Lukas Müller von den Zee Aylienz auf den vorderen Rängen im internationalem Profi-Feld

Tagebuch einer unglaublichen Leistung – 7 Tage Trans Alp

Eine „Radtour“ von Oberammergau nach Riva del Garda… was sich nach gemütlicher Urlaubsfahrt anhört wurde Ende Juli diesen Jahres für rund 1200 Extrem-Radsportler eine Herausforderung der Extraklasse. Am 20.07.2014 starteten in Oberammergau rund 600 Zweierteams routinierter Mountainbike-Fahrer auf die Craft BIKE Transalp – das wohl härteste Mountainbike-Etappen-Rennen. Für die kommenden 7 Tage, bis zur ersehnten Ankunft in …  

… Riva del Garde am 26.07.2014, standen täglich mehr Kilometer auf dem Programm, als manch‘ Hobbyradfahrer in einem ganzen Monat fährt. Mörderische 20.000 Höhenmeter galt es allein durch Muskelkraft zu überwinden. Das internationale Fahrerfeld, aus 38 Nationen extra zu diesem Mega-Spektakel angereist, bestand nicht nur aus Jedermann-Teams, sondern auch zahlreiche Profi-Teams waren gemeldet. Mit am Start standen Vizeweltmeister, Deutsche Meister, Schweizer Meister und sogar ehemalige MTB-Marathon-Weltmeister. Unter Ihnen ein Aylien des Hagener Mountainbike Vereins Zee Aylienz e. V. – MTB Hagen. Marathon-Spezialist Lukas Müller, bekannt durch seine hervorragenden Leistungen bei zahlreichen heimischen MTB-Veranstaltungen, startete mit seinem Teamkollegen Moritz Pembauer aus Remscheid unter dem Namen Scott Campana & Rockers Racing. Müller und Pembauer, die sich von unzähligen gemeinsamen Rennen im Sauerland gut kennen, fassten im Oktober letzten Jahres den Entschluss, sich dieser respekteinflößenden Herausforderung zu stellen. Nach Monaten der konsequenten Rennvorbereitung starteten sie nun in der Klassenwertung der Men Elite Teams. Mit dem Ergebnis dieses kräftezehrendsten aller Marathons konnten sie deutlich überzeugen. In der Overall-Wertung aller Teams konnten sie am Ende den 43. Rang erreichen und in der Wertung der Herrenteams einen unglaublichen 31. Rang. Die Vereinskollegen des Zee Aylienz e. V. – MTB Hagen gratulieren ihrem international auf Profi-Niveau fahrenden Kollegen, sowie dessen Teammitglied zu dieser außergewöhnlichen Höchstleistung.

Etappe 1 – Oberammergau-Imst – 97,80 km, 2215 hm
Pünktlich um 10:00 Uhr fiel der Startschuss zu dem radfahrerischen Härtetest am 20.07.2014 in Oberammergau und entließ die 1200 rennhungrigen Fahrer auf die herausforderndste Strecke der Mountainbike-Landschaft. Gefahren wurde in Zweier-Teams, die auch zwingend dieses Rennen gemeinsam würden beenden müssen, um in die Wertung zu kommen. Bereits zum Start waren an diesem herrlichen Morgen 27° zu messen und die Sonne schien. Diese vergleichsweise als einfach zu bezeichnende erste Etappe führte die aufgeregten Fahrer zunächst über breite Hauptstraßen aus Oberammergau hinaus direkt nach Österreich. Diese ersten 30 km waren komplett neutralisiert. Im Feld ging es sehr hektisch zu man musste ständig aufpassen das man seinen Teampartner nicht verliert oder von einem anderen Fahrer umgefahren wurde. Jeder Rennteilnehmer wollte möglichst nach vorne kommen. Nach ca. 20 km gab es dann auch den ersten Sturz, der zum Glück folgenlos bleib. Die Rennstrecke führte weiter zu ersten kurzen Anstieg im Wald und anschließend auf den Plansee Trail, einen kleineen schmaleen Pfad direkt über dem Plansee. Lukas Müller und Moritz Pembauer hatten die Einführungsphase sturzfrei überstanden und sich gut nach vorne gearbeitet. Als die ersten 300 Höhenmeter zu erklimmen waren, machten sich jedoch Schwierigkeiten im Team bemerkbar. Die hohen Temperaturen von fast 33 ° forderten die Fahrer enorm Dennoch kämpfte sich das Hagener Team stetig weiter den Berg hinauf. Nach einer kurzen Abfahrt ging es über Wald- und Radwege nach Lermoos und weiter nach Biberwier. Hier begann bei Kilometer 68 ein langer Anstieg von insgesamt 1000 Höhenmetern, hoch zum auf 1800 Metern gelegenen Marienbergjoch. Gegen Ende wurde der Anstieg so steil, dass an fahren nicht mehr zu denken war und Teilnehmer schieben musste. Pembauer hatte auf dieser ersten Etappe mit Magenproblemen zu kämpfen, wurde jedoch bestmöglichst von seinem Teamkollegen Müller unterstützt, so dass die beiden nach einer letzen langen Abfahrt runter bis Imst nach 4:40 h Fahrtzeit den 17. Rang in ihrer Altersklasse belegen konnten.

