Frühkarzinome schonend entfernen – Neue Behandlungsmöglichkeit implementiert

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Vollwandresektion2018Hagen. Der Darmkrebs ist die zweithäufigste Krebserkrankung bei Frauen und die dritthäufigste bei Männern. Rund 65.000 Menschen erkranken bundesweit pro Jahr daran. „Die Möglichkeiten der Behandlung sowie die Heilungschancen hängen dabei auch von der Art der Tumore sowie dem Zeitpunkt der Entdeckung ab“, erläutert Dr. med. Holger Beier, leitender Oberarzt der Gastroenterologie und Intensivmedizin /Innere Medizin am AGAPLESION ALLGEMEINEN KRANKENHAUS HAGEN. Immerhin werden seriösen Schätzungen zufolge bei jeder 5. Darmspiegelung verdächtige Areale gefunden. Patienten, die an einem Frühkarzinom erkrankt sind – jener Zwischenstufe zwischen Polypen, die bei einer Darmspiegelung abgetragen werden können, und Tumoren, die bereits operativ entfernt werden müssen -, kann Dr. Beier gemeinsam mit seinem Team nun mit einer neuen, schonenden endoskopischen Therapie, der sogenannten Vollwandresektion, helfen. „Die bisherigen Behandlungsergebnisse sind sehr gut und die Patienten schnell wieder fit“, resümiert der Gastroenterologe und Endoskopie-Spezialist nach den ersten Behandlungserfolgen.

Zum Beispiel bei Patienten wie Karl Biederbick. Im vergangenen Jahr schickte ihn sein Hausarzt aufgrund von Beschwerden zu einer Darmspiegelung ins AKH. Und leider wurde das Team um Dr. Beier und Oberärztin Dr.med. Maram Abdulgader fündig. Neben mehreren großen Polypen fanden die Experten bei dem 83-Jährigen mit einem sogenannten Adenom eine Geschwulst, „welches mit großer Wahrscheinlichkeit bösartig geworden wäre“, ist sich Dr. Beier sicher. Eine menschliche Darmwand besteht, vereinfacht dargestellt, aus fünf übereinanderliegenden Schichten. Bislang war es den Fachärzten zwar möglich, die meist im Rahmen einer Darmspiegelung entdeckten größeren Polypen, mithilfe einer Schlinge zu umfassen und abzutragen. Doch diese Methode ist nur geeignet, wenn die Polypen lediglich die oberflächlicheren Schichten betreffen. Alle tiefer in der Darmwand verankerten Wucherungen wie das Adenom von Karl Biederbick mussten in einer Bauch-Operation in Vollnarkose und mit den daraus resultierenden längeren Genesungszeiten entfernt werden. „Gerade bei älteren Patienten mit weiteren Vorerkrankungen bedeutet dies schon ein Risiko, dass wir gerne minimieren möchten“, erklärt Dr. Beier weiter. So aber konnten die Ärzte mit dem neuen Verfahren der Vollwandresektion mithilfe eines speziellen Untersuchungsgerätes die befallene Darmwand komplett entfernen und zeitgleich wieder verschließen. Dabei markieren die Experten zunächst den auffälligen Bereich, ziehen diesen mit einer „Grasper“ genannten Zange in eine Kappe und trennen ihn anschließend mit einer Metallschlinge ab. „Diese Untersuchung bedarf eines hohen Maßes an Abstimmung zwischen der Endoskopieassistenz und mir als behandelndem Arzt. Deswegen haben wir uns im Vorfeld aufwendig weitergebildet und zertifiziert“, betont Dr. Beier zu den Vorbereitungen des Angebots. Der Eingriff selbst dauert etwa 45 Minuten und wird in leichter Narkose durchgeführt. So kann auf eine Vollnarkose verzichtet werden. „ Zudem vermeiden wir durch den endoskopischen Zugang einen Bauchschnitt, was den Heilungsprozess deutlich erleichtert“, erklärt Dr. Beier weiter. Dadurch ist die Methode sehr schonend und kann auch bei Patienten angewendet werden, die Vorerkrankungen haben oder bei denen ein erhöhtes Narkoserisiko besteht.

Karl Biederbick ist froh, sich für diese neue Methode entschieden zu haben: „Ich hatte keine Schmerzen, keinerlei Probleme und habe mich wirklich gut gefühlt“, erzählt er über den Eingriff im letzten Herbst. Bereits nach zwei Tagen konnten der Breckerfelder das Krankenhaus wieder verlassen und seitdem geht es ihm gut; mehr noch: Er gilt als geheilt.

Auch eine weitere Behandlung ist normalerweise nicht notwendig; „die Patienten wie Herr Biederbick stellen sich lediglich leitliniengemäß im Rahmen der Krebsnachsorge ihrem behandelnden Arzt vor“, so Dr. Beier weiter. Karl Biederbick muss nun erst nach drei Monaten wieder einen Arzt aufsuchen und freut sich, dass er nun wieder das Leben genießen kann.

Bei Fragen und Terminwünschen wenden sich Interessenten bitte an:

Klinik für Innere Medizin

Sekretariat Karina Koch

T (02331) 201 2297

F (02331) 201 22 51

gastro@akh-hagen.de

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