Intensive Diskussionen zur Entwicklung in Griechenland

Hagen. (Anne Sandner) Gefüllte Reihen im Kino Babylon der Pelmke gab es bei der Veranstaltung zu Griechenland am vergangenen Donnerstag. Bereits bei der Einführung durch Jochen Marquardt vom DGB, der das Verhandlungsergebnis aus Brüssel als gelungene Erpressung bezeichnete, gab es kritische Nachfragen aus dem Publikum. Der Referent des Abends Dimos Rakanidis knüpfte an und unterstrich den Vorwurf der Erpressung gegen Griechenland durch die EU und allen voran durch den deutschen Finanzminister Wolfgang Schäuble. In seinem Vortrag verwies er in Schlaglichtern auf die Entwicklung der vergangenen Jahre. Nicht erst seit den Rettungspaketen würden in Griechenland Klientelpolitik und Vetternwirtschaft herrschen. Bereits vorher und auch in den Jahren seit 2011 sind Korruption auf der Tagesordnung und die Verelendung vieler Menschen sowie der Zusammenbruch der Wirtschaft an klaren Fakten erkennbar. Das Wirtschaftsprodukt ist um rund 25% eingebrochen, die Arbeitslosigkeit auf 27% gestiegen, die Renten für die Ärmsten gekürzt und die Jugendarbeitslosigkeit träfe mehr als die Hälfte der jungen Menschen. Damit hätte sich die Situation mit den Hilfspaketen weiter verschlechtert. Die Troika hat für den Referenten eine unrühmliche Rolle eingenommen und die Menschen in Griechenland hätten vor allem aus diesen Gründen im Januar des Jahres mit Syriza eine andere Politik gewählt. Syriza stand für deutliche Alternative. Zum einen um endlich Schluss zu machen mit der Politik der Vorgängerregierungen und zum anderen um einen alternativen Weg zur Rettung Griechenlands zu finden. Einen Weg, der aus den Problemen herausführt und sie nicht weiter verschärfen sollte, führte er aus. „Dabei sind auch Fehler der amtierenden Regierung gemacht worden. Leider sind sie mit keinem Plan B in die Verhandlung gegangen und leider scheint es einen solchen Plan auch jetzt noch nicht zu geben.“ Sein Fazit zum aktuellen Stand war nicht optimistisch. So stellt er die Chance auf eine Perspektive der jungen linken Regierung in Griechenland infrage und formuliert große Sorgen vor dem Machteinfluss der faschistischen Partei „die Morgenröte“. Fragen aus dem Publikum beantwortete der junge Student souverän und parteiisch aus linker Sicht. So verwies er darauf, dass die zur Verfügung gestellten Gelder nicht den Griechen, sondern vor allem der Rettung deutscher und französischer Banken gedient hat und einen erheblichen Anteil am Aufbau der Staatsschulden eingenommen haben. Für Rakanidis werden die kommenden Wochen und Monate in Griechenland ein weiteres Mal unverantwortliche Kürzungen bedeuten und weitere tiefe Einschnitte für die Beschäftigten und Rentner bringen. Der neuerlich vereinbarte Einfluss der Troika/Institutionen ist für ihn ein Ausdruck für den Verlust der Souveränität des Staates und ein vorgeschobener ökonomischer Grund, der in Wirklichkeit ein politischer Kampf gegen die Syriza wäre. „Syriza“, so der Referent., „darf nicht erfolgreich werden. Die bestimmenden Ideologen in der EU befürchten, dass sich daraus ein positives Beispiel für andere, vor allem südeuropöische Länder ableiten würde – und das darf unter den neoliberalen Ausprägungen einer fehlorientierten Europapolitik auf keinen Fall passieren.“ Nicht alle Anwesenden wollten den Argumenten von Rakanidis folgen. Mehrheitlich allerdings schlossen sich die Besucher der Veranstaltung den Überlegungen an und dokumentierten dies auch in einer aktiven Unterstützung bei eine Sammlung für konkrete Solidarität für eine eine Artzpraxis in Griechenland. Dort helfen Ärzte ohne Entgelt betroffenen Menschen bei gesundheitlichen Problemen. In Griechenland sind mittlerweile rund 3 Millionen von der Gesundheitsversorgung ausgeschlossen.

Zum Abschluss verwies Jochen Marquardt für den DGB darauf, dass es nun vor allem darauf ankommen müsse in der Solidarität mit Griechenland nicht nachzulassen. Und das bedeute vor allem im eigenen Land für eine verantwortungsbewusste Politik hin zu einem sozialen und demokratischen Europa aktiv zu sein. „Wir brauchen noch viel mehr Veranstaltungen, die über die Entwicklungen in Griechenland und Europa informieren und wir brauchen noch viel mehr Engagement für einen Politikwechsel. Wir müssen uns von der Austeritätspolitik verabschieden und dafür eine kluge Investitionspolitik für gute Arbeit und eine gute Zukunft durchsetzen.“

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s