Theater: Im Wartesaal außer Rand und Band

Senioren „rocken“ das Lutz

Wartesaal
(Foto: theaterhagen)

(02:47 Uhr) (Hans Leicher.) Hagen/Westf. – Dass der Seniorenclub des theaterhagen in Folge mit seinem jährlich wechselnden Stück eine Punktlandung hinlegt ist über die Hagener Grenzen bekannt. Dass das neue Stück „Im Wartesaal zum großen Glück“ mit der Premiere an diesem Sonntag Abend (07. Juli) völlig von dem abweicht, was man bisher von dem rüstigen Ensemble im jung gebliebenen Alter zwischen 60 und annähernd 90 Jahren gesehen hat, war trotz aller Ankündigungen nicht zu erwarten. Dass in diesem Stück ein anfängliches Tabu gebrochen wurde, hatte „Lutz-Vater“ Werner Hahn schon verraten: Gab es doch die anfänglich strikte Weigerung der Ensemble-Mitglieder zu singen. Sicherlich unterlag der Gesang nicht den strengen Vorgaben des Intendanten (schließlich ist das theaterhagen ein Musik-Theater), vielmehr hat sich wohl alles aus der Idee zum neuen Stück entwickelt. Federführend für diese musikalische Komödie ist auch diesmal wieder Ulla Gericke, die selbst mit auf der Bühne steht. Eine bunte Revue sollte es diesmal werden, mit Schlagern und Chansons mit Humor und trotzdem mit Tiefgang aber mit Gänsehaut-Feeling. Die Premiere an diesen Sonntag hat gezeigt: Alles nur Tiefstaplerei. Sicherlich besser als falsche Erwartungen zu wecken, aber Fakt ist: hinter dieser Produktion muss sich niemand verstecken. Das hat auch das Publikum in einem ausverkauften Lutz mit immer neuem Szenen-Applaus, mit seinem Mitgang in den Liedern und mit seinem langen, begeisterten Applaus nach dem Stück bewiesen. Auf lange Schauspiel-Szenen wartet man vergeblich. Vielmehr startet alles gleich mit einem ersten, zur Szene passenden, Song von Reinhard Mey. Und so reiht sich ein oft fast vergessener Schlager nach dem anderen ins Stück wie an einer Perlenkette. Der Vergleich mit einer Perlenkette ist nicht von weit her geholt. Sowohl die Darstellerinnen und Darsteller, die Szenen aus der Vergangenheit der Protagonisten, die beachtenswerte Auswahl der Lieder-Klassiker, der wertvolle und wichtige Rückblick in die deutsche Geschichte machen „Im Wartesaal zum großen Glück“ zu einem Juwel des (Laien)Theaters. Und vielleicht ist es auch gerade das, das Laientheater, was diese gewaltige Portion an Authentizät und Sympathie ins Publikum bringt. Vielleicht ist es auch so mancher kurzer und professionell schnell überspielter Versprecher, das was die Senioren dort auf der Bühne leisten so menschlich und so nah macht. „Im Wartesaal zum großen Glück“ vereint Schauspiel, Unterhaltung, politisches Kabarret, Humor, Tiefgang, Geschichte und alt bekannte Songs in bisher nicht gekannten Versionen.

Worum geht es?
(theaterhagen) „Ein Kreuzfahrtschiff wird zum Schauplatz um große Hoffnungen und vergebene Chancen. Was haben die Rentner, die beim Aperitif auf das Captain´s Dinner warten, nicht alles hinter sich gebracht: Krieg und Trümmer, Wiederaufbau, Ehe und Kinder. Viel Arbeit, dann erste Krankheiten und erste Verluste. Und jetzt endlich Rente und Zeit für eine ausgiebige Reise. Im Gepäck: Ein ganzes Leben. Mit viel Gefühl, Charme und Witz vereinen die Darstellerinnen und Darsteller auf der Bühne des lutzhagen Vergangenheit und Gegenwart.“

Mehr sei nicht verraten, denn die vielen Überraschungen in den kurzweiligen guten zwei Stunden sollten Sie selbst erleben. Und vielleicht gehen Sie, wie bei der Premiere, genau so ab wie das Publikum mit dem Ensemble. Neben Mitklatschen ist übrigens Mitsingen durchaus erwünscht; Mitmachtheater eben. Man muss wohl, wie die Darsteller, von Herzen etwas verrückt sein, um das Publikum so von der ersten Minute an mitzunehmen und so gnadenlos auf die Lachmuskeln zu zielen. Intendant Norbert Hilchenbach brachte aber bei der Premierenfeier noch etwas auf den Punkt: Vielleicht muss man auch ein gewisses Alter haben, um teilweise so zynisch über das Alter zu reden, wie es die Damen und Herren des Seniorenclubs auf der Bühne können. Sie wollen auf der Bühne ruhig etwas böse sein, die Senioren. Sie können es und sie tun es, aber mit einer ganz gehörigen Portion Charme.

Im „Wartesaal zum großen Glück“ bringen sie allesamt eine große Leistung, die Mitglieder des Senioren-Clubs am theaterhagen. Besonders erwähnt sei aber die (musikalische) Seele des Stücks, Siegfried Gras. Der beliebte Pfarrer i.R. aus Haspe begleitet das Stück vom Einlass bis zur Zugabe nicht nur am E-Piano, sondern auch gesanglich und schauspielerisch. Großen Respekt auch wieder vor Jeremias Vondrlik, der wiederum aus den geringsten Mitteln ein respektables Bühnenbild gezaubert hat. Nicht zuletzt aber auch tiefe Verneigung vor der Regie und Technik, die in diesem Stück eine Menge Arbeit zu leisten hat und beleuchtungs- sowie tontechnisch ihr Können und ihre Feinfühligkeit unter Beweis stellt.

In dieser Woche gibt es noch einige Vorstellungen von „Im Wartesaal zum großen Glück“ im Hagener Lutz – der Jungen Bühne am theaterhagen. Einige Vorstellungen sind bereits ausverkauft. Weitere Informationen und Tickets gibts unter http://www.theaterhagen.de . Natürlich geht es in der kommenden Spielzeit weiter. Aber es lohnt sich, mit diesem Theater-Schmankerl in den Urlaub zu geben.

Mehr dazu gibt es später in einem Video – hier bei TV58.de .

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