(Hagen) Sanierung des Krematoriums fast abgeschlossen

OLYMPUS DIGITAL CAMERAHagen – Vor über 100 Jahren wurde das Eduard-Müller-Krematorium in Delstern nach dem Entwurf des Künstlers Peter Behrens erbaut, am 16. September 1912 wurde es mit der ersten Einäscherung in Preußen eröffnet. Zwar wurden seit der Errichtung zahlreiche Reparatur- und Modernisierungsarbeiten vorgenommen, doch nagte der Zahn der Zeit ein Jahrhundert lang so stark an dem unter Denkmalschutz stehenden Sakralbau, dass eine umfassende Sanierung nicht mehr aufgeschoben werden konnte. Durch die geschädigte Außenfassade drang immer wieder Wasser in die beiden Kellergeschosse der Trauerhalle ein. So startete der Wirtschaftsbetrieb Hagen (WBH) im Frühjahr mit weiteren Baumaßnahmen, nachdem bereits seit dem vergangenen Jahr der Bau einer Rampe den barrierefreien Zugang zur Trauerhalle ermöglicht. Zeitgleich mit dem Austausch eines maroden 120 Meter langen Mischwasserkanals begannen die Arbeiten im Keller der Trauerhalle, wo schadhafter Putz entfernt wurde. Ein besonderes Augenmerk legte die WBH-Bauleitung auf die Sandsteintreppe am historischen Krematorium, die durch einen Steinmetzbetrieb zunächst fachgerecht dokumentiert, abgebaut und eingelagert wurde. Nach dem Abbruch eines Vorbaus unter der abgetragenen Treppe und dem Verschluss der Maueröffnung konnte dann die Kellerfassade in ihrer gesamten Tiefe von bis zu 4,50 Meter freigelegt, gereinigt und abgedichtet werden. Vor zukünftigen Feuchtigkeitsschäden, so Bauleiter Jörg Finkeldey vom Fachbereich Bau des WBH, sei das Denkmal zukünftig gut geschützt. Nach Wiederverfüllung der Kellerbaugrube konnte Anfang August mit der Fundamentierung für die Außentreppe mit Hilfe von Schachtringen begonnen werden. Mittlerweile haben die Steinmetze die Außentreppe denkmalgerecht wieder hergestellt. Es folgte die auf Grund der Kanal- und Gebäudesanierung erforderliche Wiederherstellung der Wege zum Gebäude. „Die Friedhofszufahrt bis zur Toranlage wird asphaltiert, der Bereich zwischen Friedhofseingang und Trauerhalle erhält einen Belag aus hochwertigem Betonwerksteinpflaster, gegliedert durch eine Bänderung aus dunklem Natursteinpflaster“, beschreibt Jörg Finkeldey die noch nicht ganz abgeschlossenen Arbeiten. „Wir rechnen fest damit, dass wir die normale Zuwegung in zwei Wochen wieder freigeben können. Bislang mussten wir die Besucher über den Friedhof umleiten.“ Abschließend ständen dann noch Detailarbeiten wie der Einbau von Treppengeländern und die Wiederherstellung der teilweise abgebauten Toranlage an. Für die Kanalerneuerung, die Anlage der Wegeflächen, die Sanierung der Kellerfassade und die Wiederherstellung der historischen Treppe hat der Wirtschaftsbetrieb Kosten in Höhe von zirka 450.000 Euro veranschlagt. Zur Historie:  1903 stellte Sanitätsrat Dr. Eduard Müller als Vorsitzender des Hagener „Vereins für Feuerbestattung“ einen Bauantrag für ein Krematorium. Kunstmäzen Karl Ernst Osthaus, ebenfalls Mitglied des Vereins, beauftragte Peter Behrens mit der Gestaltung. Die Genehmigung für den Bau wurde zwar erteilt, die Inbetriebnahme des 1907 errichteten Krematoriums aber zunächst durch die preußische Regierung untersagt. Erst nach einem Rechtsstreit und der 1911 in Kraft getretenen gesetzlichen Regelung für Feuerbestattungen in Preußen konnte das Krematorium ein Jahr später in Betrieb genommen werden.

 

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