjahres 2187 Bewerber die Berufsberatung
in Anspruch. Damit war ihre Zahl im Vergleich zu 2017 trotz sinkender
Schülerzahlen nahezu identisch. Rund 18 Prozent der Bewerber haben einen
Hauptschulabschluss, 31 Prozent verfügen über den Realschulabschluss und 43
Prozent über Fachhochschul- oder Hochschulreife. Der Trend zu höheren Schulabschlüssen hat sich hier etwas abgeschwächt. Die Gesamtzahl der Bewerber war in Hagen stabiler als im Ennepe-Ruhr-Kreis (-0,5 Prozent).
Die Zahl der unversorgten jungen Menschen ist in Hagen mit 133 nur um fünf oder
3,6 Prozent niedriger als im Vorjahr (im EN-Kreis mit 93 genau 13 oder 12,3 Prozent
weniger). Vier Fünftel von ihnen verfügen mindestens über den mittleren Bildungsabschluss.
Viele wurden leider erst nach den Sommerferien aktiv. Damit ist
es noch nicht zu spät für einen Ausbildungsstart, aber bestimmte Berufswünsche
sind damit in diesem Jahr nicht mehr zu realisieren.

Das Resümee der Ausbildungsmarktpartner für die Region
Hagen und Ennepe-Ruhr-Kreis:
 Kirsten Kling, Geschäftsführerin der agentur mark: „Nach wie vor ist der
Ausbildungsmarkt in Hagen und dem Ennepe-Ruhr-Kreis gekennzeichnet
von einem Überhang an Bewerbern und Bewerberinnen im Vergleich zu den
gemeldeten Stellen, die leider nochmal im Vergleich zum Vorjahr leicht gesunken
sind. Neben allen Bemühungen, die Berufsorientierung der Jugendlichen
und das Matching zwischen Jugendlichen und Unternehmen zu verbessern,
begrüßen wir das neu angelaufene Ausbildungsprogramm NRW,
mit dem zusätzliche Ausbildungsplätze mit Mitteln des Europäischen Sozialfonds
auch finanziell jetzt unterstützt werden. Der Zuschuss zur Ausbildungsvergütung
zusätzlicher Ausbildungsplätze beträgt 400 Euro pro Monat
(bei Vollzeit-Ausbildung) für maximal 24 Monate. Mit den zusätzlichen

