Bis zu 18 Stunden am Tag vor dem Computer

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HagenHagen – Zum ersten Mal waren auch interessierte Bürger zur einer Tagung der AG Sucht eingeladen. Die AG Sucht ist ein Gremium aus professionell in der Suchthilfe tätigen Institutionen in Hagen. Das Schwerpunktthema im Rathaus an der Volme war die Internetsucht. Dazu war Ulrike Dickenhorst, therapeutische Leiterin der LWL Klinik Gütersloh, eingeladen. Die Klinik verfügt über langjährige Erfahrung in der Behandlung von Glücksspielsucht. Seit Neuestem werden auch Patienten mit Internetsucht behandelt. Etwa 30 Besucher folgten interessiert dem Vortrag.

Laut neuester Studien kann man in Deutschland 1,5 Prozent der Gesamtbevölkerung als internetsüchtig bezeichnen. Als besonders suchtauslösend gelten Internetrollenspiele und soziale Netzwerke. Betroffene verbringen oft viele Stunden am Tag vor dem Computer und vernachlässigen Verpflichtungen. Ähnlich wie bei anderen Süchten nach dem Suchtstoff, ist ein starker Drang nach Internetkonsum vorhanden. Es wird sogar über körperliche Entzugssymptome, wie starke Unruhezustände, berichtet, wenn kein Zugang zum Internet möglich ist.

Anders als die Glückspielsucht ist die Internetsucht bisher keine anerkannte Krankheit. Experten streiten darüber, ob es sich um eine Verhaltensauffälligkeit oder Ausdruck einer psychischen Erkrankung handelt. Dennoch gibt es Wege aus der Abhängigkeit. Die Rentenversicherungsträger finanzieren therapeutische Hilfen. Wer am Tag bis zu 18 Stunden zockt, kann nicht mehr arbeiten. Schwierigkeiten bereitet die Tatsache, dass der Computer im Arbeitsalltag eine wichtige Rolle spielt. Anders als bei stofflichen Süchten, wo der komplette Verzicht auf das Suchtmittel Therapieziel ist, muss bei der Internetsucht ein geregelter Gebrauch erlernt werden. Was geht und was nicht geht, wird in einem individuellen Therapieplan festgelegt.

Der einstündige Vortrag von Frau Dickenhorst verschaffte einen umfassenden Überblick über den gegenwärtigen Stand der Forschung zum Thema Internetsucht und therapeutische Möglichkeiten. Das Thema wird die AG Sucht auch im kommenden Jahr weiter beschäftigen. Betroffene Bürger sollten sich zunächst an eine Suchtberatungsstelle (Blaues Kreuz, Drogenhilfe der Stadt Hagen, Sozialpsychiatrischer Dienst) wenden. Das Hilfesystem befindet sich im Aufbau.

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