Langer Premierenapplaus für „König Drosselbart“

HL Bremen 2017 2
Beitrag: Hans Leicher.

direktdran.TV | HL. | Spätestens dann, wenn es im Theater Hagen das Märchen zur Weihnachtszeit gibt, wird mir wieder bewusst, dass Märchen nicht nur etwas für Kinder sind. Das zeigt schon das Premieren-Publikum: ein (fast) ausverkauftes Theater Hagen, alle Generationen sind vertreten. Und wenn man genau hinsieht, dann sind die „reiferen“ Generationen nicht durchweg die Begleitpersonen derjenigen jungen Menschen, die das Märchen „König Drosselbart“ vorrangig ansprechen soll. Menschen aus der gesamten Region, die sich auf das Erlebnis Märchen und Theater freuen, viele der jungen Theatergäste von ihnen erleben das Theater-Flair leider nur einmal im Jahr oder sogar erstmals. 30.000 Menschen werden auch in diesem Jahr wieder in das Theater Hagen kommen um das jährliche Event „Märchen zur Weihnachtszeit“ zu erleben. Inclusive einer Pause rund zwei Stunden lang zu sehen, dass Schauspiel und Musik live im Theater, auf der Bühne stattfinden. Von Schaupielerinnen und Schauspielern, die gerade nicht im Fernsehen für ein Millionen-Publikum agieren. Sondern hier und jetzt alles geben, damit sie rund 800 erwartungsvolle Gesichter mit leuchtenden Augen mit auf die Reise in eine andere Welt, diesmal in die Märchenwelt, mitnehmen können. Wenn ich nicht nur auf die farblich harmonisch und träumerisch ausgeleuchtete Bühne schaue und die Augen im Theater herum wandern lasse, dann sehe ich: alles richtig gemacht – gerade die jungen Gäste haben „Märchenaugen“ – die, die keine „Märchenaugen“ haben, schauen sehr gespannt.

IMG_4413_bAls „Eisbrecher“ gegen die Spannung, setzt Regisseur Jan Friedrich Eggers als Einstieg gleich eine unerwartet pfiffige Szene ein, auf die einige Kinder sofort anspringen und mit den Protagonisten kommunizieren. Die ersten Lacher gleich zu Anfang im Saal – die Barrieren zwischen Bühne und Gästen sind in den ersten zwei Minuten spontan gebrochen.

IMG_7503Seit vielen Jahren bildet die Musik von Andres Reukauf die Seele für das Hagener Märchen zu Weihnachtszeit. Bereits bevor die Vorstellung startet, spürt man seine Freude und Begeisterung. Er ist froh, dass jetzt endlich seine Musik, seine Balladen, bis Weihnachten im Theater Hagen in vielen Vorstellungen, den Ton angeben. In diesem Jahr hat die Musik einen Mittelalter-Touch. Zwischendurch hastig, hektisch, dann wieder ruhig, ganz an die Szenen angepasst. Angenehm ist aber die ruhige, melodische Begleitung vieler Szenen, die es einem leicht macht, in das Märchen-Traumland zu gleiten. Die wunderbaren Balladen aus der Hand von Andres Reukauf sind für mein Gefühl beim „König Drosselbart“ etwas rar. Die erste Ballade kommt etwas spät. Dafür gibt es im Finale einen Song zum Mitgehen und mit der Prognose „ohrwurmverdächtig“. Insgesamt vermittelt die Combo um Andres Reukauf ein warmes, harmonisches Musikerlebnis, das man jedem zum Abschalten und zum Hineintauchen in das Märchen-Erlebnis gönnen kann.

IMG_4801Das Ensemble auf der Bühne mit Jan Schuba, Carolina Walker, Tobias Rusnak, Daniel Heck, Kristina Günther-Vieweg und Emanuelle Pazienza überzeugt in jeder Hinsicht. Auch in den Choreographien von Ricardo Viviani. Und gerade im Finale fällt mir die immense Begeisterung, Überzeugung und der mitreißende Ausdruck der Protagonisten auf. Sie alle sind in ihrem Fach Profis, die auf dem Theaterboden geblieben sind. Die sichtlich und berechtigt stolz auf ihre Premierenvorstellung sind und (wenn mir auch immer wieder ein Szenenapplaus gefehlt hat) stolz auf den großen und langen Applaus nach dem Finale. Das Publikum zeigt seine Begeisterung. Vielleicht plant man ja bei den folgenden Vorsellungen noch eine kleine Zugabe mit ein. Erwähnt sei aber unbedingt die gesangliche Leistung von Carolina Walker als „Philine“.

