Wenn Pillen süchtig machen

 

Dr HolzbachHagen – Einen Vortrag zum Thema Medikamentenmissbrauch hielt der durch zahlreiche Veröffentlichungen zu diesem Thema bekannt gewordene Chefarzt der Abteilung Suchtmedizin der LWL Kliniken Warstein und Lippstadt, Dr. Rüdiger Holzbach, im Rahmen einer Sitzung der Arbeitsgemeinschaft Sucht in Hagen. Unter dem Titel „Schlaf- und Beruhigungsmittel – reden sie nicht über Sucht und Abhängigkeit“ schilderte er sehr eindrucksvoll das Ausmaß der Verordnungen von Medikamenten mit einem erheblichen Suchtpotenzial, wie beispielsweise Benzodiazepine. Die Gesamtmenge der verbrauchten Benzodiazepine hat sich in den letzten Jahren nicht wesentlich geändert. Viele Patienten erhalten Privatrezepte und …

… bezahlen die Medikamente selbst. Nach aktuellen Untersuchungen sind ca. 1,9 Millionen Menschen von Medikamentenmissbrauch betroffen. Hiervon werden nur 10.000 Menschen im Rahmen einer Entzugsbehandlung entgiftet. Lediglich 500 Menschen machen eine Entwöhnungsbehandlung wegen einer reinen Medikamentenabhängigkeit in einer medizinischen Rehabilitationseinrichtung. Die meisten Menschen nehmen Benzodiazepine bei Schlafstörungen, Angst, Unruhe oder Erschöpfungszuständen ein. Es kommt trotz geringer Tagesdosis zu einer raschen Gewöhnung und Potenzierung der Wirkstoffmenge. Dabei wäre gerade eine klare Indikationsstellung für die Einnahme dieser Medikamente und eine möglichst geringe Dosis und vor allen Dingen eine kurze Anwendungsdauer angezeigt. Nach einer relativ kurzen Einnahmedauer versuchen viele Patienten die Medikamente abzusetzen, häufig auch auf Empfehlung der behandelnden Ärzte. Dies führt dann wiederum zu den gleichen Symptomen die die Patienten zu Beginn ihrer Behandlung als Grund für die Einnahme angegeben hatten, nämlich die bereits beschriebenen Schlafstörungen, Ängste etc. Diese Mittel eignen sich nicht zum Langzeitkonsum. Besonders betroffen von einer erhöhten Einnahme von Beruhigungsmittel sind Frauen sowie Menschen in höherem Lebensalter. Trotz des hohen Suchtpotenzials erleben sich Patienten, die eine hohe Tagesdosis derartiger Medikamente einnehmen, nicht als abhängig und suchen nur sehr selten Hilfe bei einer Beratungsstelle. Dr. Holzbach empfahl, mit betroffenen Patienten nicht über eine mögliche Abhängigkeit zu reden, sondern ein Gespräch über die Nebenwirkungen einer Langzeiteinnahme zu führen. Betroffene seien dann auch bereit, die Dosis langsam zu reduzieren. Dr. Holzbach berichtete, dass es sehr gute Möglichkeiten gibt, sich mit seinem erhöhten Medikamentenkonsum auseinander zu setzen und Patienten entsprechend zu sensibilisieren. Hier ist beispielsweise der sogenannte „Lippstädter Benzo-Check“ zu nennen, der im Internet auf der Seite der Klinik heruntergeladen werden kann (www.lwl-kurzlink.de/benzo-check). Auch ein Gespräch mit dem behandelnden Arzt über die Nebenwirkungen kann zu einer Klärung führen.

Hilfsangebote sind durchaus vorhanden, müssen von den Betroffenen jedoch auch in Anspruch genommen werden. Die vielfach verbreitete Angst vor den Entzugserscheinungen ist unbegründet, es gibt mittlerweile eine sehr qualifizierte stationäre Entzugsbehandlung, in der Patienten mit einer derartigen Problematik gezielt betreut werden können. Die Behandlung erstreckt sich jedoch nicht nur auf den reinen körperlichen Entzug, sondern unterstützt auch in Form von therapeutischen Gruppensitzungen und Informationsveranstaltungen.

Dr. Holzbach stellte auch die recht hohe Erfolgsquote einer derartigen Behandlung vor. Das Wohlbefinden der Patienten verbessere sich auch längere Zeit nach der abgeschlossenen Entzugsbehandlung nachhaltig. Interessierte Patienten oder Angehörige können direkt Informationen über die Klinik Lippstadt (www.lwl-klinik-lippstadt.de) herunterladen, sich telefonisch unter Telefon 02902/825202 an Dr. Holzbach wenden oder Kontakt mit einer Suchtberatungsstelle in Hagen aufnehmen. Für Auskünfte steht auch das Gesundheitsamt der Stadt Hagen unter Telefon 02331/207-3554 zur Verfügung.

 

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