Stand der Ermittlungen zum Anschlag in Berlin

>>Karlsruhe. Die Bundesanwaltschaft hat gestern aufgrund
eines Beschlusses des Ermittlungsrichters des Bundesgerichtshofs die
Unterkunft eines 26-jährigen tunesischen Staatsangehörigen in einem
Flüchtlingsheim in Berlin durch Beamte der Bundespolizei und des
Bundeskriminalamtes durchsuchen lassen. Er steht im Verdacht, an dem
Anschlagsgeschehen beteiligt gewesen zu sein. Nach den bisherigen
Erkenntnissen kannten sich Amri und der Beschuldigte spätestens seit
Ende 2015. Aufgrund eines Hinweises konnte rekonstruiert werden, dass
beide sich noch am Vorabend des Anschlagstages, am 18. Dezember 2016,
gegen 21:00 Uhr in einem Restaurant in Berlin-Mitte, Ortsteil
Gesundbrunnen, getroffen und intensiv unterhalten haben. Vor diesem
Hintergrund ergab sich der Verdacht, dass der Beschuldigte in die Tat
eingebunden gewesen sein könnte, zumindest aber von Anschlagsplänen
Amris gewusst haben könnte. Bei der Durchsuchung wurden unter anderem
Kommunikationsmittel sichergestellt, die derzeit ausgewertet werden.
Die gegen den Beschuldigten bestehenden Verdachtsmomente reichen
derzeit nicht für einen dringenden Tatverdacht aus. Die
Bundesanwaltschaft hat gegen ihn daher keinen Haftbefehl beantragt.
Allerdings wurde der Beschuldigte gestern in einem Verfahren der
Staatsanwaltschaft Berlin vorläufig festgenommen und heute dem
dortigen Ermittlungsrichter vorgeführt, der Haftbefehl erlassen und
den Vollzug der Untersuchungshaft angeordnet hat.

Darüber hinaus wurde gestern ein weiterer Durchsuchungsbeschluss
des Ermittlungsrichters des Bundesgerichtshofs vollstreckt.  Diese
Durchsuchung bezog sich auf einen früheren Mitbewohner von Anis Amri.
Mit ihm teilte sich Amri seit Herbst 2016 ein Zimmer in Berlin-Mitte,
Ortsteil Gesundbrunnen. Er kommt daher als Zeuge in Betracht. Die
Auswertung von Amris Mobiltelefon hat ergeben, dass er am Vor- und
Nachmittag des Anschlagstages versucht hat, den Zeugen zu erreichen.
Ob es tatsächlich zu einem Gespräch kam, ist derzeit noch offen. Bei
der Durchsuchung wurden Kommunikationsmittel des Zeugen
sichergestellt, die derzeit ausgewertet werden.

Zum Stand der weiteren Ermittlungen kann derzeit Folgendes
mitgeteilt werden:

1.   Am Tattag hielt sich Anis Amri den bisherigen Erkenntnissen
zufolge am Nachmittag am Friedrich-Krause-Ufer in Berlin auf. Das war
der Standort des LKW, den er später als Tatmittel benutzte.
Anschließend suchte Amri die Fussilet-Moschee in der Perleberger
Straße auf. Gegen 19.30 Uhr kehrte er zum Friedrich-Krause-Ufer
zurück. 2.      Nach dem gegenwärtigen Erkenntnisstand erfolgte die
tödliche Schussabgabe auf den polnischen LKW-Fahrer am
Friedrich-Krause-Ufer. Der LKW war dort entgegen der Fahrtrichtung am
Seitenstreifen geparkt. Die Fahrertür zeigte zum Spreeufer. Die
Spurenbild spricht dafür, dass die Schussabgabe aus Richtung der
Fahrertür erfolgte. Es wurden Schmauchspuren an der Gummileiste der
geöffneten Fahrertür festgestellt. Zudem wurde am Standort des LKW
eine Patronenhülse aufgefunden. Diese passt zu der in Italien
sichergestellten Waffe. 3.      Nach dem Ergebnis der kriminaltechnischen
Untersuchung haben sich bislang keine Hinweise dafür gefunden, dass
sich zum Tatzeitpunkt eine dritte Person in der Fahrerkabine
aufgehalten hat. 4.     Anhand der GPS-Daten des LKW konnte die Route vom
Friedrich-Krause-Ufer zum Anschlagsort nachverfolgt werden. Sie
führte über die Budapester Straße die Hardenbergstraße und den
Ernst-Reuter-Platz zurück über die Hardenbergstraße zum
Breitscheidplatz. 5.    Kurz nach dem Anschlag wurde eine männliche
Person im Bereich Bahnhof Zoo von einer Videokamera aufgezeichnet.
Nach dem gegenwärtigen Stand der Ermittlungen ist davon auszugehen,
dass es sich um Anis Amri handelt. Die Bilder legen nahe, dass Amri
wusste, dass er aufgezeichnet wird. Er zeigt den sogenannten
Tauhid-Finger   das ist ein erhobener Zeigefinger   in die Richtung
der Kamera. 6.  Nach Erkenntnissen der niederländischen Behörden war
Amri am 21. Dezember gegen 11.30 Uhr am Bahnhof in Nimwegen/NL und
anschließend gegen 13.20 Uhr am Bahnhof in Amsterdam. Er soll dort
jeweils von Überwachungskameras aufgezeichnet worden sein. 7.   Nach
einer Vorabinformation der italienischen Behörden ist die in Berliner
Tatwaffe identisch mit der in Italien. Das ergab ein Abgleich der
Geschosshülsen. Gegenstand der Ermittlungen ist nunmehr die Frage,
wie Amri in den Besitz der Waffe gekommen ist.<<

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