IMG_4441_bDas Ensemble agiert in einer Bühnenausstattung aus der Idee von Jeremias H. Vondrlik. Seine Ideen der Bühnengestaltung sind eher aus dem vergangenen Jahren im Jugendtheater LUTZ bekannt. Phantasievoll und phantasieanregend sind auch diesmal seine interessanten Ideen für das Bühnenbild von „König Drosselbart“. Da werden z.B. Gitterboxen ganz individuell zu Möbeln, Wagen oder sogar zum Spinnrad. Wie bereits erwähnt: farblich hervorragend mit Beleuchtung und Effekten abgestimmt.

IMG_4751_bSeit den vielen Jahren, in denen Werner Hahn die Texte für das Hagener Märchen zur Weihnachtszeit geschrieben hat, stammen die Texte für „König Drosselbart“ diesmal von Petra Grube. Werner Hahns Texte galten immer als frech. Petra Grube bringt den „Frech-Faktor“ vorwiegend über eine Figur ins Spiel: die Katze „Charlie“, auf der Bühne verkörpert von Kristina Günther-Vieweg. Es ist ein Genuss und ein Erlebnis, wie es die Schauspielerin über das ganze Stück hinweg schafft, immer wieder spontan frischen Wind in die Inszenierung zu bringen. Die Katze „Charlie“ wird damit zu einer der Hauptrollen. Das Premieren-Publikum quittiert es mit immer wieder folgendem Lachen.

IMG_4845_bNicht vergessen sind die vielen guten Geister, die nicht auf der Bühne erscheinen, die aber seit langer Zeit daran gearbeitet haben, dass „König Drosselbart“ in der beeindruckenden Form auf die Hagener Bühne gekommen ist. Die aber auch in den vielen folgenden Vorstellungen dafür sorgen, dass alles auf die Sekunde passt, ohne dass es das Publikum mitbekommt wer da alles im Hintergrund agiert.

Zur Handlung:

IMG_4405_b(Theater Hagen) >>Wie soll der perfekte Mann für Philine aussehen? – Das weiß sie auch nicht so genau, aber wie er NICHT aussehen soll, das weiß sie dafür umso besser. Und einen Bart wie eine Drossel soll er schon mal gar nicht haben. Ein »König Drosselbart« hat bei ihr keine Chance! Was ist schon dabei, wenn alle anderen sie für oberflächlich halten, schließlich ist sie eine richtige Prinzessin – und die dürfen zickig sein. Oder lohnt es sich doch, seine Mitmenschen nicht nur nach dem Äußeren zu beurteilen? Diese und noch viel mehr Fragen führen die Prinzessin zusammen mit ihrem treuen Hund Karlo mitten hinein ins Abenteuer. Ob es ein Happy End gibt?<<

Fazit

IMG_4676_bDas Hagener Märchen zur Weihnachszeit ist auch in diesem Jahr ein tolles Theater-Erlebnis und einen Besuch im Theater Hagen wert. Allerdings zeigt die Erfahrung, dass man sich schnell um Tickets bemühen sollte.

Es gibt insgesamt 36 Vorstellungen. Derzeit sind noch Karten vorhanden für folgende Aufführungen: 12.11. (Premiere, 18 Uhr), 13.11. (10 Uhr), 14.11. (10 Uhr), 15.11. (10 Uhr), 19.11. (11 Uhr); 3.12. (11 Uhr, 14 Uhr, 17 Uhr), 4.12. (9 Uhr, Restkarten), 5.12. (9 Uhr (Restkarten), 11.30 Uhr), 6.12. (11.30 Uhr), 8.12. (10 Uhr), 9.12. (11 Uhr), 10.12. (17 Uhr), 11.12. (9 Uhr (Restkarten), 11.30 Uhr), 12.12. (11.30 Uhr), 13.12. (9 Uhr (Restkarten), 11.30 Uhr), 16.12. (11 Uhr), 17.12. (11 Uhr), 18.12. (9 Uhr (Restkarten), 11.30 Uhr), 20.12. (9 Uhr), 25.12. (16 Uhr)

Freiverkauf: 5-10 Euro (Mo-Fr), 6-12 Euro (Sa, So)

Karten an der Theaterkasse, unter Tel. 02331 207-3218 oder http://www.theaterhagen.de, an allen Hagener Bürgerämtern, Tel. 02331 207- 5777 sowie bei den EVENTIM-Vorverkaufsstellen.

_______________________________

Auch dieses Mal wurde wieder eine CD mit den Songs zu „König Drosselbart“ produziert, die ab dem 12. November 2017 an der Theaterkasse zum Preis von 8 Euro erhältlich ist.

Alle Theaterfotos: Klaus Lefebvre

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s