6.580 Senioren-Wohnungen für Hagen

icon20136006002.png(10:30 Uhr) Studie: 2035 sind 45.030 Menschen in Hagen älter als 65 – Enormer Mangel an Senioren-Wohnungen: In Hagen werden in den kommenden Jahren rund 6.580 altengerechte Wohnungen fehlen. Das geht aus der aktuellen Studie „Wohnen 65plus“ hervor, die das Regionaldaten-Institut Pestel gemacht hat. Die Wissenschaftler aus Hannover geben darin erstmals auf der Grundlage der neuen Zensus-Zahlen eine Prognose für die Bevölkerungsentwicklung. Demnach werden im Jahr 2035 in Hagen rund 45.030 Menschen älter als 65 Jahre sein – 9 Prozent mehr als heute.
„Mit der starken Zunahme Älterer wird auch die Zahl der Pflegebedürftigen rasant wachsen“, sagt Pestel-Studienleiter Matthias Günther. Die Prognose für Hagen gehe von rund 7.730 Pflegebedürftigen im Jahr 2035 aus. „Bei dieser Entwicklung wird es höchste Zeit, barrierearme Wohnungen für Senioren zu schaffen. Ziel muss es sein, die älteren Menschen so lange wie möglich in ihren eigenen vier Wänden wohnen zu lassen. Auch dann noch, wenn sie dort ambulant gepflegt werden müssen. Die Alternative ist der Umzug ins Pflegeheim. Genau das wollen viele Ältere aber nicht“, sagt Matthias Günther. Zudem führe die stationäre Pflege im Heim zu enormen Mehrkosten.
Ein Pflegeplatz im Heim koste – im Vergleich zur ambulanten Pflege zu Hause – pro Jahr rund 7.200 Euro mehr. Verglichen mit dem Aufwand, der notwendig ist, um eine Wohnung altersgerecht zu sanieren, gehe die Rechnung schnell auf. Jedenfalls die, die das Bundesbauministerium ganz offiziell aufmacht: „Demnach kostet der Umbau einer barrierearmen Wohnung durchschnittlich 15.600 Euro. Rein wirtschaftlich betrachtet, lohnt es sich also, in das altersgerechte Bauen und Sanieren zu investieren“, sagt Matthias Günther. Schon mit der Einsparung der Extrakosten für die Heimpflege lasse sich eine seniorengerechte Wohnungssanierung in gut zwei Jahren finanzieren.
Insgesamt müssen in Hagen 102,6 Millionen Euro in das altersgerechte Bauen investiert werden. Nur so kann es nach Angaben des Pestel-Instituts gelingen, die rund 6.580 zusätzlichen Senioren-Wohnungen zu schaffen. Dies funktioniere jedoch nur dann, wenn es hierfür finanzielle Anreize gebe: „Es ist dringend notwendig, den Neubau und das Sanieren von altersgerechten Wohnungen stärker zu fördern“, sagt Matthias Günther. Insbesondere der Bund sei hier gefordert. Die Politik müsse dabei – neben zinsverbilligten Krediten bei der KfW-Förderung – verstärkt auch auf direkte Bau-Zuschüsse und die steuerliche Abschreibung setzen. „Denn ein Kredit mit zwanzig Jahren Laufzeit stößt bei einem Siebzigjährigen in der Regel nur auf wenig Interesse“, so Günther.
Die Studie zum Senioren-Wohnen hat das Verbändebündnis „Wohnen 65plus“ in Auftrag gegeben. Dazu gehören:der Sozialverband VdK Deutschland, der Bund Deutscher Baumeister, Architekten und Ingenieure (BDB), die IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU), die Deutsche Gesellschaft für Mauerwerks- und Wohnungsbau (DGfM) und der Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel (BDB).
Das Verbändebündnis wirft den Parteien vor, das drängende Thema „Wohnen im Alter“ zu vernachlässigen. Die Verbände appellieren an die Bundestagskandidaten aller Parteien in Hagen, sich wesentlich stärker um dieses Sozialthema zu kümmern. Hagen dürfe nicht auf eine „graue Wohnungsnot“ zusteuern. „Die jetzige Bundesregierung hat sich gewissermaßen vom altersgerechten Bauen und Sanieren verabschiedet und den KfW-Fördertopf von ursprünglich 100 Millionen Euro jährlich auf Null gesetzt“, so das Verbändebündnis. Tatsächlich ist jedoch eine bundesweite Förderung von 540 Millionen Euro pro Jahr notwendig. Das rechnet die Pestel-Studie vor. „Die neue Bundesregierung wird sich daran messen lassen müssen, ob sie es ernst meint und diesen Fördertopf für das altersgerechte Bauen bereitstellt“, so das Verbändebündnis „Wohnen 65plus“.

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