Etappe 2 – Imst-Nauders – 87,42 km, 2917 hm
Der zweite Tag der siebentägigen Anstrengung wartete mit schlechtem Wetter auf. Pünktlich zum Start um 9:00 Uhr setzte Regen ein und begleitete das kämpfende Fahrerfeld den ganzen Tag auf ihrer Fahrt nach Nauders. Diese zweite Strecke war die „erste richtige“ Trans-Alp-Etappe. Es standen insgesamt drei Anstiege auf dem Programm. Der erste begann direkt nach der Ausfahrt aus Imst. 25 km ging es auf kleinen Straßen und Waldwegen mit angenehmen Steigungsprozenten hinauf zur Pillershöhe. Im Team Scott Campana & Rockers Racing lief das Rennen sehr gut, die beiden Freunde konnten immer mehr Plätze aufholen. Auf der rasanten Abfahrt runter ins Inntal stürzte Pembauer in einer engen Linkskurve und musste von da an die Etappe mit einem arg verbogenen Sattel fortsetzten. Nach der Durchquerung des Inntals auf schmalen und verwinkelten Trails folgte bei Kilometer 45 der zweite lange Anstieg des Tages über knapp 800 hm hinauf zum Pfunder Tschey auf 1700 Metern, sowie die schnelle Abfahrt danach. Weiter ging es auf der Strecke von Pfunds in stetigem Auf und Ab auf der Straße bis in die Schweiz. Letztlich der finale Anstieg über 500 hm nach Nauders. Direkt zu Beginn dieser letzten Qual des Tages konnten sich das Hagener Team aus seiner Gruppe absetzten und bis zum Ende des heftigen Anstieges in einer enormen Anstrengung noch einige Teams einholen. Am Ende finishten nach 4:40 h die aufgrund des Dauerregens völlig durchnässten und halb erfrorenen Kämpfer als 30. der Tageswertung. Feierabend war für die engagierten Sportler jedoch erst, nachdem die Räder gereinigt und gewartet und auch ein neuer Sattel montiert war.

Etappe 3 – Nauders-Naturns – 100,22 km, 3365 km
Die Königsetappe! Der längste und zumindest auf dem Papier der härteste Abschnitt der Trans Alp. Wie auch schon am Vortag präsentierte sich das Wetter am Start von seiner schlechtesten Seite. 10° und Regen. Der Startschuss wurde bereits auf 8.00 Uhr vorverlegt, dementsprechend demotiviert standen die Radsportler an der Startlinie. Auf den ersten 30 km galt es drei „kleinere“ Anstiege zwischen 200 und 500 hm zu überfahren. Es ging vorbei am Reschenksee und hoch zur Bruggeralm, mittlerweile in Italien angekommen. Nach der Bruggeralm folgte eine lange technische Abfahrt nach Glurns ins Vinschgau. Unten im Tal herrschten schlagartig wieder angenehmere Temperaturen von ca. 20 ° und auch Sonne war wieder zu sehen, so dass zunächst einmal die Regenbeleidung abgelegt werden konnte. Der nun folgende Abschnitt von Glurs nach Obermontani gilt als einer der schönsten Streckenteile der ganzen Trans Alp. Auf 35 km ging es stetig hoch und runter über schönsten Single Trails, die den ambitionierten Mountainbikern viel Fahrfreude brachten, so dass sie die dabei zu erfahrenden 1500 Höhenmeter kaum merkten und wie nebenbei einsammelten. Ein harter Anstieg war jedoch noch ab Obermontani bei Kilometer 80 zu meistern. Auf knapp 10 km hoch zur Marzonalm mussten fast 1000 hm erklommen werden. Lukas Müller von den Zee Aylienz e. V. – MTB Hagen hielt mit seinem Teamkollegen Moritz Pembauer ein konstantes Tempo und dank ihrer überlegenen Stärke am Berg konnten sie auf diesem letzten Anstieg nochmals ein paar Teams überholen. Das Ende der Tagesanstrengung wurde belohnt durch eine rasanten Trail-Abfahrt und dem 37. Platz der Tageswertung. Die beiden jungen Hagener waren an diesem Tag beachtliche 5:40 h auf dem Rad.

