Wohnumgebung beeinflusst eigene Vorurteile

HagenWissenschaftler der FernUniversität und der Universität Oxford untersuchten Veränderungen durch Kontakte mit Minderheiten

Ethnische Vorurteile von Personen, die einer Majorität angehören, werden deutlich reduziert, wenn sie in Nachbarschaften leben, in der es viele positive Kontakte mit verschiedenen Minderheiten gibt. Dieser Effekt ist auch dann zu beobachten, wenn sie selbst keinen eigenen direkten Kontakt mit Angehörigen von Minderheiten haben. Um Vorurteile abzubauen helfen also schon gute Kontakte anderer Mitglieder der Majorität zu Minoritäten. Ethnische Vorurteile sind also deutlich von der eigenen Wohnumgebung beeinflusst.

Das ist das Ergebnis einer neuen Untersuchung einer internationalen Forschergruppe. Die Leitung des Forschungsprojekts lag bei Privatdozent Dr. Oliver Christ, Lehrgebiet Psychologische Methodenlehre, Diagnostik und Evaluation, FernUniversität, und Prof. Dr. Miles Hewstone von der Universität in Oxford, Großbritannien. Gefördert wurde es durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), den Leverhulme Trust und die Max-Planck-Gesellschaft.

Basierend auf Umfragedaten aus sieben Studien, die zwischen 2002 und 2011 in Deutschland, England, Europa, den USA und Südafrika durchgeführt wurden, untersuchte das Forscherteam die Einstellung von Personen gegenüber unterschiedlichen ethnischen Gruppen. Die Ergebnisse werden in der 10. Kalenderwoche in der FachzeitschriftProceedings of the National Academy of Sciences veröffentlicht. Danach weisen selbst Personen, die Kontakte mit ethnischen Minderheiten gezielt vermeiden, weniger Vorurteile auf, wenn in ihrer Umgebung Kontakte zwischen unterschiedlichen Ethnien üblich sind.

„Wir können zeigen, dass positive Kontakte zwischen Personen unterschiedlicher ethnischer Gruppen generell zu einer höheren Toleranz führen“, sagt Dr. Oliver Christ vom Psychologischen Institut der FernUniversität in Hagen. „Erstaunlicherweise sehen wir nicht nur eine Verminderung von Vorurteilen bei Menschen, die selbst positive direkte Kontakte mit ethnischen Minderheiten haben. Dieser Effekt ist auch bei jenen zu beobachten, die lediglich Freunde mit solchen Kontakten haben. Vorurteile reduzieren sich, wenn man in einer Umgebung lebt, in der die Menschen ganz generell positive Kontakte mit Angehörigen von Minderheiten haben.“

Um auszuschließen, dass nur Personen mit hoher Toleranz solche ethnisch gemischten Nachbarschaften aufsuchen, wurden zwei der sieben Studien über mehrere Jahre hinweg durchgeführt: So konnten die Veränderungen der Einstellung über einen größeren Zeitraum beobachtet werden. Diese Längsschnitt-Befragungen zeigen, dass selbst Personen mit extremen Vorurteilen und ohne jeglichen Kontakt gegenüber Minderheiten toleranter werden, wenn ihre Nachbarn Berührungspunkte mit Minderheiten haben. „In den Stadtteilen mit dem höchsten Anteil ethnischer Minderheiten sanken eindeutig die Vorurteile am stärksten“, so Christ.

Politik sollte Kontakte fördern

Die Wissenschaftler der FernUniversität und der Universität Oxford schließen aus ihren Untersuchungen, dass die Politik mehr unternehmen sollte, um Kontakte zwischen unterschiedlichen ethnischen Gruppen zu fördern: „Unsere Ergebnisse zeigen, dass diese Kontakte nicht nur die Vorurteile von einzelnen Personen reduzieren, sondern dass dieser Effekt in der gesamten Nachbarschaft zu beobachten ist. Eingriffe, die solche Intergruppenkontakte wahrscheinlicher machen, helfen auch dabei, tolerantere Normen in der Gesellschaft zu etablieren. Auf längere Sicht sollte dies zu verbesserten Intergruppenbeziehungen führen.“

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