Junge sollen Älteren „ins Netz“ helfen

am
FvO Netzpolitik
Lars Klingbeil (rechts) kam auf Einladung von René Röspel ins Kultopia

(12:40 Uhr) Hagen/Westf. – Ungewollte Aktualität hatte die „Fraktion vor Ort“-Veranstaltung, zu der der heimische SPD-Bundestagsabgeordnete René Röspel ins „Kultopia“  eingeladen hatte. Ging es doch unter dem Titel „Netzpolitik ist Gesellschaftspolitik“ um die Herausforderungen der digitalen Gesellschaft. Und so ging es in der Diskussion mit dem netzpolitischen Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion Lars Klingbeil auch um die „permanente Diskussion zwischen Freiheit und Sicherheit“ im Internet. Die Vorratsdatenspeicherung in Europa sei keine Inhaltsspeicherung und
außerdem vom Bundestag beschlossen, sagte Klingbeil. Die jetzt bekannt gewordenen Spionageprogramme der USA und anderer Länder würden dagegen ausschließlich von den Geheimdiensten ohne jede parlamentarische Kontrolle eingesetzt. Das Verhalten der Bundesregierung dazu sei skandalös: „Einfach abwarten und nichts tun.“  Klingbeil sah sich selbst nicht als „Experten, der alles weiß“. Es gehe
auch gar nicht um technische Fragen. Vielmehr gehöre „das Internet“
schon heute zur Daseinsvorsorge und müsse deshalb möglichst allen
Menschen zur Verfügung stehen. Noch gebe es eine Lücke zwischen Jung und
Alt, die geschlossen werden muss. „Dazu sollten wir die Potentiale der
Jungen nutzen“, forderte Klingbeil, etwa durch Schulungen Älterer im
Rahmen des Freiwilligen Sozialen Jahres. Moderne Technik in Verbindung
mit dem Internet könne auch dazu beitragen, länger in der eigenen
Wohnung zu leben. Zum Beispiel könne ein Spiegel im Badezimmer die
einzunehmenden Medikamente anzeigen oder ein Teppich den Notdienst
alarmieren, wenn jemand hingefallen ist.
„Medienkompetenz“ sei aber auch wichtig, um die weitere Spaltung
zwischen reich und arm zu verhindern. Das sei Aufgabe der Schulen.
„Jeder Schüler muss ein Tablet haben, alle Lehrbücher müssen darauf
digital gespeichert sein“, nannte Klingbeil als Beispiel. Natürlich
müssten alle Lehrer in allen Fächern diese Medien einsetzen.
Das Internet habe die Arbeitswelt bereits erheblich verändert,
allerdings keineswegs nur positiv, mahnte der Abgeordnete: „Immer mehr
Beschäftigte haben einen Burnout, weil sie rund um die Uhr erreichbar
sind.“ Deshalb gehöre Netzpolitik auch in Tarifverträge.
Positiv bewertete der Politiker, dass man „Meinungen sofort einholen“
kann. Dadurch sei es möglich, Prozesse wie etwa die Gesetzgebung noch
während der Entstehung für Diskussionen zu öffnen und mehr Zustimmung zu
erreichen.
Auf der anderen Seite dürfe die Offenheit des Internets nicht dazu
führen, die Rechte des Einzelnen abzuschneiden. Vor allem das
Urheberrecht habe sich zu einem der zentralen Konflikte der digitalen
Gesellschaft entwickelt. „Die Regierung hat in den vergangenen vier
Jahren absolut nichts gemacht“, bemängelte Klingbeil. Unterschiedliche
Interessen von Urhebern, Verwertern, Nutzern und Konsumenten stünden
sich nach wie vor unversöhnlich gegenüber.

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