Das ganze „Theater“ nicht nur ums Theater Hagen

Marsch 1 © Wolfgang Vogel
Ein Bunter Marsch für die Kultur setzt sich vor dem Theater Hagen in Gang. © Wolgang Vogel

Hagen. (HL.) Es waren beeindruckende Bilder und Szenen, die sich am Donnerstag Nachmittag (23. Juni 2016) in der Hagener City aneinandergereiht haben. Dazu: Wichtige, mahnende und fordernde Worte  von Menschen mit Sachverstand nicht nur an die Politiker. Der DGB-Stadtverband Hagen hatte zum ersten Hagener Theater-Marsch mit einer anschließenden Kundgebung auf dem Friedrich-Ebert-Platz aufgerufen. Bundesweit erreichte der Ruf Menschen, die an diesem Nachmittag ihre Solidarität mit dem Theater Hagen, insgesamt aber für die gesamte Kultur, bekundeten.

Lutz © Wolfgang Vogel
© Wolfgang Vogel

Hintergrund: Die Bediensteten des Theater Hagen sehen mit weiterhin drohenden Kürzungen durch den Hagener Rat ihre berufliche Zukunft am Theater Hagen in Gefahr. Sie blicken auch auf eine drohende Insolvenz des beliebten Bürgertheaters. Ein Schließen einzelner Sparten oder gar eine Schließung des gesamten Theater Hagen würde zudem Auswirkungen auf das kulturelle Angebot der gesamte Region haben. Denn viele Besucherinnen und Besucher kommen aus einem weiten Radius, wie z.B. dem Sauerland, nach Hagen.

Im Hagener Rat sieht es eine Allianz aus CDU, Grünen, FDP, Hagen Aktiv gemeinsam mit dem Oberbürgermeister Erik O. Schulz nicht so, dass das Theater Hagen durch die Kürzungen gefährdet ist. Die Befürworter werfen den Theaterleuten gewissermaßen Panikmache gegenüber der Bevölkerung vor. Zudem würde man seitens des Theaters nicht genügend Gesprächsbereitschaft und die Bereitschaft zu konkreten Sparmaßnahmen zeigen.

Einsparmaßnahmen, die allerdings (so versichert es die Theaterleitung) schon seit Jahren umgesetzt wurden. Nun sei man quasi an der Substanz. Durch weitere Kürzungen in der vom Rat geforderten Höhe würden zwangsläufig dazu führen, dass das Theater Hagen nicht mehr in seiner jetzigen Form, mit seinem attraktiven Angebot und allen Sparten erhalten werden kann.

Über Medien und auch Soziale Netzwerke sieht das alles wie ein gegenseitiger Fingerzeig aus. Gerade über die Sozialen Netzwerke werden immer wieder regelrechte Hass-Parolen verbreitet. Fast hat man den Eindruck, dass jeder der sich zugunsten des Theater Hagen äußert „mundtot“ gemacht werden soll.

Einen Tag vor dem Theater-Marsch erklärte die Hagener SPD-Fraktion ihr Bekenntnis zum Theater Hagen. Auch DIE LINKE in Hagen stellt sich hinter das Theater Hagen.

Theater, Kultur in Gefahr… Ein Szenario, das nicht nur Hagen betrifft. Bundesweit sind auch andere Theater oder Theatersparten bedroht. Am Donnerstag aber konnte man den Eindruck gewinnen, dass Hagen für Kulturschaffende und Kulturfreunde aus ganz Deutschland in den Mittelpunkt des bundesweit drohenden Theater- und Kulturkahlschlags gerückt ist. Eine so breit aufgestellte Solidarität hätten sich die Organisatoren, darunter Anne Sandner vom DGB und der Betriebsratsvorsitzende der Theater Hagen gGmbH, Alexander Schwalb, nicht träumen lassen.

So konnten Abordnungen und Intendanten der Theater und Orchester aus Gelsenkirchen, Dortmund, Bonn, Solingen, Remscheid, Bochum, Aachen, Wuppertal, Kaiserslautern, Detmold, Hannover, Bielefeld, Oberhausen, Duisburg, Essen, Köln, Karlsruhe, Wien, dem Parktheater Iserlohn und dem WDR-Orchester als solidarische Gäste in Hagen begrüßt werden. Unter den Gästen waren auch einige Künstler, die einst auf der Bühne des Theater Hagen gestanden haben und noch immer die enge Verbindung halten. Sie alle an dieser Stelle zu nennen, würde vielleicht den Rahmen sprengen. Nicht nur, dass diese Menschen bei extremer Hitze die weiten Wege nach Hagen auf sich genommen haben. Nein, sie hatten sich auch mit Bannern, Fahnen, T-Shirts und Schildern vorbereitet und ausgerüstet. Hinzu kamen diverse Video-Botschaften, wie z.B. von Sabin Tambrea und Guildo Horn (er gibt am 30. Juni ein Benefizkonzert am Theater Hagen), die auf einem großen Monitor eingespielt wurden. Würde es eine Art „Goldenes Buch der Solidarität“ geben, dann hätten sie ihren Eintrag darin sehr wohl verdient. Was die Kultur angeht, so hat Hagen spätestens seit Donnerstag eine Menge mehr an Partnerstädten.

