(Leserbrief) „Altervorsorge bleibt außen vor“

„Nur 38 Prozent der Jugendlichen zwischen 17 und 27 Jahren sorgen durch eine private Zusatzversicherung für ihre Alterssicherung vor. Das hat eine Befragung der Hertie School of Governance ergeben. Welche Überraschung. Zum einen denkt man in dem Alter noch nicht an solch ferne Zeiten. Zum anderen: Wer verdient in diesem Alter denn schon genug, um die Prämien bedienen zu können? Nicht umsonst lautet der Untertitel der Studie „Von der Generation Praktikum zur Generation Altersarmut“. In diesem Alter geht es erst einmal darum, einen Ausbildungsplatz zu finden, im Beruf Fuß zu fassen – wenn es geht, mit einem unbefristeten Arbeitsverhältnis, denn wie sonst lassen sich die Beiträge regelmäßig überweisen? Und dann will man eine eigene Wohnung einrichten usw. usf. Da nutzt es wenig, dass 89 Prozent der befragten Jugendlichen wissen, dass sie nach dem Willen der Regierenden für ihr Alter privat vorsorgen sollen.

Zeigt das nicht überdeutlich, dass das propagierte Rentensystem auf tönernen Füßen steht? Dabei haben wir ein funktionierendes Rentensystem, das aber durch die Regierungen unter Kohl, Schröder und Merkel systematisch ausgehöhlt wurde. Arbeitnehmer und Arbeitgeber zahlen anteilig in die gesetzliche Rentenkasse ein. Und daraus wird in einem Umlageverfahren die Rente finanziert. Dieses System hat sich in der Finanz- und Bankenkrise von 2008 als sehr stabil erwiesen, hat die OECD in einer Untersuchung festgestellt. Stabiler als alle privaten, kapitalgedeckten Vorsorgemodelle. Angesichts der jüngsten Senkungen des Leitzinses durch die Europäische Zentralbank sinken die Zinsen auf die Einlagen beträchtlich. Wir haben in den letzten Jahren so viele Krisen des Finanzsektors erlebt, dass es klar ist, dass über einen Zeitraum von 40 bis 50 Jahren private Vorsorge ein äußerst unsicheres Geschäft ist. Sie kann dazu dienen, den Lebensabend zusätzlich abzusichern, aber nicht als langfristige Abdeckung eines auskömmlichen Lebens im Alter.

Der DGB hat ein klares Rentenkonzept vorgelegt: Rücknahme der Kürzungen beim Rentenniveau, Abschaffung von prekären Beschäftigungsverhältnissen, Mindestrente gegen Altersarmut, Rentenbeiträge auf alle Einkommensarten. Das Konzept ist durchgerechnet. Auch die Sozialverbände haben Konzepte vorgelegt, die alle auf dem Umlageverfahren einer gesetzlichen Versicherung beruhen. Wenn wir keine Generation Armut wollen – die sich jetzt schon rapide aufbaut – ,müssen solche Forderungen umgesetzt werden. Politisch bieten die Bundestagswahlen ein Bühne, für solche Forderungen einzutreten.“

Ruth Sauerwein

58093 Hagen

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