SPD Hagen: Kein Einknicken vor dem Theatermarsch

Hagen. (HL.) Wie bereits berichtet hat die SPD-Fraktion Hagen an diesem Mittwoch mit ihrem Bekenntnis zu Theater Hagen für eine Überraschung gesorgt.

Die SPD Fraktion stellt für die kommende Ratssitzung am 30. Juni 2016 folgenden Sachantrag zum Tagesordnungspunkt „Wirtschaftsplan 2016/17 der Theater Hagen gGmbH“:

  1. Der Rat der Stadt beschließt den Wirtschaftsplan 2016/17 der Theater gGmbH
  2. Die Theaterleitung legt dem Rat in seiner nächsten regulären Sitzung den Wirtschaftsplan für das Wirtschaftsjahr 2017/18 vor.
  3. Die Finanzplanung für die Wirtschaftspläne ab 2018/19 sieht eine Zuschussreduzierung von höchstens 1,5 Mio.vor, und zwar au der Basis des Abschlusses 2015.
  4. Die Geschäftsführung der Theater gGmbH legt bis spätestens Mitte 2017 unter Einbeziehung der neuen künstlerischen Leitung ein vollständiges und plausibles Konzept vor, in dem ab der Spielzeit 2018/19 die Aufwendung der Ertragslage angepasst sind.
  5. Der Rat bekennt sich zu der im Gesellschaftsvertrag mit der Theater Hagen gGmbH verankerten Präambel.

Wie lautet nun diese Präambel im Gesellschaftsvertrag? Hier der Originalwortlaut:

„Die Stadt Hagen betreibt für Ihre Bürgerinnen und Bürger und die kulturelle Versorgung der Region seit über 100 Jahren ein Mehrspartentheater mit den Sparten Musiktheater einschließlich Konzertwesen, Ballett, Kinder- und Jugendtheater. Neben eigenen Produktionen in den genannten Sparten werden Darbietungen im Bereich Kabarett und Schauspiel angeboten sowie einzelne Projekte mit verschiedenen Kooperationspartnern durchgeführt. Auf diese Weise erfüllt das Theater Hagen kulturelle, bildungspolitische und soziale Zielsetzungen in der Region. Zur Sicherung und Weiterführung dieser Einrichtung wird das Theater als Unternehmen der Stadt Hagen in der Rechtsform einer gemeinnützigen Gesellschaft mit beschränkter Haftung betrieben.“

Mit ihren politischen Paukenschlag ist die Hagener SPD-Fraktion einen Tag vor dem geplanten Theatermarsch und der anschließenden großen Kundgebung auf dem Hagener Friedrich-Ebert-Platz über die Presse in die Öffentlichkeit gegangen. Ein Einknicken vor dem Theatermarsch bzw. vor der Öffentlichkeit weist die Fraktion aber zurück. Vielmehr wolle die Hagener SPD nun klar machen wofür sie stehe, so Claus Rudel (Fraktionsvorsitzender). „Wir liefern keine Begleitmusik für morgen“, betont Sven Söhnchen.

Sven Söhnchen fragt sich, wo bei einigen Ratsmitgliedern und BürgernInnen das Fachwissen herkommt: „Aus welchem Kenntnisstand argumentieren die Leute?…“ Er, der den Prozess der Gesellschaftsgründung miterlebt hat, weiß z.B. zu berichten, dass bei der Gründung drohende betriebsbedingte Kündigungen als Märchen hingestellt wurden. Heute sei diese Formulierung aber ein offenes Wort. „Wir reden über Zahlen aber nicht über Mitarbeiter“, so Söhnchen. Die SPD wisse sehr wohl um das Theater. Sie schaue, wie man die Entwicklung positiv weiter begleiten kann und sie gehe von einem möglichst hohen Einsparziel aus. Dem Theater können man jedenfalls keine Tatenlosigkeit vorwerfen. Außerdem gebe es keine Anweisung des Regierungspräsidenten in Arnsberg, beim Theater Hagen zu kürzen. Es gebe in Hagen keine Theaterkrise, die Stadt habe eben ein Finanzproblem. Söhnchen spricht sich auch persönlich gegen eine Spartenschließung aus. Man müsse sorgfältig prüfen ob man bei allen Einsparungen schon an der Substanz sei. Immerhin gehe es um rund 270 MitarbeiterInnen.

Andreas Reitmajer (Fraktionsgeschäftsführer) unterstreicht, dass das Klima seit dem Dezernatswechsel (zuvor Thomas Huyeng, nun Margarita Kaufmann) sich verbessert habe. Bedauerlich findet Reitmajer aber dass sich z.B. Margarita Kaufmann positiv über die Gesprächsentwicklung mit dem Theater Hagen in einer Sitzung äußere, sie aber sofort von Oberbürgermeister Erik O. Schulz „abgewatscht“ würde.

Ramona Timm-Bergs (1. stellv. Vorsitzende) bemängelt das fehlende Fingerspitzengefühl in der Verwaltungsspitze. Es sei derzeit kein gutes Miteinander. Mit Spannung schaut sie darauf, wie die verschiedenen Aufsichtsratsmitglieder der Theater gGmbH im Rat stimmen werden.

Der richtige Weg seitens der SPD-Fraktion Hagen für das Theater Hagen sieht also u.a. so aus: Das Sparziel um ein Jahr aussetzen, um dann mit den richtigen Leuten neue Pläne zu entwickeln und die Zahlen zu klären.

Angesichts der Tatsache, dass derzeit noch kein/e neue/r Intendant/in für das Theater Hagen überhaupt in Sichtweite ist, scheint der SPD-Vorschlag jedenfalls ein sinnvoller Kompromiss. Welche/r kreative Indentant/in übernimmt schon eine Leitung für ein Theater in dem sie / er von vornherein nur ausführendes Organ ist, die eigenen, vielleicht rettenden Visionen nicht mehr umsetzbar sind und man sich nur als StatistIn sieht. Auch bei der IntendantenInnen-Suche kann der Antrag der Hagener SPD also durchaus hilfreich sein.

Hans Leicher.

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