Etappe 4 – Naturns-Sarntal – 73,20 km, 2646 hm
Auf der Etappe von Naturns nach Sarntal wurden zum ersten Mal nicht alle Fahrer auf einmal auf die Strecke geschickt, sondern in einzelnen Startblöcke hintereinander mit einigen Minuten Abstand. Eine notwendige Reglementierung des Veranstalters, um das Feld zur Stauvermeidung etwas zu entzerren, da schon nach 7 km der erste anspruchsvolle Single Trail begann. Der Aylien Müller und Teamkollege Pembauer standen auf Grund ihrer hervorragenden Berg-Leistung vom Vortag im zweiten Startblock und wurden 7 Min. nach den Top-Teams auf die Strecke entlassen. Schnell konnten sie sich mit einigen Fahrern aus ihrem Block absetzten und auf die zuvor gestarteten Teams auffahren. Bei perfektem Radfahr-Wetter von 27° und Sonnenschein passierten die Sportler auf den ersten 17 km drei kleinere Anstiege von je 200 hm. Das folgende Flachstück nach Oberadstatt konnten Müller und Pembauer mit zehn weiteren Teams sehr zügig durchfahren und erreichten nach 30 km und etwa 1,5 Stunden den Einstieg zum längsten Anstieges der Trans Alp. Der Weg führte hoch zur Vöraner Alm auf fast 2100 Meter. Die zu bezwingenden 1900 hm und fast 25 km waren meistens sehr gut auf breiten Forst- oder Asphaltstraßen befahrbar. Nach ca. der Hälfte des Anstieges kam allerdings ein unbezwingbar steiles Stück mit 33% Steigung, so dass die Fahrer die kommenden 150 hm über den Karrenweg schieben mussten. Nach fast zweistündigem Bergauffahren erreichte das abgekämpfte Feld den höchsten Punkt des Anstieges und wurde umgehend für die Strapazen dieser Teilstrecke belohnt durch das sich bietende, unglaublich schöne Panorama. Mehr Belohnung erfuhren die hart arbeitenden Leistungssportler auf der folgenden Abfahrt nach Sarntal. 1100 hm zunächst breite Schotterwege, dann schale, technische Single-Trails, lassen den Hagener Aylien Lukas Müller von der schönsten Abfahr der ganzen Tans Alp sprechen. Die Leistung der letzten 4:19 h bescherte dem jungen Team an diesem Tag die Verbesserung auf den 34. Gesamtrang der Elitefahrer.

Etappe 5 – Sarntal-Kaltern – 67,42 km, 2785hm
Der unweigerlich bei solch einer Dauerbelastung eintretende Tiefpunkt ereilte das Team Scott Campana & Rockers Racing bei dieser Etappe am 5. Tag des anspruchsvollen Marathons. Schon die Startaufstellung verlief nicht ganz so perfekt wie die Tage zuvor und der Aylien Müller und sein Teamkollege verloren in der ersten Phase dieser Etappe einige Plätze. Diese galt es am ersten Anstieg direkt nach dem Start wieder gut zu machen, was den beiden jungen Fahrern bestens gelang, obwohl sie sich nicht wirklich gut in Form fühlten. Die 1000 hm wurden dennoch bezwungen hoch auf 2000 Meter nach Stoanane Mandeln, einem – laut Veranstalter – alten, mystischen Hexenplatz. Es folgte die längste Abfahrt der Trans Alp. Von 2000 Metern Höhe ging es hinunter auf knapp 200 Meter über teilweise verblockte und sehr rutschige Trails, sowie Asphaltstraßen bis nach Nals. Der zweite Anstieg des Tages setzte sofort hier an und führte wieder hinauf auf die Eppaner Höhen. Lukas Müller bezeichnete diese Etappe als seinen persönlichen Tiefpunkt der Transalp. Es „wollte an diesem Tag bei mir nicht so richtig rund laufen und ich musste mich deutlich mehr quälen als die Tage zuvor“ berichtet er später. Einige Trails weiter und nach dem Höhenweg nach Kaltern fuhren Pembauer und der Aylien Müller nach 4:17 h Gesamtfahrtzeit durchs Ziel und konnten trotz ihrer gefühlt schlechten Tagesfom ihren 34. Platz der Gesamtwertung verteidigen.