Ausbildungsstellen
sollen gezielt die Jugendlichen einen Zugang zum Ausbildungsmarkt
bekommen, die aufgrund von Vermittlungshemmnissen sonst
weniger Chancen auf eine Ausbildung haben. Zertifizierte und für das Programm
zugelassene Träger unterstützen Betriebe bei der Ausbildung und
geben den teilnehmenden Jugendlichen individuelle Hilfestellungen. Unternehmen
aus Hagen und dem Ennepe-Ruhr-Kreis, die sich am „Ausbildungsprogramm
NRW“ beteiligen möchten, können sich an die KolpingBildungszentren
Ruhr gem. GmbH, die Evangelische Jugendhilfe IserlohnHagen
gGmbH oder an die agentur mark GmbH wenden.“
 Stefan Marx, Regionsgeschäftsführer Ruhr-Mark des DGB: „Das Verhältnis
zwischen den Ausbildungsplatzsuchenden und den Anbietern kann
uns nicht beruhigen. Trotz eines Anstieges bei den unbesetzten Ausbildungsstellen
reichen diese noch immer nicht aus. Es gibt vielfältige Gründe
dafür, warum die Zahlen so sind. Eine Diskussion über die jungen Menschen,
ohne sie einzubinden, hilft uns dabei kaum weiter. Alle Akteure müssen
weiter am Ball bleiben und dieses Zukunftsthema angehen, denn es
geht um eine Perspektive für die Menschen und die Unternehmen vor Ort.“
 Dr. Michael Plohmann, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft
Hagen: „Durch die von der Arbeitsagentur erhobenen Zahlen sieht die
Kreishandwerkerschaft die von Ihr beobachteten Entwicklungen am handwerklichen
Ausbildungsmarkt im Wesentlichen bestätigt. Auch wenn von einer nachhaltigen Nachfragebelebung für den Bereich der Bau- und Ausbauhandwerke
noch nicht gesprochen werden kann, lässt sich doch ein erhöhtes
Interesse an einer Ausbildung in den unterschiedlichen Bauberufen
erkennen, was möglicher Weise auch auf die verstärkten Anstrengungen
der Branche, über Karrierechancen und berufliche Perspektiven aufzuklären,
zurückzuführen ist. Sorgen bereitet hingegen die nach wie vor fehlende
Nachfrage nach einer Ausbildung in den Lebensmittelhandwerken sowie der
Mangel an ausreichend qualifizierten Bewerbern in den technikgeprägten
Installationshandwerken oder auch im Zahntechnikerhandwerk. Während
der Zustrom zum Ausbildungsangebot des Kfz-Gewerbes trotz eines zunehmenden
Imageproblems der Autoindustrie ungebrochen ist, wird sich
das Dienstleistungsangebot in diesen Handwerksbereichen zunehmend
schwieriger gestalten. Eigentlich die besten Startbedingungen für eine Ausbildung
in den betreffenden Berufen!“
 Josef Schulte, Geschäftsführer des Märkischen Arbeitgeberverbandes:
„Die aktuelle Lage auf dem Ausbildungsmarkt in Hagen und im EnnepeRuhr-Kreis
ist aus Sicht des Märkischen Arbeitgeberverbandes unbefriedigend.
Die Zahl der Bewerber ist zwar demographisch bedingt im Vergleich
zum Ausbildungsjahr 2016/2017 leicht gesunken; im Gleichschritt ist aber
auch die Zahl der gemeldeten betrieblichen Berufsausbildungsstellen um
über vier Prozent zurückgegangen. Diese Entwicklung ist problematisch,
wobei gegenseitige Schuldzuweisungen nicht weiterhelfen. Vielmehr sollten
die Ausbildungsmarktpartner unverzüglich ein regionales Marketingkonzept
zur Einwerbung betrieblicher Ausbildungsplätze entwickeln. Das Potenzial
für mehr betriebliche Ausbildung ist in unserer Region auf jeden Fall vorhanden.
Der MAV wird dazu verstärkt bei seinen Mitgliedsunternehmen für
zusätzliche betriebliche Lehrstellen werben.“
 Thomas Haensel, Geschäftsführer Bildung der SIHK Hagen:
Spitzenwert bei neu eingetragenen Ausbildungsverträgen zu verzeichnen
„Im Kammerbezirk der Südwestfälischen Industrie- und Handelskammer zu
Hagen setzen die heimischen Unternehmen mit großem Engagement auf
die Duale Berufsausbildung. Sie bildet für die Betriebe das Rückgrat und ist
das Erfolgsmodell für Beschäftigung und Fachkräftesicherung. Zum Stichtag
30.09.2018 konnten 3.538 Ausbildungsverträge neu eingetragen werden. Im

Vergleich zum sehr guten Jahr 2017 übertrifft das Eintragungsergebnis den
Vorjahreswert um 1,6 Prozent, das entspricht 57 mehr eingetragenen Ausbildungsverträgen.
Davon entfielen 1.498 auf gewerbliche Berufsbilder und
2.040 gehören dem kaufmännischen Bereich an.
Dieses hervorragende Eintragungsergebnis bei der SIHK spricht für die
große Stabilität des heimischen Ausbildungsmarktes und dafür, dass die
betriebliche Berufsausbildung bei den Schülerinnen und Schülern nicht an
Strahlkraft verloren hat. Besonders positiv ist aus Sicht der SIHK, dass im
laufenden Jahr 2018 über 50 neue Ausbildungsbetriebe gewonnen werden
konnten.“

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