Hagener Tierschützer punkten gegen Großkonzerne der Reisebranche

(WDSF – Hagen/Westf.) Knapp einen Monat benötigte das Wal- und DelfinschutzForum (WDSF) sämtliche großen deutschen Reiseveranstalter davon zu überzeugen, ein „Todes-Delfinarium“ in Dubai nicht mehr zu bewerben. Nachdem die marktbeherrschenden Unternehmen anfänglich nur zögerlich reagierten, machten sie jetzt nach einem Sturm der Entrüstung auf Facebook einen Rückzieher: TUI, DER Touristik mit ITS, Dertour, Jahn Reisen, Tjaereborg und Meier’s Weltreisen, FTI Touristik, Schauinsland Reisen und als letzter Thomas Cook mit Neckermann stoppen sämtliche Werbung für das Hotel-Delfinarium.

Das WDSF hatte dokumentiert, dass in dem „Dolphin Bay“-Delfinarium des Hotels „Atlantis The Palm“ in Dubai innerhalb von fünf Jahren mehr als 10 Delfine verstorben sind. 28 Delfine hatte das Hotel im Jahr 2007 zur Eröffnung von den Solomon-Inseln nach einem 30-stündigen Flug importiert. Fünf Delfine starben kurz nach der Ankunft. „Alle 28 Delfine stammen aus einer der grausamsten und blutigsten Delfintreibjagdjagd aller Zeiten und landeten in dem Todes-Delfinarium in Dubai“, formuliert das WDSF auf seiner Internet-Seite.

„In dem 4.500 qm großen Freiluftgehege haben wir vor Ort festgestellt, dass die überlebenden Delfine fast keinen Sonnenschutz haben und in der sengenden arabischen Sonne regelrecht verbrennen. Die Haut der sensiblen Meeressäuger ist schwarz gebräunt“, sagt WDSF-Geschäftsführer Jürgen Ortmüller.

Bei einigen der Reiseveranstalter hieß es bisher: „Gehen Sie im hoteleigenen hochmodernen Trainings- und Schulzentrum mit den Delfinen auf Tuchfühlung, wo gestrandete oder kranke Tiere unter der Aufsicht und Betreuung eines Expertenteams ein neues Zuhause gefunden haben“.

FTI Touristik reagierte Anfang April als erste auf die WDSF-Vorwürfe und ließ sofort sämtliche Schaufensterwerbung in zugehörigen Reisebüros entfernen, stoppte die Internet-Werbung und in den neuen Reisekatalogen ab Juli 2013 würde das Delfinarien-Angebot auch nicht mehr erscheinen, so FTI PR-Manager Christian Müller gegenüber dem WDSF. Müller hatte sich zwar vorher beim Hotel Atlantis The Palm erkundigt und es hieß von dort, dass es den Delfinen gut gehe, aber aufgrund der WDSF-Recherche zog FTI es vor, die Werbung zu stoppen.

Nachdem das WDSF auf Facebook und auf seiner Homepage vor zwei Tagen zum Boykott von Thomas Cook mit Neckermann aufgrund anfänglicher Ignoranz zum Thema aufgerufen hatte und den Mammut-Veranstalter ebenso in eine kritische online-Petition mit über 8.600 Unterzeichnern eingebunden hatte, reagiert gestern auch der drittgrößte deutsche Reiseveranstalter nach hunderten kritischer Stimmen auf der eigenen Facebook-Seite.

Julian Clemenz, Thomas Cook-Chef des Unternehmensbereichs Entwicklung und Qualität schrieb dem WDSF gestern: „Auch wir haben bereits letzte Woche veranlasst, dass in zukünftigen Katalogen das Delfinarium nicht mehr beworben wird. Die Agentur vor Ort ist zudem angewiesen, ab sofort keine Ausflüge zum Delfinarium mehr anzubieten. Wir bewerben das Delfin-Schwimmen im Atlantis The Palm nicht mehr aktiv online.“

Die Delfinschützer hoffen, dass durch finanzielle Ausfälle aufgrund des Wegfalls der Bewerbung des Dubai-Delfinariums kaum noch Wildfänge nachgekauft werden können und die Aufrechterhaltung des Delfinariums für den Betreiber schwierig wird.

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