Verbraucherzentrale in Hagen – Wegweiser zu Recht und Rat

Hagen. Online shoppen, via Smartphone bezahlen, per Mausklick einen
Kredit aufnehmen  Verbraucherprobleme im digitalen Konsumalltag
bestimmten die Arbeit der Verbraucherzentrale in Hagen
im vergangenen Jahr. Für fast 8.200 Ratsuchende war die Beratungs-
stelle in der Hohenzollernstraße 2016 Wegweiser zu Rat und Recht.
Mal winkt eine Fitnessuhr als Gratisgeschenk, mal winkt eine Online-
plattform mit unschlagbaren Schnäppchen oder vermeintliche Gratis-Kochrezepte sind
nur einen Mausklick entfernt. Fast immer gemeinsame Zutat: Geschickte
Täuschung, damit arglose Nutzer kostenpflichtige Bestellungen vornehmen
oder in ungewollte Abos tappen. „Und gemeinsam ist den von Abzockern im
Internet Geleimten, dass sie sich hilfesuchend an die Rechtsberatung der
Verbraucherzentrale wenden“, bilanziert Beratungsstellenleiter
Benjamin Korte eine steigende Nachfrage bei den Rechtsberatungen.
Unter dem Motto „Achtung: Täuschend echt!“ hat die
Verbraucherzentrale vor Fake-Shops gewarnt, die im Netz mit
verlockenden Schnäppchenpreisen für Trendprodukte werben. Wer
auf die Echtheit der Angebote vertraute und wie verlangt per
Vorkasse bezahlte, sah häufig weder das Produkt noch das Geld je
wieder.

Unverlangtes Werben am Telefon, Unterschieben von Verträgen
oder eigenmächtige Vertragskündigungen ohne Vollmacht des
Kunden – dieses Trio haben wir in 2016 als Türöffner ausgemacht,
um an Haustür und Telefon zum Abschluss neuer
Energielieferverträge zu kommen“, berichtet Benjamin Korte.
So hatten Ratsuchende in der Beratung geschildert, dass sich
Unternehmen bei ihnen unaufgefordert am Telefon gemeldet und dann
mit der Nachricht überrascht hatten, dass angesichts der anstehenden Gas- oder
Strompreiserhöhung ein Anbieterwechsel schnell und sorgenfrei
echte Ersparnis bringe. Selbst wenn sich Verbraucher bei einem
solchen Telefonanruf lediglich mit der Zusendung von
Informationsmaterial einverstanden erklärt hatten, wurden ihnen
Vertragsbestätigungen nebst allgemeinen Geschäftsbedingungen
und Widerrufsbelehrung zugeschickt. „Damit wurde der Eindruck
erweckt, dass bereits ein Vertrag zustande gekommen war. Eine
nach Ansicht der Verbraucherzentrale NRW unzumutbare
Belästigung, weil Betroffene aktiv werden mussten, um sich gegen
den angeblichen Vertragsabschluss zu wehren“, erläutert Benjamin Korte.
Das erforderliche Einverständnis für die telefonische
Kontaktaufnahme sollten betroffene Verbraucher, so die Behauptung
der Anbieter, oft bei deren Teilnahme an Gewinnspielen erklärt
haben. Woran sich Betroffene allerdings entweder nicht erinnerten
oder dies bestritten.
Einmal mehr mündeten falsche Kreditversprechen in Kostenfallen. Da
wurde auf Internetseiten mit verheißungsvollen Adressen wie etwa
sorglosduo.de, firstgold.de oder mastercredit.de der
unproblematische Zugang zum bargeldlosen Bezahlen angepriesen,
selbst wenn der Finanzrahmen in Schieflage geraten war. „Kredit und
Kreditkarte ohne Schufa! Die hochgeprägte Goldkarte winkt auch bei
schlechter Bonität!“ – wer das glaubte und bestellte, orderte
ungewisse Erfolgsaussichten inklusive. Denn entweder gab es nur
teure Prepaid-Kreditkarten oder gar bloß ein paar Antragsformulare
für ein Auslandskonto mit Sicherheitsleistung. Im Kleingedruckten der
Anbieter war nämlich erwähnt, dass die Anfrage nur an ein
Kreditinstitut zur Prüfung weitergegeben werde. „Dessen ungeachtet
war nach Bestellung der Kreditkarte eine kostenpflichtige
Postsendung per Nachnahme ins Haus geflattert. Diese enthielt aber
nicht die erhoffte Kreditkarte, sondern die Aufforderung, eine
Ausgabegebühr von 49,90 Euro zu entrichten“, rechnet Benjamin Korte
vor. Zudem sei eine Jahresgebühr in ähnlicher Höhe
angefallen. „Dies alles wurde für eine bloße Prepaid-Kreditkarte
verlangt, auf die man vor der Benutzung erst Geld laden muss – und
die es anderswo kostengünstiger gibt“, entlarvt er die Tricks beim
Versprechen vom problemlosen schnellen Kredit.
Vor allem ältere Kabelkunden waren Zielgruppe von Werbern für
Produkte der Unitymedia NRW GmbH: „Bei ihren Besuchen hatten
sie an der Wohnungstür Ängste im Hinblick auf die Einstellung des
analogen TV-Programms am 30. Juni 2017 geschürt“, berichtet
der Beratungsstellenleiter. Dadurch verunsichert seien dann
unüberlegt oft überflüssige und teure Verträge für Telefonie und
Internet oder zusätzliche kostenpflichtige TV-Angebote
abgeschlossen worden. „Die Werber hatten dabei auf Unkenntnis
gesetzt. Denn dass für die anstehende Umstellung von analogem auf
digitalen Kabel-Empfang keine neuen Verträge notwendig sind – das
hatten sie natürlich nicht verraten“, entlarvt Benjamin Korte die
Überrumpelungsstrategie.
Auch erste Verbraucherprobleme von geflüchteten Menschen sind
bei der Verbraucherzentrale angekommen: „So hatten umtriebige
Mitarbeiter in Telefonshops Flüchtlingen ein kostenloses Smartphone
oder Tablet versprochen, sie damit dann in zwei oder gar drei
Verträge mit 24-monatiger Laufzeit gelockt“, zeigt Benjamin Korte
auf, dass die Unerfahrenheit dieser Menschen zum Beispiel
bei Vertragsabschlüssen ausgenutzt wird. Aber auch die
Zahlungsmodalitäten bei der Energieversorgung mit Abschlägen für
Strom und Gas und der Jahresabrechnung für den Gesamtverbrauch
sind vielfach unbekannt.
Informationen rund um den Wegfall der Roaming-Entgelte beim
Surfen, Simsen und Telefonieren ins oder aus dem europäischen
Ausland hat die Verbraucherzentrale aktuell ebenso auf dem Radar
wie einen Check, ob Banken sich bei der Vergabe von
Verbraucherkrediten an die neuen gesetzlichen Vorgaben zur
Kreditwürdigkeitsprüfung halten. Außerdem: Dass große Player unter
den Anbietern bei nicht bezahlten Rechnungen mit eigenen
Inkassobüros oder externen Dienstleistern ein einträgliches
Geschäftsmodell mit dem Masseninkasso auf den Weg gebracht
haben, hat die Verbraucherzentrale jetzt öffentlichkeitswirksam
angeprangert. Nicht selten, dass für eine nicht eingelöste Lastschrift
durchs Forderungsmanagement dann die doppelten Kosten fällig
werden.

