Inklusion in Beruf und Ausbildung hilft beiden Seiten

Wetter(Ruhr) – „Menschen mit Behinderung sollen eine gute Ausbildung machen können, dann können sie eine gute Arbeit finden. Und ihr eigenes Geld verdienen. Das ist wichtig für die Inklusion“. So steht es im Aktionsplan „Menschengerechte Stadt Wetter (Ruhr)“. Das Fachforum „Arbeit und Berufsausbildung“ hat es sich zur Aufgabe gemacht, Betriebskontakte stärker für die Anbahnung von Ausbildungs- und Beschäftigungsverhältnissen durch regelmäßigen Austausch zu schaffen. Zielgruppe sind Jugendliche mit besonderem Unterstützungsbedarf. Um ein entsprechendes Netzwerk zu knüpfen, hat das Fachforum am kommenden Mittwoch Unternehmer aus der Region zu einem „Unternehmer – Frühstück“ in die Villa Vorsteher eingeladen. „Wir wollen Kontakte fördern, um Menschen mit Behinderungen den Schritt in den Arbeitsmarkt zu ermöglichen oder zu erleichtern“, erklärt Margot Wiese, Fachbereichsleiterin Soziales bei der Stadt Wetter und Mitglied im Fachforum Arbeit und  Berufsausbildung. Dass von einer Inklusion auf beruflicher Ebene sowohl Menschen mit Behinderungen wie auch die Firmen gleichermaßen profitieren können, zeigen Katrin Ruschinski (20), Anna Hüttemann (21), Sarah Pröpper (22), Melissa Schönlau (22) und Ricardo Lehmann (24). Kerstin, Sarah und Anna haben das Angebot ergriffen, beim heimischen Energieversorger AVU in Gevelsberg eine Ausbildung bzw. ein Praktikum zu absolvieren. „Kerstin Ruschinski, die ihre ersten beiden Ausbildungsjahre bei den Kolping Bildungszentren Ruhr im Berufsförderungszentrum Witten/Wetter absolviert hat, konnte in der Kantine der AVU ihre Ausbildung zur Köchin beenden. Wir waren alle sehr zufrieden mit ihr und ihren Leistungen“, resümiert Ausbildungsleiter Markus Schwandt. „Sie hat ihre praktische Prüfung bestanden und wird jetzt für ein Jahr übernommen. Sie hat gute Chancen, auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Und die junge Köchin ist von der Chance, die ihr bei der AVU geboten wurde, begeistert: „Ich bin stolz auf meine Ausbildung. Am liebsten mache ich Dessert, etwa Grießflammerie“. Den servierte sie übrigens auch bei der praktischen Abschlussprüfung. Dazu gab es Zander („Den habe ich selbst filetiert“) und Lammkeule. Von der Kantine ins Büro: Anna Hüttemann macht im Berufsbildungswerk (BBW) der Ev. Stiftung Volmarstein eine Ausbildung zur Bürokauffrau und hat bei der AVU ein zweimonatiges Praktikum abgeschlossen – mit den gleichen Inhalten wie ein „normaler“ Azubi. Auch sie ist begeistert: „Das war super und ich möchte mich bei allen bedanken. Ich hatte hier sogar die Möglichkeit, mit SAP zu arbeiten.“ Sarah Pröpper absolviert beim BBW derzeit eine Ausbildung zur Kauffrau für Bürokommunikation und beginnt bei der AVU ein Praktikum im Bereich Personal und Marketing. Eine „Win-Situation“ nicht nur für die Auszubildenden und die AVU, sondern auch für Alfons Schach, BBW – Ausbildungsleiter: „Wir sind immer auf der Suche nach externen Ausbildungsplätzen. Ich bin sehr froh, dass es mit der AVU so gut geklappt hat.“ Was müssen Firmen bieten und beachten, um junge Menschen mit Unterstützungsbedarf ausbilden zu können? „Natürlich muss man schauen, dass es in unsere Ausbildungspläne passt“, so Frank Reiber, AVU – Personalleiter. „Es ist unser Anspruch, einen erfolgreichen Abschluss bieten zu können. Es muss bei den jungen Menschen also realistisch sein, dass sie ihre Ausbildung auch abschließen können.“ Hier müsse vor allem viel miteinander geredet werden: „Man muss einfach miteinander sprechen, etwa mit Kolping oder der ESV: Was braucht ihr für Voraussetzungen, was können wir als Unternehmen anbieten? Es gibt viele unterschiedliche Modelle, die man individuell absprechen kann“, so Reiber. Man muss es nur einfach wollen. Eines dieser Modelle wird in der Küche des Frauenheims Wengern praktiziert. Der Küchenbetrieb wird von dem weltweit operierenden Unternehmen Klüh aus Düsseldorf betrieben. Ricardo Lehmann, der aus dem Berufsbildungsbereich der Werkstatt des Frauenheims kommt, absolviert hier – an einem externen Arbeitsplatz – eine Ausbildung zum Küchenhelfer. „Ricardo macht die typischen Arbeiten, die in einer solchen Küche anfallen – er hilft bei den Speisen, macht Vor- und Zuarbeiten für die Köche oder hilft beim Spülen und Reinigen“, erklärt Thorsten Rogall von der Firma Klüh. „Er fährt auch mit zur Anlieferung, wenn wir die zubereiteten Speisen zu den Werkstätten und Wohnbereichen fahren.“ „Ich freue mich über die Kooperation mit der Firma Klüh und ich glaube, dass Ricardo hier eine gute Perspektive auf dem externen Arbeitsmarkt hat“, so Thomas Schiebille, von der Werkstattleitung des Frauenheims. Beim „Ortstermin“ in der Küche zeigt Ricardo stolz den Kräuterquark, den er für das Abendessen vorbereitet hat. Auch bei den Salaten ist er mit viel Eifer dabei, vom Zwiebeln schneiden bis zur Gestaltung des Dressings. „Das macht mir alles Spaß, besonders gern mache ich Speisen mit Quark.“ In der Küche arbeitet auch Melissa Schönlau (22), allerdings in der Kita Gravemannhaus (Trägerverein Soziale Einrichtungen) in Alt-Wetter. Sie trägt das Geschirr für das Essen der Kita-Kinder auf, räumt das gebrauchte Geschirr in die Spülmaschine, kümmert sich um den Abfall. Melissa ist sehr liebevoll im Umgang mit den Kindern. So hilft sie ihnen gerne beim Schuhe ausziehen und Hände waschen, wenn die Kinder von draußen wieder zum Essen in die Räume kommen. Melissa, die in der Werkstatt für behinderte Menschen der ESV eine Hauswirtschaftsausbildung absolviert, macht die Arbeit im Gravemannhaus „sehr viel Freude“ und lobt die Zusammenarbeit mit dem Team: „Das klappt sehr gut und die helfen mir, wenn ich mal Unterstützung brauche.“ „Wir haben Melissa sofort ins Herz geschlossen und fühlen uns mit ihr sehr wohl“, sagt Kita-Leiterin Ines Böcker. „Diese positiven Beispiele zeigen, was auf der Ebene beruflicher Inklusion möglich ist“, freut sich Margot Wiese. „Es wäre schön, wenn sich weitere Firmen von diesen Erfahrungen inspirieren lassen würden und Interesse daran hätten, auch in ihren Unternehmen auf ähnliche Weise berufliche Inklusion zu fördern.

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