Besonderer Moment in der Trauer um ein Kind

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© Kristina Hussmann

„Zünde ein Licht an für ein verstorbenes Kind“ – das ist die Idee hinter dem Candle Lighting Day, der weltweit jedes Jahr am zweiten Sonntag im Dezember, in diesem Jahr also am 11. Dezember, begangen wird. In der Ev. Pauluskirche, Gutenbergstraße 18 in Hagen, findet an diesem Tag um 16 Uhr wieder ein Gottesdienst für verstorbene Kinder statt – ein Stunde früher als in den Jahren zuvor. Während des Gottesdienstes bieten die Organisatoren auch eine Kinderbetreuung für Geschwisterkinder in der Sakristei der Kirche an. „Im Gottesdienst wird viel Raum für das Erinnern sein. Neben dem Chor Living Voices wird das Jugendtheater Hagen den Gottesdienst mitgestalten“, sagt Pfarrer Jürgen Krullmann. „Im Anschluss gibt es Kaffee und Kuchen und neben Informationsmaterial die Möglichkeit zum Austausch.“

„Uns ist ganz besonders wichtig, dass es um alle Angehörigen geht, die ein Kind verloren haben“, erklärt Krullmann, der als Pfarrer auch Krankenhausseelsorger am Allgemeinen Krankenhaus Hagen (AKH) ist. „Es war zum Beispiel schon ein Ehepaar dabei, dessen Kind vor inzwischen 43 Jahren gestorben ist“, erinnert er sich. „Aber auch Familien, die sich schon vor der Geburt von einem Kind trennen mussten, finden in dem Gottesdienst einen Platz, an dem den Kindern in sehr besonderer Weise gedacht wird.“

So unterschiedlich die einzelnen Geschichten der Menschen sind, was bei dem Gottesdienst am Candle Lighting Day für alle gleich sei: „Es gibt einen Platz, einen hervorgehobenen Moment für die Trauer und die Erinnerung.“ So wird während des Gottesdienstes für jedes Kind eine Kerze angezündet. In einem Gedenkbuch können die Namen der Kinder festgehalten und dann auch verlesen werden. „Wir laden alle Betroffenen ganz herzlich ein, auf diese Weise an die Kinder zu denken“, so der Seelsorger.

Den Gottesdienst organisieren neben dem Seelsorge-Team des AKH und dem Kinderhospiz Sternentreppe auch der „Treffpunkt verwaister Eltern“, zu dem Familien und auch Mitarbeiterinnen der Kinderintensivstation der Klinik gehören. Christiane Eyring ist eine von ihnen. Als Kinderkrankenschwester begleitet sie sterbenden Kinder und ihre Angehörigen. „Wenn uns die Familien verlassen, bleibt immer das Gefühl, dass es noch etwas danach geben muss“, sagt sie. „Zeit und Raum für Kontakt zu Menschen, die Gleiches erlebt haben.“

„Bei uns auf der Station versuchen wir, den Abschied von den Kindern zu gestalten“, so Fachkinderkrankenschwester Elvira Vorberg. Eine Schwester sei freigestellt, um ausschließlich für das Kind und die Familie da zu sein. Hand- und Fußabdrücke, eine Erinnerungskette oder einen Holzstern nehmen die Familien aus der Klinik mit nach Hause. „Aber alles, was dann geschieht, können wir von hier aus nicht mehr beeinflussen“, ergänzt Christiane Eyring. „Die Familien brauchen aber oft auch noch Jahre später Unterstützung. Das Kind bleibt ja ein Teil der Familie.“ Die Trauer sei ein langer Prozess, weiß auch Pfarrer Jürgen Krullmann. „Aber Menschen, die nicht unmittelbar betroffen sind, vergessen das. Andere Familien mit gleicher Geschichte aber haben Verständnis für die Gefühle und Ängste und auch dafür, wie sich das Leben verändern kann.“ Aus diesen Gedanken seien sowohl der Gottesdienst als gemeinsamer Ort des Erinnerns und Trauerns und der Treffpunkt entstanden.

Die Gruppe kommt vier Mal im Jahr zusammen, an jedem ersten Freitag in den Monaten Januar, April, Juli und Oktober um 20 Uhr im Gemeindehaus der Pauluskirche. Das erste Treffen in 2017 findet am Freitag, 6. Januar, statt. Neben einem Mitglied der Krankenhausseelsorge ist auch immer eine Schwester der Kinderintensivstation des AKH dabei. „Der Treffpunkt schafft einen Raum und eine Zeit, um offen über Gefühle, Ängste und Sorgen zu sprechen“, sagt Kerstin Blankenburg, die zwei ihrer Kinder während der Schwangerschaft verloren hat. „Natürlich wird nicht nur geweint, sondern auch viel gelacht.“ Niemand sei verpflichtet. „Manche kommen nur ein oder zwei Mal, andere bleiben dabei und tragen die Gruppe mit – das ist ganz individuell und auch so gewollt.“ Weitere Informationen gibt es über die E-Mail-Adresse treffpunkt-eltern@gmx.de.

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