Internationaler Frauentag – „Anti-HIV-Pille“ auch für Frauen interessant

Hagen. (AIDS-Hilfe Hagen) „Frauen haben das gleiche Recht auf Gesundheit und sexuelle Selbstbestimmung, wie Männer.“ So die AIDS-Fachkraft, Melanie Luczak, und weiter: „deswegen weisen wir anlässlich des Internationalen Frauentages besonders auf diese Möglichkeit für den Gesundheitsschutz von Frauen hin.“

So wissen die Fachleute bei der Hagener AIDS-Hilfe, dass neben Kondomen bzw. Femidomen (sog. Frauenkondom) und Schutz durch Therapie mit der HIV-Prä-Expositionsprophylaxe (PrEP), auch „Anti-HIV-Pille“ genannt, eine weitere Schutzmethode für aktiven Gesundheitsschutz zur Verfügung steht.
Bei der PrEP nehmen HIV-negative Menschen ein HIV-Medikament ein, um eine Infektion zu verhindern.
Dazu sind in Deutschland Präparate zugelassen und nach ärztlicher Verschreibung in ausgewiesenen Apotheken erhältlich. Die Kosten von etwa 50 Euro pro Monat sowie zusätzlich die damit verbundenen regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen müssen vorerst selbst getragen werden. Allerdings können interessierte Frauen Dank der Zusammenarbeit mit einem Labor auch diese Untersuchungen zu einem günstigen Preis anbieten.

„Aus unserer Sicht ist die PrEP für manche Frauen, die nicht ohne weiteres offen mit ihren Partnern über Safer Sex reden können, eine interessante Möglichkeit, sich aktiv zu schützen“, erklärte Kathrin Maraun, (ebenfalls AIDS-Fachkraft).

„Wir beraten und informieren Frauen über alle zugänglichen Schutzmöglichkeiten und helfen ihnen, für sich die jeweils beste Methode herauszufinden“, so Maraun.

„Entscheidend ist, dass die PrEP auch bei Frauen wirkt. Frauen, die sich für eine PrEP interessieren, weisen wir darauf hin, dass eine tägliche Einnahme der Tabletten, regelmäßige HIV-Tests und andere medizinische Untersuchungen unerlässlich sind“, ergänzt Andreas Rau, Leiter der Hagener AIDS-Hilfe.

Hier in diesem Beitrag wollen wir die eine oder andere Frage zur PrEP beantworten, die sicher besonders für Frauen interessant sein könnten:

Brauchen Frauen bei uns überhaupt die PrEP?

In allen bisherigen Empfehlungen zum Einsatz der PrEP geht es bei der Begründung für die Einnahme der PrEP immer um die Einschätzung des aktuellen individuellen Risikos, sich mit HIV anstecken zu können.
Es geht also darum, dass Frauen ihr individuelles Risiko einschätzen können und die mögliche Präventionsoption einer PrEP kennen. Um die Zielgruppe der Frauen mit hohem HIV-Infektionsrisiko zu erreichen, ist es deshalb sinnvoll, zur Umsetzung der PrEP auch Frauenärztinnen und Frauenärzte sowie frauenspezifische Beratungsstellen mit einzubeziehen.

Nutzen auch Frauen die PrEP?

In den USA sind die Medikamente bereits seit 2012 als PrEP zugelassen. Anfangs waren es 50 Prozent Frauen, die Truvada genommen haben. Mittlerweile ist die Bilanz bei 60 Prozent Männer, 40 Prozent Frauen. In Deutschland ist das Medikament unter Frauen bisher noch eher unbekannt. Deshalb nutzen es hierzulande bisher eher Männer.
Besonders interessant ist die PrEP aber auf jeden Fall auch für Frauen, ggf. unabhängiger von Sexualpartnern zu sein und selbstbestimmt verhüten zu können. Nicht nur im Bereich der Sexdienstleistungen, eine wirksame Methode, sich vor HIV zu schützen.

Es gibt doch Kondome. Warum ist PrEP dennoch wichtig?

