Deutsche AIDS-Hilfe: Kondompflicht und Repression sind gefährlich

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Das Saarland hat am Dienstag ein Maßnahmenpaket gegen Prostitution verabschiedet. Es beinhaltet unter anderem eine Kondompflicht für Freier und eine radikale Einschränkung des Straßenstrichs in Saarbrücken. Zudem will sich das Saarland per Bundesratsinitiative für eine Verschärfung des Prostitutionsgesetzes einsetzen.

Dazu erklärt Manuel Izdebski vom Vorstand der Deutschen
AIDS-Hilfe:

„Das Saarländische Maßnahmenpaket ist ein Schaufensterprojekt: Es
erweckt den Anschein, die Situation zu verbessern, verhindert aber
die wirklich wirksamen Maßnahmen. Es wird mehr schaden als nutzen.
Repression führt nicht zu mehr Schutz vor HIV und Gewalt, sondern
verdrängt Sexarbeit in dunkle Ecken. Dort sind weder Sexarbeiterinnen
noch Freier für Prävention und Beratung erreichbar. Das Risiko, Opfer
von Gewalt zu werden, erhöht sich drastisch.

Die Kondompflicht wird zu mehr Kriminalisierung von
Sexarbeiterinnen und Freiern führen. Damit ist niemandem geholfen.
Die Schattenseiten der Prostitution kann man nicht verbieten.

Es gilt vielmehr, die Frauen zu stärken, damit sie aufgeklärt und
selbstbewusst ihre Interessen vertreten können. Dafür brauchen wir
eine starke Präventionsarbeit vor Ort und eine Weiterentwicklung des
liberalen Prostitutionsgesetzes – keine Verschärfung.“

Schlechte Erfahrungen in Bayern

In Bayern gilt bereits seit 13 Jahren eine Kondompflicht für
Freier. Die Polizei setzt nach zahlreichen Berichten von
Sexarbeiterinnen verdeckte Ermittler ein, die nach ungeschütztem Sex
fragen. Erklären sich die Sexarbeiterinnen dazu bereit, erfolgt eine
Anzeige. „Das bayerische Beispiel zeigt, dass am Ende meist die
Frauen am Pranger stehen“, so Izdebski.

Fataler Trend zu mehr Repression

Die Deutsche AIDS-Hilfe beobachtet mit großer Sorge einen
europaweiten Trend zu immer mehr Repression gegen Sexarbeit: In
Schweden ist käuflicher Sex mittlerweile verboten – aber natürlich
nicht verschwunden.

Das Europaparlament hat heute einer Resolution zur Verschärfung
der Maßnahmen gegen Prostitution nach schwedischem Vorbild
zugestimmt.

Dortmund löste 2011 einen vorbildlichen Straßenstrich auf: Den
Sexarbeiterinnen hatten dort Prävention, Beratung und ein Alarmsystem
zur Verfügung gestanden. Eine der Frauen, die dort gearbeitet hatten,
wurde kurz darauf Opfer einer Messerattacke und überlebte nur knapp.
(Mehr Informationen:
http://blog.aidshilfe.de/2012/06/01/weg-vom-fenster/)

„Das Beispiel zeigt: Repression und Verdrängung gefährden
unmittelbar Leib und Leben der Sexarbeiterinnen“, so Izdebski.

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