Patientenforum in der Orthopädische Klinik Volmarstein

Foto Quelle: ESV
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„Protheseninfektionen heilen nicht von alleine“, erklärte Prof. Dr. Carsten Gebert. „Je größer der Weichteilschaden bereits vor einem notwendigen Wechsel der Prothese, desto schlechter wird die Funktion.“ Mit so klaren Worten – aber auch Hoffnung machend – erläuterte Chefarzt Prof. Dr. Carsten Gebert und sein Team der Tumor- und Revisionschirurgie die Diagnostik und Therapiemöglichkeiten bei infizierten Prothesen.

Oberarzt Dr. Martin Weßling erklärte in einem ersten Vortrag, welche Untersuchungen notwendig sein können, wenn der Verdacht auf eine infizierte Prothese besteht. „Die Diagnostik ist oft nur durch das mosaikartige Prüfen vieler verschiedener Befunde möglich“, so der Orthopäde. Eine ausführliche Befragung der Patienten steht an erster Stelle, weit vor bildgebenden Methoden wie CT, MRT, Röntgen und Szintigraphie. „Jeder Patient, der mit dem Verdacht auf einen Protheseninfekt zu uns kommt benötigt aber auch eine Probengewinnung“, so Dr. Wessling. Pathologen und Mikrobiologen untersuchen unabhängig voneinander das Material.
In Deutschland werden jedes Jahr über 180.000 künstliche Gelenke implantiert. Komplikationen wie Entzündungen sind selten. Allerdings ist der Leidensdruck bei Patienten mit infizierten Prothesen immens. „Wenn die Prothese akut starke Probleme macht, kann das unter Umständen an einer bakteriellen Besiedlung der Prothesenoberfläche liegen“, erklärt Prof. Dr. Gebert in seinem Vortrag. „Aber auch nach vielen Jahren kann es zu Infektionen kommen, die zum Beispiel bei entzündlichen Zahnerkrankungen über das Blut zu Prothese gelangen und dann wie eine Art Schwelbrand nicht mehr zur Ruhe kommen“, so der Chefarzt der Revisionschirurgie.
Welche Behandlungsmöglichkeiten bestehen erklärt Prof. Dr. Gebert in dem zweiten Vortrag. „Das therapeutische Vorgehen bei einer Protheseninfektion ist abhängig vom Alter des Implantates und dem Allgemeinzustand des Patienten, sowie des Keimes, der die Entzündung unterhält“ betont der Professor. Bei Protheseninfektionen in den ersten Wochen nach ersten Symptomen sei oft ein prothesenerhaltendes Vorgehen möglich. „Bei Infektionen, die bereits einen längeren Zeitraum andauern, muss hingegen das Implantat in der Regel komplett ausgewechselt werden damit der Infekt beherrschbar wird. Oft sind dazu zwei Operationen notwendig.“
Anhand von konkreten Fallbeispielen erläuterte Oberarzt Hendrik Bulok den Ablauf der Behandlung. „Ist die Diagnose gestellt, so wird in einer ersten Operation die infizierte Prothese entfernt, das Umgebende Gewebe intensiv gereinigt und ein Platzhalter eingesetzt“, so Hr. Bulok. „Der Platzhalter wird – nach Rücksprache mit einem Mikrobiologen – mit einem auf den Keim abgestimmten Antibiotikum eingesetzt. Nach Abheilen der Entzündung kann nach etwa sechs Wochen die neue Prothese eingesetzt werden. Infektionen von Kunstgelenken stellen damit ein ernstes aber meist beherrschbares Problem dar.“

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