Etappe 6 -Kaltern-Trento – 98,25 km, 2894 km
Nach einer langen Nacht zur Regeneration starteten der erholte Müller und sein Teamfahrer Pembauer bei strahlendem Sonnenschein und 25° am folgenden Morgen frisch ins Rennen. Von Kaltern ging es zunächst 15 km im neutralisierten Start über eine breite Hauptstraße vorbei am Kalterer See nach Neumarkt. In dem dichten Gedränge verloren sich Müller und Pembauer kurzzeitig aus den Augen, konnten sich am ersten Anstieg von 900 hm hoch nach Truden jedoch schnell wiederfinden. Zusammen drückten sie an dem seichten Anstieg in einer großen Gruppe das Tempo hoch. Nach nur 45 km war der höchsten Punkt des Tages erreicht. Ab hier ging es fast 35 km am Stück bergab nach Lavis. Die Abfahrt war nicht sonderlich steil und gespickt von kurzen, knackigen Gegenanstiegen, die enorm an der Kraft der Teilnehmer zehrten. Dieses Teilstück bot keine richtige Erholung, da die Fahrer ständig treten mussten. Lukas Müller und Moritz Pembauer übersahen auf dieser Abfahrt einen Richtungspfeil und drehten eine kleine ca. 5min lange Extraschleife durch den Wald. Bei Kilometer 82 begann dann der letzte 600 hm lange Anstieg hoch zum Monte Calisio über Trento, auf dem Müller von eine technischen Defekt ereilt wurde. Nach einem lauten Knack löste sich sein rechtes Pedal von der Achse und er musste die letzten 300 hm mit einem halb festen Pedal hochdrücken. Auch machte sich die Angst vor der folgenden, technischen Schlussabfahrt runter nach Trento breit, die mit dem defekten Pedal enorme Risiken in sich barg. Der Aylien Müller fuhr dieses Teilstück entsprechend verhalten. Sein Pedal hielt und rutschte erst im Ziel in Trento von der Achse, nachdem er ausgeklickt hatte. Trotz der Widrigkeiten gelang es den Hagenern, ihre Führung auf den 33. Gesamtrang auszubauen.

Etappe 7 – Trento – Riva del Garda – 62,73 km, 2325 hm
Die letzte Etappe nach Riva del Garda stand an. Mit Regen bei knapp 8° verlief die Rennstrecke vom Start weg direkt auf den 155 m hohen Hausberg von Trento, den Monte Bondone. Der Fahrer des Zee Aylien e. V. – MTB Hagen und sein Teamkollege generierten noch einmal alle verfügbare Kraft aus ihren müden Beinen und erreichten nach knapp 1,5 h radklettern bei sinnflutartigem Regen den Gipfel. Die folgende Abfahrt gestaltete sich sehr gefährlich aufgrund des Dauerregens. Das Wasser stand auf den Straßen teilweise zentimeterhoch. Die Waldwege hatten sich in Bäche verwandelt und die Pfützen waren teilweise so tief, dass halbe Fahrräder drin verschwanden. Dennoch kamen die beiden Hagener schnell und zügig voran. Etwa 35 km vor dem ersehnten Ziel türmte sich dann der letzte 700 hm-Anstieg der Craft BIKE Transalp 2014 vor dem Gardasee auf. Pembauer fiel etwas zurück und Müller überquerte alleine den Gipfel. Bei den nassen Abfahrten kam Pembauer dann deutlich besser zurecht und konnte in der Abfahrt wieder zur Müller aufschließen. Dieser hatte mittlerweile mit restlos verschlissen Bremsen zu kämpfen. Ab Arco führte die Strecke glücklicherweise die letzten Kilometer flach bis zum Gardasee. Mit Vollgas und letzter Energie gelang es dem ambitionierten Hagener Team auf diesem Stück noch ein paar Teams einzuholen und sie finishten am Ende diese letzte Etappe der Trans Alp mit ihrem besten Tagesresultat als 25. Tagessieger. Den obligatorischen, erlösenden Sprung in den Gardasee nutzen die aufstrebenden Rennfahrer sowohl als kühlendes Bad, als auch zur ersten groben Wäsche für die geschundenen Bikes und Biker.

Der Hagener Lukas Müller von den Zee Aylienz Hagen e. V. – MTB Hagen und sein Teamkollege Moritz Pembauer finishten nach 7 Tagen, 600 Kilometern und unglaublichen 20.000 Höhenmetern die Craft BIKE Transalp 2014 unter all den Profifahrern mit einem hervorragenden 31. Gesamtsieg. Kenner des Mountainbike-Sports zollen dem jungen Team alle Achtung für dieser herausragende Leistung, ihren Durchhaltewillen und das fahrerische Können.

(Weitere Informationen zum Verein Zee Aylienz e. V. – MTB Hagen finden sich auf der homepage unter: http://www.mtb-hagen.de)

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