Praktiker: Katastrophe für tausende von Beschäftigten

Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) spricht nach der Ankündigung des Insolvenzverwalters Christopher Seagon am heutigen Mittwoch in Göttingen, 130 der verbliebenen Praktiker-Filialen leerverkaufen zu wollen, von einer „verheerenden Katastrophe“ für tausende von Beschäftigten und mahnt eindringlich die „Übernahme von sozialer Verantwortung vonseiten aller Beteiligten“ an.
„Wenn das Vorhaben des Insolvenzverwalters zur Umsetzung kommt, stehen weitere 5.300 Beschäftigte vor den Scherben ihrer Existenz! Es glaubt niemand wirklich, dass die Praktiker-Beschäftigten nach dem Leerverkauf von den neuen Betreibern auch tatsächlich übernommen werden“, kritisierte Stefanie Nutzenberger, ver.di-Bundesvorstandsmitglied für den Handel.

„Es wird Standorte geben, die so interessant sind, dass es vermutlich Übernehmer geben wird – aber es ist notwendig, dass es ein Konzept und Transparenz darüber gibt, wie die Fortführung nach dem Leerverkauf sichergestellt werden kann“, betonte Nutzenberger.

„Was dringlich auf den Tisch muss, ist eine nachvollziehbare, stichhaltige Analyse der rentablen und damit überlebensfähigen Praktiker-Filialen, die in einem plausiblen Fortführungskonzept vielen Beschäftigten eine Zukunftsperspektive im Unternehmen eröffnen würde – es geht schließlich um tausende von Existenzen, um Menschen, nicht nur um Unternehmenskennzahlen und das Bedienen von Gläubigerinteressen“, betonte Nutzenberger.

So müsse der Insolvenzverwalter die Frage beantworten, ob er alle Optionen, beispielsweise den Verkauf des Auslandsgeschäftes an potenzielle strategische Investoren, kritisch geprüft und auch verhandelt habe, um die nötigen Finanzreserven zum Offenhalten von rentablen inländischen Filialen zu schaffen. „Für jene betroffenen Beschäftigten, die dennoch ihren Arbeitsplatz verlieren werden, brauchen wir dringend eine Transfergesellschaft für mindestens sechs Monate, um ihnen durch erforderliche Qualifizierungen alle Unterstützung für eine erfolgreiche Rückkehr in Arbeit zu ermöglichen“, betonte Nutzenberger.

Angesichts des Kahlschlags zeigen sich die Betriebsratsmitglieder erschüttert und verbittert. „Für keinen von uns ist es zu verstehen, warum tausende Kolleginnen und Kollegen aufgrund katastrophaler Fehlentscheidungen der Geschäftsführungen ihren Arbeitsplatz verlieren. Hier sollen Märkte geschlossen werden, die zum Teil hoch profitabel sind. Wieder mal ein Beispiel, das Arbeitsplätze und Schicksale in unserer Gesellschaft scheinbar keine Rolle spielen“, so Kai Rosche, Gesamtbetriebsratsvorsitzender der Baumarkt Praktiker GmbH.

Die Einschätzung teilt auch Kerstin Schäfer, Gesamtbetriebsratsvorsitzende der Baumarkt Praktiker Deutschland GmbH: „Wir Arbeitnehmer müssen jetzt die Verantwortung für die zahlreichen Managementfehler tragen. Die Verantwortlichen für diese Katastrophe werden vermutlich mal wieder ‚ungeschoren‘ davon kommen.“ Auch das Resümee von Hans Trimborn, GBR-Vorsitzender von Baumarkt Praktiker DIY GmbH ist bitter: „Der Schwarm der Heuschrecken, gefolgt von Beratern, zieht weiter auf der Suche nach neuen Opfern. Zurück bleibt die leere Hülle von Praktiker und die auf der Straße stehenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.“

Damit sich der Fall Schlecker nicht wiederhole, sei die Übernahme sozialer Verantwortung aller Beteiligten absolut unverzichtbar, so ver.di-Vorstandsmitglied Nutzenberger. „Nicht nur der Insolvenzverwalter, auch die Banken, Warenkreditversicherer und potenzielle Investoren müssen ihren Teil im Sinne der Menschen beitragen, schließlich läuft der Investorenprozess momentan“, so Nutzenberger.

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