Leserbrief: „Volksentscheid in Griechenland“

„Das griechische Volk hat gegen das Spardiktat der EU gestimmt. Es war kein Bekenntnis gegen die EU, sondern für eine andere Politik in der EU. Diese Politik hat in den letzten Jahren Griechenland in eine humanitäre Katastrophe gestürzt. Wegen der Auswirkungen dieser Politik hat das griechische Volk Tsipras gewählt und ihm jetzt den Rücken gestärkt. Was Griechenland braucht, ist nicht weiterer Sozialabbau, sondern Zeit, um wirkliche Reformen umzusetzen, die die Vorgängerregierungen in fünf Jahren nicht auf den Weg gebracht haben. Dazu gehören der Aufbau einer effizienten Finanzverwaltung, eine Besteuerung der vermögenden Griechen und ausreichend Finanzbeamte, die das umsetzen können (im ganzen Land gibt es nur noch etwa 100 Steuerprüfer nach den Entlassungswellen der letzten Jahre). Zur Unterstützung könnten die internationalen Finanzmärkte Bankkonten offen legen, auf die Geld außer Landes gebracht wurde. Wichtig wäre ein Schuldenschnitt, den auch der IWF inzwischen fordert. Um der Wirtschaft wieder auf die Beine zu helfen, nützen weitere Lohn- und Rentensenkungen nichts. Gezielte Investitionen der EU, die später zurückgezahlt werden können, wären sinnvoller. Ein Umsteuern der EU-Politik wäre auch für die Menschen in Spanien und Portugal, ja, für uns alle, von Vorteil. Denn auch hierzulande geht die Schere zwischen Arm und Reich stetig auseinander, können wichtige soziale Leistungen nicht mehr aufrecht erhalten werden, sind Kommunen unterfinanziert. Das Votum in Griechenland könnte eine Chance zum Umdenken sein.“

Ruth Sauerwein, Hagen

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