Wo Origami zu Literaturart wird – Autorin präsentiert Literatur im Faltpapier-Gewand

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Irgendwann im letzten Winter hatte Autorin Birgit Ebbert es satt, ewig auf gedruckte Bücher zu warten. Sie begann nach Wegen zu suchen, ihre Texte anders zu präsentieren und landete doch wieder beim Papier. Mit ihrer Literaturart hat sie das Papierfalten ganz neu interpretiert. Bei ihr werden Texte nicht nur auf Papier gedruckt, sondern in und mit Origami-Papier präsentiert. „Literaturart“ nennt sie ihre Werke, für die sie vergangene Falts- und Bastelfähigkeiten reaktiviert und weiterentwickelt hat. Die ersten Ergebnisse sind derzeit in einer Ausstellung in einem Hagener Theater zu sehen und im Internet unter http://www.literaturart.de.

Ich merke an mir, dass ich weniger gedruckte Bücher lese und ich war früher fast büchersüchtig“, verrät die Wahlhagenerin, die ihren Lebensunterhalt mit dem Schreiben von Krimis, Ratgebern, Lernhilfen und Auftragsgeschichten verdient. „Aber heute fehlt mir oft die Muße, um mich in lange Romane zu vertiefen. Lieber denke ich über einen kurzen Text nach.“ Erich Kästner, über den Birgit Ebbert promoviert hat, nannte seine kurzen Texte Epigramme, andere sprachen von Miniaturen, die Hagener Autorin bezeichnet ihre Texte als „Subset“. „Jedes Wort in dem Gedicht oder Satz ist eine Untermenge, ein Subset, des Titels“, verrät sie das Rezept ihrer Texte. So wirken ihre Gedichte teils irritierend, weil der Satzbau

manchmal aufgebrochen wird, aber sie passen zur Präsentation. Manche Titel ergeben sich aus Musiksongs, die ich mag wie „Augen zu“ von Extrabreit-Gründer Stefan Kleinkrieg, andere entstehen, weil sie beim Anblick des Faltpapiers eine Idee hat wie das Gedicht „Sternenhimmel“. Die Texte sind Teil der Bilder, die aus vielen gefalteten Elementen bestehen. „Ich falte auch Kraniche, Schmetterlinge oder Schiffe, aber besonders gefallen mir klare Formen und Muster, die der Erfinder der Kindergärten, Friedrich Fröbel, Schönheitsformen genannt hat“, beschreibt die Autorin, die vor Jahren Pädagogik studiert hat, ihren Ansatz. „Ich habe die Formen aus dem Buch von Fröbel herausgesucht, damit experimentiert und eigene Varianten entwickelt.“

Durch die Faltung bekommen ihre Bilder einen 3-D-Effekt, der die Blicke auf sich zieht und damit auf die Texte. „Da haben Sie etwas Einzigartiges geschaffen!“ und „Das ist einfach genial“, waren Stimmen, die bei der Eröffnung der Ausstellung zu hören waren. Das ermutigt die Autorin mit Faible für Origami und Papierfalten zum Weitermachen. Papier stapelt sich schon bei ihr und Freunde sammeln bereits, denn eigentlich – so hatte sie es vor – sollte vor allem Altpapier aus Katalogen und Kalendern für ihre Werke genutzt werden. Das kann ja noch werden, vielleicht sogar bei den Workshops zur Literaturart, die sie für 2017 ins Visier genommen hat. Am liebsten passend zur nächsten Ausstellung, für die sie bereits erste Angebote hat. „Aber ich freue mich über weitere Möglichkeiten, meine Ideen zu präsentieren, es wird auf jeden Fall immer etwas Neues sein“, verspricht sie und wenn man das dicke Buch mit Ideen anschaut, das neben dem Schreib- und Basteltisch liegt, darf man davon ausgehen, dass sie ihr Versprechen hält.

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