Es gibt viele Männer, die keine Kondome nutzen können oder wollen. Rund ein Drittel der Männer hat ein Problem mit Kondomen. Sie können z. B. keine Erektion mit dem Gummi bekommen. Für diese Leute sind alternative Präventionsmethoden wichtig, damit sie dennoch geschützten Sex haben können. Durch die Zulassung von PrEP haben sie nun neue Möglichkeiten. Hinzu kommt, dass auch Frauen häufiger von Problemen mit Kondomen berichten. Manche führen zum Beispiel im falschen Augenblick zu Scheidentrockenheit. Auch über Allergien und Reizungen der Scheidenschleimhäute durch Latex oder die Beschichtungen, die Kondome sicherer machen sollen, berichten uns Frauen.

Wie sicher ist der Einsatz von PrEP?

Die Sicherheit, sich nicht mit HIV zu infizieren, ist geringfügig höher (!) als beim Einsatz eines Kondoms. Die Pillen haben sehr selten Nebenwirkungen. Manchmal treten Probleme an den Nieren oder den Knochen auf. Bei regelmäßiger Einnahme werden die Patienten allerdings alle drei Monate durchgescheckt, so können Nebenwirkungen schnell erkannt und die Medikation eventuell angepasst werden kann.

Ist es ein Nachteil, dass Prep nicht vor anderen Geschlechtskrankheiten schützen kann?

Auch das Kondom schützt nicht sicher vor anderen sexuell übertragenen Infektionen. Die Übertragung einiger Geschlechtskrankheiten ist gelegentlich sogar mit einem Finger möglich. Deshalb sehen wir keine großen Nachteile für PrEP. Gerade Frauen können aufgrund ihrer Physionomie auch mit Kondomen viele sexuell übertragbaren Infektionen ohnehin schneller bekommen, als Männer.

Werden Frauen durch PrEP nicht unvorsichtiger – verleitet die PrEP nicht zu „unmoralischem“ Verhalten?

Menschen, die sich schützen, sind nicht risikobereiter. Im Gegenteil, sie sind verantwortungsvoller und wollen trotzdem genießen. Über Moral entscheidet jeder Mensch autonom. Und solange niemand anderem geschadet wird, ist auch jeder Mensch in seinen Entscheidungen absolut frei!

die leidige Frage nach der Wirtschaftlichkeit

Eine Modellrechnung aus den Niederlanden hat gezeigt, dass sich das Präparat sogar bei dem aktuellen Preis rechnerisch lohnen würde. Demnach kostet ein in guter Gesundheit verbrachtes Lebensjahr mit der täglichen Einnahme der PrEP rund 800 Euro. Das Fazit der Forscher: Ein Medikament sei bis zu einem Gegenwert von 20.000 Euro pro gesundem Lebensjahr als kosteneffektiv zu bewerten. Die medikamentöse Behandlung einer HIV-Infektion und etwaiger Folgekosten beläuft sich Berechnungen der deutschen Gesellschaft niedergelassener Ärzte (DAGNÄ) auf rund 25.000 Euro pro Jahr und Patient. (K3A Studie – Krankheitskosten der HIV-Infektion)
Auch wenn die AIDS-Hilfe der Meinung ist, dass menschliche Gesundheit keine Frage von Kosten, sondern eine Frage von Menschenrechten und Menschenwürde ist, sind diese Kostenunterschiede sicher ein Argument mehr, die Kostenübernahme durch die gesetzliche Krankenversicherung zumindest für Menschen mit hohem Risiko und in besonderen Lebenslagen (wie z.B. für Menschen ohne Einkommen) zu fordern.

Haben Sie weitere Fragen zur PrEP? Frau Maraun und Frau Luczak stehen Ihnen als interessierter Frau gerne zur Verfügung.
Trauen Sie sich. Es ist Ihre Gesundheit.
02331/33 88 33
oder zum nächsten Beratungs- und Testabend am 27. März (18 Uhr) vorbeikommen.

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