Modern wirkende Fenster sind teils längst veraltet

Hagen. Mittelalterliche Bleiglasfenster oder die Originalfenster alter Fachwerkhäuser sind nicht gerade Energiesparmodelle – das wird kaum jemanden überraschen.

„Doch auch manche Exemplare mit Kunststoffrahmen und Doppelverglasung tragen bereits historische Züge“, wie Energieberaterin Andrea Blömer von der Verbraucherzentrale NRW erklärt.

„Unbeschichtete Isolierglasfenster aus den frühen 1990er Jahren sind schon energetische Oldtimer“, sagte sie bei der Vorstellung der neuen Aktion „Wir blicken durch: Fenster richtig planen.“ „Die Technik dieser Fenster entspringt einer Zeit, in der noch reichlich VW-Käfer unterwegs waren, Elvis‘ letzte Single im Radio lief und fast alle Telefone Wählscheiben hatten: Es gab sie schon 1977.“

Damals trat die erste Wärmeschutzverordnung in Kraft. Sie schrieb erstmals vor, wie viel Wärme durch neue Fenster entweichen darf. Erst 1995 wurde diese Vorgabe deutlich verschärft – und danach noch mehrfach. „Die heute erlaubten Grenzwerte sind viel niedriger. Der Verlust darf nicht einmal halb so hoch sein wie 1994“, sagt Andrea Blömer. Technisch möglich wurden die geringeren Verluste unter anderem durch eine Metallbedampfung der Scheiben. Diese Wärmeschutzverglasung ist im Neubau längst Standard und kann die aktuellen Grenzwerte sogar noch deutlich unterschreiten. Bislang ist, Andrea Blömer zufolge, aber nur gut jedes zweite Fenster in Deutschland mit Wärmeschutzglas ausgestattet.

Für fast alle, die noch Scheiben aus der Zeit vor 1995 haben, sei eine Modernisierung empfehlenswert, sagt Andrea Blömer. Neue Fenster oder zumindest neue Gläser sparen nicht nur Heizkosten, sondern machen auch winterliche Aufenthalte in Fensternähe viel angenehmer. „Die Innenfläche ist bei Wärmeschutzverglasung einfach wärmer“, erklärt sie.

Für alle, die ihre Verglasung nicht kennen, verrät die Expertin einen Trick: „Einfach im Dunkeln ein Feuerzeug vor die Scheibe halten und auf die Spiegelungen der Flamme achten“, rät sie. „Bei Wärmeschutzverglasung ist mindestens ein Spiegelbild anders gefärbt als die restlichen.“ Mehr Tests zur energetischen Fitness der Fenster gibt es unter www.verbraucherzentrale.nrw/fenster.

Bei einer Modernisierung können neben dem Wärmeschutz auch viele weitere Eigenschaften des Fensters verbessert werden, so Andrea Blömer. „Hitze-, Lärm- und Einbruchschutz, Bedienkomfort und Barrierefreiheit sind einige wichtige Punkte“, erklärte sie. Unterschiedliche Ansprüche in diesen Bereichen machen das passende Fenster zu einer individuellen Angelegenheit. Zudem müssen Rahmen und Glas immer gut auf den Rest des Hauses abgestimmt und fachgerecht eingebaut werden. Sonst können sie ihre Wirkung nicht richtig entfalten.

Unabhängige Unterstützung bei Überlegungen zur Fenstermodernisierung gibt es bei der Energieberatung der Verbraucherzentrale NRW – direkt im Haus, um das es geht, oder in der Beratungsstelle Hagen, Hohenzollernstraße 8.

Termine gibt es unter 02331-6973301, unter 0211-33 996 555 und unter www.verbraucherzentrale.nrw/energieberatung.

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