Zu erwähnen sind aber die, die auf dem Friedrich-Ebert-Platz ihre bereits erwähnten Mahnungen und Forderungen gegenüber der Politik stellten. Anne Sandner vom DGB, Ulla Berns von den Ballettfreunden Hagen, der GDBA-Landesvorsitzende für NRW Adil Laraki, der Generalintendant am Weimarer Nationaltheater und zugleich Intendantensprecher des Deutschen Bühnenvereins Hasko Weber, der Geschäftsführer der Deutschen Orchestervereinigung Gerald Mertens, und der Betriebsrat der Wuppertaler Bühne Holger Springorum.

Die Hagener Politik (sofern sie anwesend war und zugehört hat) tut gut daran, sich vor der kommenden Ratssitzung am 30. Juni im Rathaus an der Volme die Inhalte der (relativ kurz gehaltenen) Reden noch einmal zu durchdenken. Starrsinn und Rechthaberei sind nicht die Haltungen, die derzeit gefragt sind, wenn es die Stadt geht. Die Haltung von Ratsmitgliedern nach dem Motto „wir kürzen aber schlauer als andere Städte“ sollte Fragezeichen und Ausrufezeichen zugleich in den Köpfen der Bevölkerung auslösen. Insbesondere der Aufruf von Holger Springorum aus Wuppertal, dass sich das was mit der Theaterlandschaft Wuppertal geschehen ist, sich nicht auch in Hagen wiederholen muss und dass man aus den in Wuppertal gemachten Fehlern bitte in Hagen lernen sollte.

Begleitet wurden der Theater-Marsch und die Kundgebung von Mitgliedern des Philharmonischen Orchesters Hagen, dem Theaterchor Hagen, Sängerinnen und Sängern von teilnehmenden Theatern und vom Bassbariton Rainer Zaun, der mit seiner hervorragenden Art und Stimmgewalt dem Hagener Oberbürgermeister Erik O. Schulz und den über 1.000 anwesenden Gästen die sogenannte Bürgermeister-Arie aus Lortzings „Zar und Zimmermann“ präsentierte… „O, ich bin klug und weise, und mich betrügt man nicht…“.

Ein Grund für den Theater-Marsch war die Übergabe der annähernd 13.000 Unterschriften und Stimmen aus der von Christoph Rösner initiierten Petition gegen die drohenden Kürzungen beim Theater Hagen. In zwei Kartons wurden sie dem OB von einer Seniorin und drei Mädchen gewissermaßen generationsübergreifend übergeben. Kund 1 © Wolfgang VogelTrotzdem Erik O. Schulz seine nicht einfache Aufgabe der Entgegennahme souverän meisterte, schallten ihm Buh-Rufe, Pfiffe und Schimpfwörter entgegen, so als hätte sich die gesamte angestaute Wut von vielen der Anwesenden in kurzer Zeit entladen. Die Wut der Menschen sollte man nicht nur auf die immer wieder zu vernehmende konsequente Haltung von Erik O. Schulz zu den auch aus seiner Sicht richtigen Kürzungsforderungen des Hagener Rates beziehen. Vielleicht konnte man auch interpretieren, dass sich die Haltung der Bürgerinnen und Bürger gegenüber den bereits erwähnten recht unverschämten Postings in den Sozialen Netzwerken entladen hat, die in den vergangenen Wochen von Menschen zu lesen waren und die sich offensichtlich vehement gegen den Fortbestand des Hagener Theaters äußerten. Erik O. Schulz versprach den Anwesenden, dass es mit diesem Rat in Hagen keine Schließung des Theaters gebe. Er bekundete weiter seine persönliche Nähe zum Theater Hagen und kündigte an, auch weiterhin der Theater Hagen zu besuchen. Die Menge schenkte ihm jedoch mit den zuvor beschriebenen Reaktionen wenig Glauben.

Insgesamt war der Theater-Marsch in Hagen nicht nur eine Aktion für das Theater Hagen. Vielmehr, und da waren sich alle Organisatoren einig, war er eine Initiative für die gesamte Kultur in Hagen. Oder ist es am Donnerstag sogar gelungen, eine Initiative für die gesamte Kultur in Deutschland zu starten? Die als Symbol für den Theater-Marsch von „a design collective„, zwei jungen Grafikern in Hagen, gestaltete Drama-Maske hat über die vielen Gäste, die am Theater-Marsch teilgenommen haben, in vielfältiger Form nun ganz Deutschland erreicht. Aufgrund der großen Beteiligung, der erlebten Solidarität und der Begeisterung der Menschen für das Theater Hagen und für die Kultur war die Aktion ein positives Zeichen für Hagen.

Hans Leicher.

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