Umweltberatung 2016:

Dem Verpackungsärger Luft gemacht

Drei kleine Pralinen verführen extra eingewickelt in folienverschweißter
Hochglanzschachtel zum Kauf. Bio-Bananen, Äpfel und Birnen werden trotz
harter Schale nochmal in Folie und Pappe verpackt. Darüber machten sich
die Hagener bei der Umweltberaterin am häufigsten ihren Ärger über die
Verpackungen Luft. Unnötige und aufwendig Verpackungen haben einen doppelten
Preis: Der Kunde muss sowohl für das ins Auge fallende Outfit als auch für
dessen Entsorgung zahlen.
Die Verbraucherzentrale NRW hat Hersteller, deren Verpackungen besonders negativ
aufgefallen waren, angeschrieben und um eine Stellungnahme gebeten. Hierin
sollten sie erklären, ob in welcher Weise die jeweilige Verpackung den Zielen
der Verpackungsverordnung entspricht – danach gilt es nämlich, Verpackungsabfälle
in erster Linie zu vermeiden. Einige Produzenten haben darauf reagiert und die
Verpackung reduziert. Die meisten Hersteller sahen jedoch keinen Bedarf zur
Reduzierung. Deren Argumente allerdings überzeugten die Umweltberatung der
Verbraucherzentrale nicht in jedem Fall.
Produktbeispiele und Abschlussbericht:
http://www.verbraucherzentrale.nrw/verpackungsaerger

Elektroschrott: viel zu wertvoll für die Tonne –
und Wie steht es mit der Rücknahme im Handel ?

Mit dem Workshop „Elektroschrott ist Gold wert“ warb die Umweltberatung für
die längere Nutzung und Recycling von Elektrogeräten während des Hagener
Urlaubskorbes. Weltweit türmen sich 50 Millionen Tonnen Elektroschrott zur
Entsorgung auf – und das in nur einem Jahr!
Dabei funktionieren viele der ausrangierten Geräte noch – und die meisten enthalten
knappe Rohstoffe, die man recyceln kann und die somit nicht wieder neu gewonnen
werden müssen. Das minimiert Umweltschäden und die gefährliche Arbeit in den
Rohstoffminen der Länder des Südens wird durchs Recycling ersetzt.
Kaputter Fön, defekter Toaster, ausrangierter Computer – seit August 2016
müssen auch Händler mit einer Verkaufsfläche über 400 Quadratmetern alte
Elektronik zurücknehmen. Bis dahin waren die kommunalen Sammelstellen erste Adresse,
um die ausgedienten Haushalts- und Hightech-Geräte sachgerecht zu entsorgen und die
enthaltenen wertvollen Rohstoffe wiederzuverwerten.
Verbrauchern die Rückgabe durch ein dichtes Netz an Abgabestellen zu
erleichtern – so die Zielsetzung des Elektronik- und Elektro-Altgeräte Gesetzes.
Die Umweltberatung der Verbraucherzentrale hat in Hagen gecheckt, wie die Vorgaben
des Gesetzes vom Elektrohandel praktisch umgesetzt werden. Fazit: Die Rücknahme
funktioniert in der Regel schon gut, allerdings hapert es beim Großteil noch an
der Information über dieses Angebot.
Nur wenige Händler machten durch Hinweisschilder oder durch eine ins Auge
fallende Rücknahmestelle im Verkaufsraum auf den Service aufmerksam. Zumeist
mussten Kunden erst beim Verkaufspersonal gezielt danach fragen.

Öffnungszeiten:
Montag  10 – 18 Uhr
Dienstag        10 – 17 Uhr
Donnerstag      10 – 19 Uhr
Freitag         10 – 13 Uhr

Kontakt:
Telefon         02331-6973301
E-Mail          hagen@verbraucherzentrale.nrw

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