Diskriminierung gemeinsam überwinden

(15:20 Uhr) Die Diskriminierung von HIV-Positiven im Gesundheitswesen und die Strafbarkeit der HIV-Übertragung sind Schwerpunktthemen der Deutschen AIDS-Hilfe (DAH) auf dem Deutsch-Österreichischen AIDS-Kongress, der heute in Innsbruck beginnt. „Wir fordern Fachwelt und Community auf, sich gemeinsam gegen Diskriminierung und Kriminalisierung stark zu machen“, sagt Carsten Schatz vom Vorstand der Deutschen AIDS-Hilfe. „Der Kongress bietet eine hervorragende Gelegenheit, Vorurteile auszuräumen, sich zu vernetzen und gemeinsame Strategien zu entwerfen.“

Diskriminierung im Gesundheitswesen entgegentreten

Eine aktuelle Recherche der Deutschen AIDS-Hilfe zeigt: Diskriminierung gehört für HIV-Positive im Gesundheitswesen noch immer zum Alltag. Nicht wenige haben zum Beispiel bereits erlebt, dass sie in Arztpraxen oder anderen medizinischen Einrichtungen zurückgewiesen wurden, dass die Schweigepflicht verletzt oder ein Warnhinweis auf ihrer Akte oder an ihrem Krankenzimmer angebracht wurde. Auch von völlig übertriebenen Hygienemaßnahmen in medizinischen Einrichtungen berichten viele. Ähnliche Ergebnisse hatte bereits im letzten Jahr die DAH-Befragung „positive stimmen“ erbracht. Zudem kommt es immer wieder zum Ausschluss von HIV-positiven Beschäftigten im Gesundheitssystem sowie zu unzulässigen HIV-Tests bei betriebsärztlichen Untersuchungen. Darauf hat kürzlich auch der Nationale AIDS-Beirat in einem Votum hingewiesen. Offizielle Empfehlungen der Deutschen Vereinigung zur Bekämpfung der Viruskrankheiten (DVV) und der Gesellschaft für Virologie (GfV) aus dem August 2012 haben daran nichts geändert. Sie werden sogar gelegentlich missverstanden und gegen HIV-positive Beschäftige gewendet. Dazu Carsten Schatz: „Wir müssen mit vereinten Kräften klarstellen: Menschen mit HIV können in jedem Job arbeiten, ohne andere zu gefährden. HIV-Tests im Betrieb sind weder notwendig noch akzeptabel.“

Kriminalisierung der HIV-Übertragung beenden

Zur Kriminalisierung der HIV-Übertragung hat die Deutsche AIDS-Hilfe für den Kongress eine Ausstellung mit Fallgeschichten erstellt. Sie macht deutlich, wie Menschen mit HIV rechtlich die alleinige Verantwortung für die HIV-Übertragung zugeschoben wird. Dies verhindert die Übertragung von HIV nicht, sondern fördert sie sogar. Die Strafandrohung konterkariert die erfolgreiche Präventionsbotschaft, dass jeder Mensch für den eigenen Schutz Verantwortung übernehmen kann, und trägt zur Tabubildung bei.  DAH-Vorstand Carsten Schatz: „In Österreich gab es in letzter Zeit immer wieder besonders harte und teils absurde Verurteilungen von
Menschen mit HIV, selbst wenn eine Übertragung gar nicht möglich gewesen ist. Wir möchten in Innsbruck deutlich machen: Die Kriminalisierung ist immer diskriminierend und kontraproduktiv.“

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