Wandergeselle auf der Walz und zu Besuch im Rathaus

Wandergeselle

Wetter(Ruhr) – „Gott zum Gruße!“ Mit diesen Worten stellte sich kürzlich der Wandergeselle Manu von der „Bruderschaft der rechtschaffenen fremden und einheimischen Maurer und Steinhauer“ im Rathaus vor. Nach einer zünftigen Ansprache, die Manu stets von Ort zu Ort improvisiert und variiert, bat er um das Siegel der Stadt Wetter (Ruhr) mit Unterschrift für sein Wanderbuch. Darin hält ein jeder Geselle die besuchten Ortschaften fest. Lächelnd erklärt Manu: „Dieses Buch ist sozusagen das Dokument, dass ich offiziell obdachlos bin“. Manu ist seit Juni 2010 auf der Walz „Die Normalzeit, in der ein Geselle auf die Walz geht beträgt drei Jahre und einen Tag. Man kann das aber so lange machen, wie man möchte. Durchschnittlich sind die Gesellen vier bis sechs Jahre unterwegs.“ Die Wanderschaft war seit dem Spätmittelalter bis zur beginnenden Industrialisierung eine der Voraussetzungen für den Gesellen, die Prüfung zum Meister zu beginnen. Die Gesellen sollten vor allem neue Arbeitspraktiken kennen lernen und Lebenserfahrung sammeln. Ein Handwerker, der sich auf dieser traditionellen Wanderschaft befindet, wird als „Fremdgeschriebener“ oder „Fremder“ bezeichnet. Dabei darf der „Fremdgeschriebene“ während seiner Reise einen Bannkreis von 50 Kilometern um seine Heimatstadt nicht betreten. In Deutschland befinden sich derzeit rund 400 bis 500 Gesellen auf Wanderreise. Manu hat mit der Walz im fränkischen Gunzenhausen begonnen und ist seither viel in deutschen Landen herumgekommen. Er „tippelt“ dabei von Baustelle zu Baustelle, wie seine Bruderschaft das Wanderleben als Handwerker nennt. „Die Walz teilt sich ungefähr in zwei Drittel Arbeit und ein Drittel Reise auf“, erklärt der Steinhauer. „In Wetter bin ich nur auf der Durchreise. Ich habe in Hagen meinen ehemaligen Meister besucht, auf dessen Baustelle ich im Jahr 2011 gearbeitet habe.“ Bürgermeister Frank Hasenberg begrüßte Manu im Rathaus, wünschte ihm weiterhin viel Spaß und Erfolg beim „Tippeln“ und überreichte dem Wandergesellen einen kleinen Obulus für die weitere Wanderzeit.

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