Netty Müller-Grosse für großes Engagement geehrt

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Netty Müller-Grosse im Gespräch mit dem heimischen Bundestagsabgeordneten René Röspel (SPD)

(21:02 Uhr) (Dietmar Laatsch) Hagen/Westf. – Im AllerWeltHaus wurde heute eine beeindruckende Frau für ihr friedenstiftendes Lebenswerk geehrt. Dr. Christian Kingreen überreichte Netty Müller-Grosse den „Fritz-und-Ingeborg-Küster-Friedenspreis“. Erst zum zweiten Mal wurde dieser Preis von der Organisation der Südwestfälischen Aktion Friedenszeichen vergeben. Warum Netty Müller-Grosse mit dieser Auszeichnung geehrt wurde, in der Veranstaltung im AllerWeltHaus wurde das sehr deutlich. Als 20-Jährige kam Netty Müller-Grosse aus den Niederlanden, um sich für die deutschen Flüchtlinge einzusetzen, die aus den Ostgebieten vertrieben worden waren. Sie kam mit finanzieller, materieller und moralischer Hilfe, die sie in den Niederlanden organisiert hatte. In Friedland und an anderen Orten kümmerte sie sich um Zukunftsfragen, wie Arbeit und Wohnung für die Betroffenen. In einem schwierigen Umfeld behauptete sie sich dabei. Flüchtlingsarbeit, Arbeit mit Strafgefangenen, Friedensaktionen, das bewegte sie, die selbst als 7-jähriges Kind aus Indonesien mit ihrer Familie nach Holland einreiste. Sie erfuhr dabei selbst, wie es ist, Ausländer zu sein. Ihre Mutter war ihr ganz sicher ein großes Vorbild. Karitatives Engagement war daheim ganz selbstverständlich. Während der Besatzung half die Familie vielen Flüchtlingen außer Landes zu kommen. Als die Besatzer dann kapitulierten versorgte die Mutter von Netty Müller-Grosse die abziehenden deutschen Soldaten mit Lebensmitteln.

Diese Prägung ist es sicher, dass es für die Preisträgerin keinen anderen denkbaren Lebensentwurf gab, als sich für ihre Mitmenschen in schwierigen Situationen einzusetzen. Wut und Ohnmacht über die Kriegstreiberei veranlasste sie auch sich an aussichtslos erscheinenden Aktionen zu beteiligen. So flog sie nach Bagdad um sich mit tausend anderen Aktivisten als lebendes Schutzschild gegen mögliche Bombenangriffe zu stellen. Ihr Einsatz wurde dann auch ganz persönlich als sie ein schwer behindertes Kind in ihre Familie aufnahm. Mohammed starb jung, nachdem er das Abitur geschafft hatte. Netty Müller-Grosse kann und konnte nicht anders als immer wenigstens 100% Einsatz zu geben. Sie will auch heute eine augenscheinliche Aussichtslosigkeit nicht akzeptieren. Als Preis der Erinnerung und als Mutmach-Signal wertet sie diese persönliche Auszeichnung.
Bürgermeisterin Brigitte Kramps erinnerte in ihrem Grußwort an die Verdienste dieser mutigen Frau, die 20 Jahre lang sehr aktiv in Hagen engagiert war. „Niemals Vergessen, die Jugend interessieren und informieren“, dazu forderte die Bürgermeisterin auf.
Dr. Christian Kingreen ging in seiner Laudatio ein paar Lebensstationen der Preisträgerin durch. Wer diese Frau sieht, wundert sich vielleicht auch, was ein Einzelner zu tun in der Lage ist. Genau darum warb dann der Vorsitzende des Vereins Hagener Friedenszeichen auch, sich als Einzelner nicht auszuklinken und sich der Ohnmacht resignativ zu ergeben.
Peter Schütze bereicherte die Veranstaltung mit Rezitationen passender Gedichte. „Denk ich an Deutschland in der Nacht“ von Heinrich Heine, Gedichte die nachdenklich, aufmunternd, mutmachend, zornig und hoffnungsfroh stimmten.
Adama & Ben sorgten für die musikalische Unterhaltung und für gute Stimmung bei Kaffee und Kuchen.
Für eine solche Ehrung gab es dann wohl auch keinen passenderen Ort als das AllerWeltHaus.

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