Der „Herr A.“ und die Türken (Glosse)

Glosse150(Hans Leicher.) Nennen wir ihn den Herrn A., er lebt in Hagen und das Thema Bildung scheint ihm sehr wichtig zu sein. Er selbst hat den zweiten Bildungweg in Anspruch genommen und ein Fachhochschulstudium erfolgreich abgeschlossen. Zur Zeit ist er bei vollem Lohnausgleich von seinem ehemaligen Arbeitgeber freigestellt. Nicht, dass hier Missverständnisse aufkommen: sein früherer Arbeitgeber war nicht die Stadt Hagen. Er war für ein großes Unternehmen tätig und reiste in dessen Auftrag auch durch die Welt. New York, Dubai… natürlich immer als Deutscher und aus seiner Sicht nie als Ausländer. Und dass der Herr A. jetzt freigestellt ist, scheint ein wirklicher Glücksfall zu sein. Denn nun hat er auch Zeit mitzubekommen, in welchem sozialen Umfeld sich seine 14-jährige Tochter Pia (Name geändert) entwickelt. Die geht nämlich auf eine Hagener Gesamtschule und hat, wie alle Schülerinnen und Schüler, Freundinnen und Freunde aus vielen unterschiedlichen Ländern. Auch türkischstämmige. Dass seine Tochter aber Kontakt zu Türken hat, das hat dem Herrn A. noch nie gepasst. Besonders Besuche von oder bei Türken waren für Pia tabu. Und wie da der Herr A. nun plötzlich Zeit hat, sich mit seiner Tochter Pia über deren Freizeit zu unterhalten, da tritt zu Tage, dass sie die Freizeit mit vielen Türken verbringt. Wo die denn herkommen und besonders auf welche Schulen die gehen würden, will der Herr A. nun von seiner Tochter wissen. Die wiederum klärt auf, dass die einen auch auf die Gesamtschule gehen, andere auf das Gymnasium und wieder andere auf die Realschule, und dass er deshalb keinen „Bildungsrutsch“ seiner Tochter befürchten muss. Offensichtlich geplättet, dass „Ausländer“ in Deutschland nicht nur die Förderschule besuchen, sind seiner Tochner nun natürlich auch Besuche bei ihren türkischen Freunden gestattet. Und man glaubt es kaum, die dürfen nun auch bei seiner Tochter übernachten; natürlich nicht gänzlich ohne Voruteile und selbstverständlich mit Vorbehalt.

Der Sachverhalt ist nicht aus den Sechzigern, sondern tatsächlich aus dem Januar 2014. Woher wir das wissen? Pia, die Tochter von Herrn A., „fand die Story so krass“, dass sie uns davon berichtete. Schließlich soll sie zum Nachdenken anregen.

Übrigens berichten wir auch über die nächsten Termine und Treffen des Hagener Integrationsrates.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s