Festnahme nach BVB-Anschlag!

Karlsruhe. Die Bundesanwaltschaft hat heute (21. April
2017) den 28- jährigen deutschen und russischen Staatsangehörigen Sergej
W. durch Beamte der GSG 9 der Bundespolizei im Raum Tübingen
vorläufig festnehmen lassen. Der Beschuldigte steht in dem Verdacht,
am 11. April 2017 den Anschlag auf den Mannschaftsbus des
Fußballvereins Borussia Dortmund verübt zu haben. Ihm wird daher
versuchter Mord, Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion sowie
gefährliche Körperverletzung zur Last gelegt.

Insgesamt sind an den Ermittlungen mehrere hundert Beamte des
Bundeskriminalamtes sowie der nordrhein-westfälischen und der
baden-württembergischen Polizei beteiligt.

Die Pressestelle wird heute um 12.30 Uhr über den aktuellen Stand
der Ermittlungen informieren. Zu diesem Zweck wird die
Pressesprecherin der Bundesanwaltschaft eine Erklärung vor
Medienvertretern abgeben.

Zum gegenwärtigen Stand der Ermittlungen kann Folgendes mitgeteilt
werden:

1.   Der Beschuldigte erwarb am 11. April 2017 15.000
Verkaufsoptionen (sogenannte Put-Optionen) in Bezug auf die Aktie von
Borussia Dortmund. Die Papiere haben eine Laufzeit bis zum 17. Juni
2017. Der Kauf der Optionen erfolgte über die IP-Adresse des Hotels
L’Arrivée. Die Optionsscheine finanzierte Sergej. W über einen am 3.
April 2017 aufgenommenen Verbraucherkredit.

Der Käufer von sogenannten Put-Optionen spekuliert auf fallende
Kurse. Put-Optionen berechtigen ihren Inhaber, innerhalb eines
bestimmten Zeitraums   hier: bis zum 17. Juni 2017   eine festgelegte
Menge   hier: 15.000 Stück   eines bestimmten Wertpapieres   hier:
die Aktie von Borussia Dortmund   zu einem im Voraus festgelegten
Preis zu verkaufen. Die Höhe des Gewinns hängt von der Höhe des
Kursverlustes ab. Bei einem massiven Verfall der Aktie von Borussia
Dortmund hätte hier der Gewinn nach vorläufigen Berechnungen ein
Vielfaches des Einsatzes betragen. Mit einem erheblichen Kursverfall
wäre zu rechnen gewesen, wenn in Folge des Anschlags Spieler schwer
verletzt oder gar getötet worden wären.

2.   Der Beschuldigte war   wie die Mannschaft von Borussia Dortmund
auch Gast des Hotels L’Arrivée. Er hatte dort bereits am 9. April
2017 ein Zimmer im Dachgeschoss des Hotels mit Blick auf den späteren
Anschlagsort bezogen.

Der Beschuldigte hatte bereits Mitte März ein Zimmer für den
Zeitraum vom 9. bis 13. April 2017 sowie für den Zeitraum vom 16. bis
20. April 2017 gebucht. Die Termine umfassten beide Begegnungen der
Champions League zwischen Borussia Dortmund und AS Monaco. Zum
Zeitpunkt der Buchung stand allerdings noch nicht fest, an welchem
der beiden Termine das Heimspiel in Dortmund stattfinden wird.

3.   Die drei Sprengsätze waren über eine Länge von 12 Metern in
einer Hecke entlang der Fahrstrecke des Mannschaftsbusses angebracht.
Die Sprengwirkung der Sprengsätze war auf den Bus ausgerichtet. Die
Sprengsätze wurden zeitlich optimal gezündet. Der vordere und der
hintere Sprengsatz waren in Bodennähe platziert. Der Mittlere befand
sich in einer Höhe von etwa einem Meter. Damit war er zu hoch
angebracht, um seine Wirkung voll entfalten zu können. Die
Sprengsätze waren mit Metallstiften bestückt. Die Metallstifte sind
etwa 70 mm lang, haben einen Durchmesser von 6 mm und ein Gewicht von
etwa 15 g. Ein Metallstift wurde noch in einer Entfernung von 250
Meter aufgefunden. Die Zündung erfolgte nach derzeitigem
Erkenntnisstand für jeden Sprengsatz separat über eine funkausgelöste
elektrische Schaltung. Zur Art des verwendeten Sprengstoffs liegen
noch keine gesicherten Erkenntnisse vor.

4.   Der Mannschaftsbus war nicht mit Panzer-, sondern mit
Sicherheitsglas ausgestattet. Zum Anschlagszeitpunkt hatte er etwa
eine Geschwindigkeit von etwa 23km/h. Der Bus weist Schäden im
vorderen und hinteren Bereich auf. Unter anderem sind mehrere
Fensterscheiben zerborsten. In der Kopfstütze des zweiten Sitzes in
der hinteren Reihe wurde einer der in den Sprengsätzen verbauten
Metallstifte aufgefunden.

5.   Am Tatort wurden drei textgleiche Bekennerschreiben gefunden.
Eines der Schreiben war an einem der in der Hecke eingelassenen
Pfosten angebracht. Die beiden weiteren Schreiben waren in der Hecke
platziert. An den Schreiben waren keine Finger- oder Griffspuren
feststellbar. In den Schreiben wird ein radikal-islamistisches Motiv
für den Anschlag behauptet. Die Bekennung wurde islamwissenschaftlich
geprüft. Danach bestehen an einem radikal-islamistischen Ursprung
erhebliche Zweifel.

6.   Am 13. April 2017 ging beim Tagesspiegel und bei WELT/N24 ein
rechtsextremistisches Bekennerschreiben ein. Das Schreiben weist
Widersprüche und Ungereimtheiten auf. Es deutet derzeit nichts
daraufhin, dass es vom Täter stammt.

Advertisements
Kategorien:

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s