Vortrag im Kunstquartier: Die NSDAP an der „Heimatfront“

35Hagen – Den Funktionswandel der westfälischen NSDAP an der „Heimatfront“ zwischen den Feierlichkeiten zum zehnten Jahrestag der „Machtergreifung“ am 30. Januar 1943 und dem totalen Zusammenbruch des Deutschen Reiches im Frühjahr 1945 behandelt Armin Nolzen von der Ruhr Universität Bochum in einem Vortrag am Donnerstag, 24. Oktober, um 19 Uhr im Auditorium des Kunstquartiers Hagen, Museumsplatz 1. Im Mittelpunkt stehen die Praktiken der NSDAP als Organisation: ihre Mitgliederentwicklung, die Hilfsmaßnahmen im Luftkrieg, ihre Gewalt gegen „Fremdvölkische“, die Aufstellung von Sonderformationen und die Versuche der totalen Mobilisierung der deutschen Gesellschaft 1944/45. Im Mittelpunkt steht die Frage nach der Verankerung der NSDAP in der Kriegsgesellschaft der beiden NS-Gaue Westfalen-Nord (Münster) und Westfalen-Süd (Bochum). Zehn Jahre nach der nationalsozialistischen Machtübernahme erwies sich die Bilanz der NS-Herrschaft als wenig günstig. Am 30. Januar 1943 stand die Kapitulation der 6. Armee in Stalingrad kurz bevor. Auch auf den anderen Kriegsschauplätzen zeichnete sich eine für das Deutsche Reich wenig erfolgreiche Entwicklung ab. Im Berliner Sportpalast veranstaltete die Partei an diesem Tag eine Großkundgebung, bei der Hitler seinem Propagandaminister, Dr. Joseph Goebbels, die Rede überließ. Am Abend richtete Hermann Göring, Reichsmarschall und Oberbefehlshaber der Luftwaffe, eine Rundfunkansprache an die Bevölkerung. Diese Rede wurde auch als Grabrede auf die „Stalingrad-Kämpfer“ verstanden. Das Kriegsjahr 1943 war ein „Wendejahr“, nicht nur innenpolitisch, der im Februar 1943 ausgerufene „Totale Krieg“ führte zu einer Radikalisierung der „Heimatfront“, sondern vor allem auch militärisch. Im Verlauf dieses Jahres entfaltete sich der alliierte Luftkrieg mit ganzer Wucht. Der Bombardierung des Rhein-Ruhr-Gebiets im Frühjahr und Sommer 1943, die über 20.000 Menschenleben forderte, folgte eine kleine Angriffsserie auf Hamburg, hierbei wurden bis zu 40.000 Menschen getötet, und ab Herbst 1943 schließlich die so genannte „Battle of Berlin“, die bis ins Frühjahr des folgenden Jahres andauerte. Im Sommer 1943 mussten nicht nur die Kämpfe in Afrika eingestellt werden, auch der U-Boot-Krieg im Atlantik fand ein jähes Ende. Nach der Landung der Alliierten auf Sizilien und kurz darauf in Italien löste sich das deutsch-italienische Bündnis, die „Achse Berlin-Rom“ auf. Im Krieg gegen die Sowjetunion kam es im Sommer 1943 bei Kursk zu einer desaströsen Niederlage, die den Weg zum unaufhaltsamen Vormarsch der „Roten Armee“ ebnete. An der Heimatfront stellte der Luftkrieg ein gravierendes Problem dar. Alle vor 1943 ergriffenen Maßnahmen erwiesen sich schnell als überholt. Die NSDAP mit ihren Gliederungen, vor allem die SA und die NSV, wurden verstärkt in die Bewältigung der Angriffsfolgen einbezogen. Erstaunlicherweise bedeute diese Situation angesichts der immer ungünstiger werdenden militärischen Situation für die NSDAP eine deutliche Stärkung ihres Einflusses und ihrer Bedeutung. Im rheinisch-westfälischen Raum war diese Entwicklung besonders ausgeprägt, nicht zuletzt auch wegen der Bedeutung dieser Region als Hauptangriffsziel der alliierten Luftstreitkräfte. Der Vortrag wird unterstützt und finanziert von Pro Stadtgeschichte Hagen e.V. Armin Nolzen hat in Bochum Geschichtswissenschaften, Germanistik und Sozialwissenschaften studiert und bei Hans Mommsen abgeschlossen. Nolzen gilt als der beste Kenner der NSDAP und ihrer Strukturen. Er ist Redakteur der in Göttingen erscheinenden Zeitschrift „Beiträge zur Geschichte des Nationalsozialismus“ und Autor zahlreicher Veröffentlichungen zur NSDAP und zum Nationalsozialismus, darunter auch in internationalen Standardwerken wie „Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg“. Seine Dissertation beschäftigt sich mit Rudolf Heß, Marin Bormann und die Partei-Kanzlei. Für Vorab-Interviews ist Armin Nolzen unter armin.nolzen@rub.de erreichbar.

 

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