Hagener Tierschützer kritisieren Haltung von SPD und Grünen im NRW-Landtag

Hagen / Düsseldorf / Duisburg (WDSF) „Verbot der Haltung von Delphinen“ – Das ist der Tagespunkt einer öffentlichen Sitzung des NRW-Umweltausschusses am morgigen Mittwoch, dem 29. Oktober 2014, im Landtag aufgrund eines Antrags der Piraten.

SPD und Bündnis90/Die Grünen von der Landesregierung wollen gegen den Antrag der Piraten stimmen – ebenso vermutlich auch die beiden anderen Landtagsparteien CDU und FDP.

Nachdem sich gerade die Grünen mehrfach im Bund und im Land NRW gegen die Delfinhaltung ausgesprochen haben, sei die Grünen-Begründung nach Ansicht des Hagener Wal- und Delfinschutz-Forum (WDSF) ein Armutszeugnis und deutet auf einen Fraktionszwang mit der SPD hin. Martin-Sebastian Abel, tierschutzpolitischer Sprecher der NRW-Grünen: „Die Mindestanforderungen regelt der Bund. Wir haben als Land keine rechtliche Möglichkeit die Haltung einer Tierart in einem Zoo zu untersagen.“

Das sieht das WDSF anders. § 68 NRW-Landschaftsgesetz besagt, dass „die Tiere so gehalten werden, dass den biologischen und den Erhaltungsbedürfnissen der jeweiligen Art Rechnung getragen wird, insbesondere (!) die jeweiligen Gehege nach Lage, Größe, Gestaltung und inneren Einrichtungen verhaltensgerecht ausgestaltet sind…“. Weiter gibt es eine gesetzliche Anordnungsmöglichkeit (§ 68 (3)): „Wenn sich entsprechend dem Stand der Wissenschaft die Anforderungen an die Haltung von Tieren in Zoos nachträglich ändern, kann die untere Landschaftsbehörde die erforderlichen Anordnungen treffen.“ Nach Ansicht des WDSF hätte das von den Grünen geführte NRW-Umweltministerium mit Minister Johannes Remmel demnach eine Möglichkeit der Anweisung an das Umweltamt der Stadt Duisburg, die Delfinhaltung ggf. übergangsweise zu untersagen.

Das WDSF weist darauf hin, dass der „Stand der Wissenschaft“ sich durch eine von der Delfinschutzorganisation initiierte unabhängige wissenschaftliche Stellungnahme von PD Dr. Christian Schulze von der Ruhr-Universität Bochum und durch US-Studien bezüglich der Delfinhaltung geändert habe. Diese wissenschaftlichen Erkenntnisse würden jedoch von den Zoos und der Politik strikt ignoriert. Die Zoos versuchten mit eigenen Stellungnahmen von mehr oder weniger wissenschaftlichen Delfinarienbefürwortern, die teilweise mit den Zoos kooperieren würden, dagegen zu halten, heißt es vom WDSF.

WDSF-Geschäftsführer Jürgen Ortmüller: „Die Politik wird vermutlich niemals einen Stopp der Gefangenhaltung von Delfinen herbeiführen, selbst wenn ein Großteil der Tierfreunde in der Bevölkerung dies wünscht und entsprechende neue wissenschaftliche Erkenntnisse vorliegen. Keine einzige der vormals 12 Delfinhaltungen in Deutschland wurde durch die Politik beendet. Einzig und allein der Protest und die Aufklärungsarbeit von Tierschützern und Organisationen mit Aufdeckung von gravierenden Mängeln bei der Delfinhaltung haben zu einer erheblichen Reduzierung der Delfinhaltungen geführt. Diesen Weg werden wir intensiviert fortführen, um auch die beiden letzten katastrophalen Delfinhaltungen in Nürnberg und Duisburg zu beenden.“

Selbst die im Tierschutzgesetz schon lange verankerte Bundesratsinitiative eines Importverbots von Delfinen würde nicht als gesetzliche Grundlage von den Parteien im Bund genutzt, meint das WDSF. Stereotyp würde stattdessen der japanische Delfin- und Walfang durch die Bundesregierung und von vielen Politikern verschiedener Parteien verurteilt. Reden und Handeln im eigenen Haus sei offenbar ein großer Unterschied, meint Ortmüller.

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